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Schärfe deine Wahrnehmung: Yoga für die Sinne
Bild: Shutterstock

Schärfe deine Wahrnehmung: Yoga für die Sinne

Von Cornelia Köster

Unsere fünf Sinne nehmen sehr viel wahr, aber vieles eher unbewusst – daher bleibt oft das Besondere, das wirklich Wichtige an Dingen und Situationen verborgen. Und auch wenn etwa unsere Augen das „Offensichtliche” einer Begebenheit sehr genau wahrnehmen, nehmen wir selten intensiv mit allen Sinnen wahr und vergessen unsere Eindrücke oft schon nach kurzer Zeit wieder. Wenn wir dagegen alle Sinne bewusst in unsere Wahrnehmung einbeziehen, erfahren wir die Welt mit ihren unzähligen, vielfältigen Besonderheiten auf eine neue achtsame und lebendige Art und Weise.

Yoga hilft uns dabei, unser Alltagsdenken ruhiger werden zu lassen und unsere Wahrnehmung unter Einbeziehung aller Sinne zu verfeinern und zu schärfen. So können wir uns „besinnen” und das Leben und die Welt in ihrer aufregenden Vielseitigkeit, ihrer rohen Echtheit, ihrer bunten Vielfalt wahrnehmen.

Deshalb habe ich das Thema „Sinne” in meinen Yogastunden aufgegriffen – und jedem Sinn eine Yogasequenz gewidmet: vom Riechen und Schmecken über den Tastsinn bis zum Hören und Sehen

Im Yoga und Ayurveda wurde den Sinnen übrigens schon immer besondere Bedeutung beigemessen. Dort sind Sinnesorgane auch als Wahrnehmungsorgane bekannt und heißen Jnana Indriyas oder Buddhi Indriyas. Im Folgenden gehe ich auf die einzelnen Sinne ein und wie sie in der jeweiligen Yogasequenz sensibilisiert und aktiviert werden.

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Das Riechen, der Geruchsinn

Dies ist der erste in uns aktive Sinn. Bevor wir einen Geruch bewusst wahrgenommen haben, hat er schon unser Unbewusstes erreicht. Gerüche lösen in uns Erinnerungen, Gefühle, Wohlbefinden oder Unbehagen aus. Das „Riechhirn” (limbisches System) ist der emfänglichste aller Sinne. Hier sind Duft, Stimmung, Langzeit- und Kurzzeitgedächtniss miteinander gekoppelt. 

Da dies unser erster erfahrbarer Sinn ist, hat er viel mit Erdung, Ankommen und Verwurzlung zu tun. Entsprechend wird die dazugehörige Sequenz von Pranayama, erdenden Stand- und Balancehaltungen dominiert: 

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Das Schmecken, der Geschmacksinn 

Die Sensibilität für die Wahrnehmung von Geschmacksreizen ist bei Menschen auch genetisch bedingt und individuell unterschiedlich. Unsere Geschmacksgelüste signalisieren uns, welche Defizite unser Körper, aber auch unsere Seele hat. Geschmack wird allerdings auch stark durch Gewohnheiten dominiert und desensibilisiert.

Durch Bewusstheit können wir uns unsere Essgewohnheiten, aber auch darüber hinaus andere Gewohnheiten genauer betrachten und diese bei Bedarf verändern. Das Thema Gewohnheiten ist der Fokus der dazugehörigen Yogapraxis, ebenso der Umgang mit Essen, vor und nach der Yogapraxis:

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Das Fühlen, der Tastsinn

Das Jnanendriya des Tastsinns ist die Haut. Der Tastsinn ist für einen Großteil des Körperbewusstseins verantwortlich, das durch Yoga immer feiner wird. Wenn du eine Asana übst, werden Empfindungen von Druck, Temperatur und Dehnwohlschmerz stimuliert, die wiederum alle den Tastsinn aktivieren. In der ausgleichenden Endentspannung verschmelzen all diese Eindrücke zu einem harmonischen Wohlbefinden. Diese Wahrnehmungen innerhalb des Körpers verfeinern den Tastsinn in Bezug auf Lebewesen und Gegenstände.

Fühlen und Spüren wird auch durch Berührung genährt. Der Tastsinn steht für die Offenheit, sich berühren zu lassen und auf mehreren Ebenen berührt zu werden. Dies schenkt uns das Gefühl von Geborgenheit und öffnet uns für Liebe, Zuneigung und Wärme. Die Voraussetzung uns anderen gegenüber zu öffnen ist, dass du dich dir gegenüber öffnest und dich zutiefst berührst.

In dieser Yogasequenz stehen Atmung, Entspannung und Rückbeugen im Vordergrund:

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Das Hören, der Hörsinn

Das Jnanedriya des Hörsinns sind die Ohren. Ein wichtiger und oft vernachlässigter Aspekt des Hörens ist das Zuhören auf einer tieferen Ebene, uns selbst und anderen. Dabei wollen wir alle gehört werden. Achte darauf, wie aufmerksam du beim Zuhören bist. Damit kannst du anderen und dir selbst eine große Freude machen. Denn der Hörsinn steht auch für das Hören deiner inneren Stimme, für Intuition und Klarheit.

Neben dem Hören ist das innere Ohr auch für den Gleichgewichtsinn verantwortlich. Die Balancehaltungen im Yoga können den Gleichgewichtsinn und auch das allgemeine Körperbewusstsein verbessern.

Die Praxis zum Hörsinn konzentriert sich auf verschiedene Gleichgewichtsübungen:

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Das Sehen, der Sehsinn

Die am meisten beanspruchte Sinnesorgane in unserer modernen Welt sind unsere Augen. Das Sehen braucht sehr viel Energie – denn wo die Augen sind, ist auch unsere Aufmerksamkeit. Die Arbeit am Computer, die unzähligen Sinneseindrücke überlasten unsere Augen. Als Ausgleich ist es von großem Wert, regelmäßig in die Ferne zu blicken. Wie wohl das tut, spüren wir, wenn wir auf die Weite des Meeres oder von einem hohen Gipfel blicken. 

Der Sehsinn steht aber auch für das nach Innenschauen und Erkennen, was für uns wirklich wesentlich ist. Im Yoga gibt es die Differenzierung des sogenannten „Sehers“ und des „Gesehenen“, beides sind Instanzen in uns. Der „Seher“ sieht die Dinge so, wie sie wirklich sind, was sich maßgeblich von dem unterscheidet, was in unserem Verstand ankommt, eben das „Gesehene“. Denn dies enthält unsere eigene Interpretationen, die unsere Bewertungen, Wünsche,  Erfahrungen und Assoziationen enthält.

In unserer Yogapraxis werden wir unsere Stabilität durch die Konzentration auf ein Drishti (Konzentrationspunkt) unterstützen und Augenyoga für die Vitalität der Augen üben:

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