Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Large yoga spirituell erfahrung ss 601199264
Bild: Shutterstock

Spiritualität im Yoga: Fremdschämen beim OM

Von Katharina Maurer

Ich rolle meine Matte aus und mache es mir bequem. Meine erste Yogastunde seit langem - seit meiner Kindheit, um genau zu sein. Ich will etwas für meinen Körper tun und nachdem ich sämtliche Spinning-, Step Aerobic- und Bauch, Beine, Po-Kurse ausprobiert habe, ist jetzt Yoga dran. Während ich auf meiner Matte sitze, erinnere ich mich daran, wie ich als Kind mit einer Freundin meiner Mutter Yoga gemacht habe und dabei ziemlich viel Spaß hatte.

Om, Namasté - und Fremdscham

Eine zarte Frau, mit noch zarterem, fast durchsichtig schimmernden Teint, betritt den Raum. Die Yoga-Lehrerin. Ihre blonden Locken scheinen in Kombination mit dem Tageslicht fast eine Art Aura um ihren Kopf zu formen. Sie beginnt die Stunde und singt mit einer hauchigen Glockenstimme ein Mantra. In mir steigt Fremdscham auf. Verlegen gucke ich mich um: Wird etwa erwartet, dass ich jetzt mitsinge?!? Keine 10 Pferde könnten mich zum Mitsingen bewegen - ich hasse singen! Ich kann es auch nicht. Zum Wohl der Gemeinschaft - und meiner Wenigkeit - bleibe ich stumm.

Die Lehrerin endet ihr Mantra mit OM. Ich rolle meine geschlossenen Augen und kann mir ein leichtes Kopfschütteln nicht verkneifen. Was für ein Klischee. Zum Glück beginnt jetzt endlich die Stunde. Ich bekomme, weswegen ich in diesen Kurs gegangen bin: Bewegung, Dehnung, ein gutes Körpergefühl und ja, auch Gedankenruhe.

Die ganze Entspannung ist aber fast wieder dahin, als meine Mit-Yogis zum abschließenden Namasté die Hände vorm Herzen zusammenführen und sich dann in eine tiefe Verneigung senken. Ja, so eine richtig tiefe. Mit Stirn auf dem Boden und so. Um niemanden zu beleidigen, neige ich meinen Kopf wie bei einem Nicken leicht nach unten. Das muss reichen. Alles andere erinnert mich zu sehr an Religion, und das ist nicht unbedingt positiv besetzt.

Die spirituelle Aversion

Ich bin nicht getauft, habe in der Schule Religion schnellstmöglich abgewählt und kann weder mit Gott noch mit Spiritualität was anfangen. Ich gebe meiner Hippie-Mutter die Schuld: Schamanismus, Kraftorte und Meditation waren alltägliche Bestandteile meiner Kindheit, der obligatorische Salbei-Wedel kam bei uns regelmäßig zum Einsatz und Salzkristall-Lampen waren omnipräsent.

In diesem Rahmen lernte ich, wie schon erwähnt, auch Yoga kennen. Im Vergleich zum Meditieren langweilte mich das immerhin nicht. Während meines Studium trat Yoga dann wieder in mein Leben, als ich mich, siehe oben, in einem Fitnessstudio anmeldete und feststellte, dass ich beim Yoga herrlich den Kopf ausschalten konnte. 

Aus Abneigung wird Verständnis

Die spirituellen Aspekte von Yoga ignorierte ich lange einfach. Im Fitness-Studio störte es niemanden, dass ich nicht mitsang und mich nicht verbeugte. Für mich hatte die Stunde trotzdem ihren Nutzen. Irgendwann wurde ich neugierig und begann verschiedene Studios, Yoga-Stile und -LehrerInnen auszuprobieren. Es war schön zu erfahren, dass ein Savasana nicht zwangsweise mit einer gehauchten Singsang-Stimme angeleitet werden muss, sondern auch mit einer kräftigen, klaren Stimme angeleitet werden kann. Und nach und nach gewöhnte ich mich an das OM und Namasté. Es wurde einfach zum Teil der Stunde - und aus meiner Abneigung wurde Toleranz.

Wirkliches Verständnis stellte sich dann erst in der Yogalehrerausbildung ein. In dem Moment nämlich, als ich verstand, dass die spirituellen Elemente einer Yogastunde einen wirklichen Sinn haben - und eben nicht nur spiritueller Schnickschnack sind, auf den -salopp gesagt-, Bioladen-Mamas mit Batik-Seidenschals anspringen. Dass etwa die Schwingungen eines Mantras tatsächlich auch eine körperliche Wirkung haben und nicht nur dazu dienen sich geistig in andere Sphären zu beamen (oder sich vom Pilateskurs abzuheben).

Ein bisschen Om geht immer

Mantrasingen ist noch immer nicht meine Lieblingsbeschäftigung, und die spirituellen Walle-Wesen, die einem hier und da in Yogastunden begegnen, wie auch deren dogmatische Gespräche, sind mir bis heute fremd - und werden es wohl auch immer bleiben. Aber jetzt, wo ich den Sinn der einzelnen Elemente und die Wirkung einer vollständigen Yogapraxis erfahren habe, kann ich mich ohne jeden Widerstand verneigen. Ja, sogar bis ganz tief auf den Boden. Und auch das OM singe ich voller Überzeugung mit.