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Bild: youtube.com | Omega Institute for Holistic Studies: Gurmukh Kaur Khalsa - Liberation Kriya

Gurmukh Kaur Kalsa über Kundalini Yoga

Von Anna Trökes

Sie ist sicherlich die bekannteste Lehrerin des Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan. Bei ihr üben Stars wie Madonna, Rosanna Arquette, Courtney Love und Cindy Crawford. Ihre Schwerpunkte sind »Yoga für die Frau« und vor allem »Yoga für Schwangere«.

Obwohl sie – wie sie selbst immer wieder betont – auf eine sehr glückliche Kindheit zurückblickte, hatte sie sich von den Strömungen der Hippie-Bewegung mitreißen lassen und einem bedenkenlosen Alkohol- und Drogenkonsum hingegeben. Als sie aus dem Leid, dass ihr daraus erwuchs, einen Ausweg suchte, fand sie zum Yoga.

Sie begegnete Yogi Bhajan schon 1971 in Los Angeles. So kam es, dass sie zu einer der Pionierinnen des Kundalini-Yoga im Westen wurde, den sie nun schon seit über dreißig Jahren unterrichtet. 1983 gründete sie das »Golden-Bridge-Center« in Los Angeles. Es ist eine Yoga-Community und zugleich das größte Yogazentrum der USA. 1800 m2 Studiofläche, mehr als 100 Kurse pro Woche und mehr als 5000 Übende pro Monat – abgesehen von den etwa 10.000 Gästen pro Monat – weisen auf Dimensionen hin, wie man sie sonst nur von den ganz großen Gurus Indiens wie etwa Sri Sri Ravi Shankar kennt. Gurmukh hat dieses Zentrum erschaffen, damit es den Menschen als ein Zufluchtsort dient, an dem sie sich von den Stürmen des Lebens erholen können. Gurmukh wurde vor allem dadurch berühmt, dass sich bei ihr viele Hollywood-Stars vom Stress ihres Prominentenlebens erholen oder sich auf die Geburt vorbereiten. Ihr wesentliches Anliegen ist es jedoch, Menschen in den Zustand von innerer Ausgeglichenheit und Frieden zu führen und sie dazu zu bewegen, für ihren Körper ("healing you"), ihr Leben ("healing your family") und ihre Umwelt ("healing the world") die Verantwortung zu übernehmen. »Wir heilen erst uns, dann unsere Familien und dann die Welt. Auf der Matte üben wir Yoga ein. Dann rollen wir die Matte zusammen und machen im Alltag weiter – als Yoginis und Yogis«, ist eine von Gurmukhs Botschaften, die sie wieder und wieder verkündet.

Was aber vor allem auffällt, ist Gurmukhs Energie. Wer sieht, wie sie endlos in den anstrengendsten Übungen mit Leichtigkeit und Anmut zu verweilen vermag, wird niemals denken, dass sie die 70 bereits überschritten hat. 

Die Tradition des Kundalini-Yoga von Yogi Bhajan

KUNDALINI-YOGA ist eine andere Bezeichnung für Hatha- Yoga. Sie zielt darauf ab, dass mittels der Yogatechniken unser schlafendes Bewusstseinspotenzial (Kundalini) geweckt wird, um sich als Bewusstseinsenergie in unserem Leben entfalten zu können. Auch wenn sie alle dieses Ziel verfolgen, können die Inhalte der »Kundalini« genannten Yogaformen durchaus beträchtlich voneinander abweichen. 

Yogi Bhajan (1929–2004) stammt aus einer Sikh-Familie, die im indisch-pakistanischen Grenzland lebte. Sein Vater war Arzt, weswegen er sich schon früh mit Medizin, natürlichen Heilweisen und Yoga zu beschäftigen begann. Aufgrund seiner intensiven Studien wurde er bereits im Alter von 16 Jahren von seinem Lehrer Sant Hazara Singh zum Meister des Kundalini-Yoga ernannt. Aber er studierte auch Wirtschaftswissenschaft, schlug nach dem Diplom eine erfolgreiche Laufbahn im indischen Staatsdienst ein und gründete eine Familie. Er besuchte weiterhin spirituelle Lehrer und diente einige Jahre im Goldenen Tempel in Amritsar, dem wichtigsten Sikh-Tempel, als Karma-Yogin (das ist ein Mensch, der sein Handeln uneigennützig und oft auch unentgeltlich in den Dienst einer Sache stellt).

3HO – Happy Healthy Holy Organisation

1968 wurde er von einer kanadischen Universität einladen, einen Vortrag über Yoga zu halten. Dort und in Los Angeles erlebte er an den Universitäten, dass die Mehrzahl der Studentinnen und Studenten weniger ihre Studieninhalte, sondern vielmehr Drogen, Alkohol und sexuelle Freizügigkeit im Kopf hatten. Es war die Zeit der Blumenkinder und Hippies, und der Lebensstil der Studenten war außerordentlich exzessiv und selbstzerstörerisch. Im Grunde suchten sie nach Glückseligkeit, Entspanntheit und Freiheit – das erkannte Yogi Bhajan klar und schnell. Und er wusste ja, dass dies mit Mitteln zu erreichen ist, die nicht dermaßen zerstörerisch auf die körperliche, geistige und seelische Gesundheit wirken.

Er begann also, spezielle Yogakurse auf Basis der Sikh-Yogatradition zu entwickeln, und gründete im Laufe der nächsten Jahre die »3HO« – die »Happy Healthy Holy Organization« ("Glücklich Gesund Heilig Organisation"). Yogi Bhajan erschuf damit ein vollständiges, didaktisch wohldurchdachtes und spirituell tiefgründiges Yoga-Übungssystem, das unter dem Namen »Kundalini Yoga« weltweit bekannt wurde.

YOGI BHAJAN Yogi Bhajan war überzeugter Sikh. Die etwa 500 Jahre alte Sikh-Religion ist monotheistisch, betont die Einheit und Schönheit der Schöpfung, lehrt ganzheitliches Denken, fördert ein sozial ausgerichtetes, respektvolles Leben, die Integration universeller Tugenden im Alltag und eine spirituelle Entwicklung. Auf dieser Lehre, den Lebensregeln und der Yogatradition der Sikhi beruht Yogi Bhajans Yogakonzept. 

Die Hauptthemen des Kundalini Yoga

  • Der Kundalini-Yoga ist ein in sich abgeschlossenes, komplexes Hatha-Yoga-System, das gleichermaßen Bewegungsabläufe, Asanas, intensive Atemübungen, Meditationen, Gesang (Mantra, Kirtan), Visualisierungen und Übungen zur Umstimmung schädlicher Mentalkräfte umfasst. Dazu gehören auch eine yogische Lebensführung und eine vegetarische Ernährungsweise (die Küche der 3HO-Zentren ist berühmt für ihre hervorragende vegetarische Kost!).
  • Die Methoden des Kundalini-Yoga stehen in einem engen Zusammenhang zu Sat Nam Rasyam, der Heilkunst der Sikhs.
  • Die Übungen des Kundalini-Yoga sind häufig fordernd und anstrengend. Sie werden sehr lange geübt (mindestens 3, maximal 15 Minuten)

Was dies für das tägliche Leben bedeutet

  • Während des langen, anstrengenden Übens begegnet man seinen Widerständen, Aggressionen, seiner Wut, seinen Ohnmachtsgefühlen und noch diversen anderen negativen Emotionen. Durch das Weitermachen in einer inneren Verfassung größtmöglicher Gelassenheit beginnen diese Emotionen sich zu wandeln, sodass aus Widerstand Hingabe wird, aus Wut Friedfertigkeit und aus Ohnmacht Kraft. Daraus folgt das auf Erfahrung gegründete Wissen, dass jede negative Emotion in eine positive gewandelt werden kann.
  • Durch das lange Üben erfährt man die Kraft, die tatsächlich in einem steckt.
  • Yoga findet nicht nur auf der Matte statt, sondern draußen im alltäglichen Leben. Daraus entwickelt sich ein ethischer Lebensstil, der alle Bereiche des Lebens durchdringt. 

Interview mit Gurmukh Kaur Khalsa

ANNA TRÖKES: Warum ist Yoga ein Schatz für die Menschheit? 

GURMUKH: Der Yoga ist mehr als je zuvor ein Schatz für uns, wenn man den Zustand betrachtet, in dem die Welt sich momentan befindet. Wir leben im Wassermannzeitalter und brauchen ein Werkzeug, eine Wurzel, eine Grundlage, die es uns ermöglicht, vom Herzen her zu leben. Im Yoga geht es darum, zu seinem ursprünglichen Selbst zurückzukehren, das vom Herzen her in Freundlichkeit und Mitgefühl lebt. 
Es ist ganz einfach, es ist nicht kompliziert. Das einzige, was kompliziert ist, ist der Geist!

Warum hast du angefangen, Yoga zu praktizieren?

Für mich gab es viele Zeichen entlang meines Weges – es waren Menschen und es waren Situationen, die teilweise sehr schmerzhaft waren und die meinen Geist so verstört haben, dass ich beinahe an den Punkt kam, aufgeben zu wollen und sogar meinem Leben ein Ende setzen wollte. Auf der Reise durch mein Leben gab es Drogen, Alkohol und sexuelle Freizügigkeit. Alles Dinge, die mich ablenkten, die mich aber auch, so gut es ging, am Leben erhielten, weil es so weh tat, nicht mit mir selbst verbunden zu sein. Nicht verbunden zu sein mit der universellen Kraft – ohne Verbindung zu Gott und der Seele. Die meisten Menschen gestalten auf diese Weise ihre Lebensreise. Erfahren sie jedoch die Gunst des Zufalls und eines guten Karmas, werden sie, egal welchen Zweifel und Probleme sie erfahren haben, um Hilfe bitten. Und dann wird Hilfe kommen. So wie sie für mich kam – in Form meiner ersten Yogaklasse vor 39 Jahren.

Wie bist du dann Yogalehrerin geworden? 

Aufgrund des Einflusses und der Inspiration meines Lehrers Yogi Bhajan. Er sagte, wenn du dich schon entscheidest, wirklich eine Schülerin zu werden, dann kannst du auch gleich daran arbeiten, Lehrerin zu werden. So kannst du Menschen helfen, auf ihrer Reise umzukehren, die deiner ähnlich war. Yogalehrer zu werden heißt, umzukehren und sein Leben neu zu beginnen. Wie seine Heiligkeit, der Dalai Lama, sagt: Die Bestimmung unserer Seele ist es, anderen auf spielerische und kindliche Art und Weise zu dienen – bis alle Lebewesen in Frieden und Glück leben. Es reicht also nicht, Yoga nur für uns selbst zu praktizieren – es muss zum Werkzeug werden, um anderen zu helfen.

Was ist das Geschenk, das der Kundalini-Yoga den Menschen macht? 

Der Kundalini-Yoga wirkt schnell. Das Schlüsselwort ist SCHNELL! Die Menschen im Westen haben nicht viel Geduld und sie denken außerdem, dass sie keine Zeit haben. Das, was vor Hunderten von Jahren in Indien funktionierte, nämlich dass man als »Sannyasin« sein Leben vollständig der Yogapraxis widmete, seine Familie verließ und im Himalaya in einer Höhle lebte, das ist mit unserer westlichen Lebensführung nicht zu vereinbaren. Vielleicht findest du zum Yoga, nachdem du eine Beziehung eingegangen bist. Du hast Kinder, musst Rechungen bezahlen, arbeiten gehen – wie kann dann jemand Sannyasin werden, ohne all seine Verantwortung und Verpflichtungen fallen zu lassen?!
Als Yogi Bhajan kam, hatte er einen Yoga im Gepäck für Haushalte, Kinder und Familien. Einen Yoga für eine Gesellschaft, die darauf ausgerichtet war, schnell zu lernen. Für die es darüber hinaus notwendig war, die Wohltaten ihrer Übungspraxis schnell zu erfahren, um ihren Geist, ihre Herzen und Abhängigkeiten zu heilen. Alles zu heilen, was geheilt werden musste, um wieder in Anbindung mit der Seele zu sein. Das macht Kundalini-Yoga.
Ich habe es immer und immer wieder gesehen im Laufe der 38 Jahre, die ich unterrichte: Ich sah Menschen ihre Depression verlassen und glücklich werden, ich sah Menschen aus der Schwere in die Leichtigkeit finden, ich sah Menschen aus der Konfusion in die Klarheit kommen – und das kann tatsächlich in einer Yogaklasse geschehen. So schnell wirkt es!
Und das Schöne ist: Jeder Mensch, der in seinem Körper lebendig ist, jede/r, die/der noch atmet, kann Kundalini-Yoga praktizieren.

Was ist deiner Meinung nach die Essenz der Lehre des Kundalini-Yoga? 

Die Essenz besteht darin, zu praktizieren, bevor die Sonne aufgeht. Wir machen unsere Meditationen, unsere Gebete, Reinigungsübungen, leeren unseren Geist. Wenn die Sonne aufgeht, das Ganze noch einmal. Und dann gehen wir hinaus, um der Menschheit zu dienen.
Wir arbeiten hart und teilen unseren Verdienst mit anderen. Wir tun nichts, was uns von uns wegführt: Wir verzichten auf Alkohol, Drogen und den Verzehr von Tieren, also von allem, was unser Wissen und Weisheit trüben kann. All diese Dinge sind keine Sünde, nichts Schlechtes, nicht falsch oder richtig. Aber wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass sie das sechste Chakra schließen, das identisch mit der Hypophyse ist – dadurch sind wir nicht so verbunden mit der göttlichen Kraft, wie es eigentlich möglich wäre.

Gibt es für dich Übungen im Kundalini-Yoga, die du für unverzichtbar hälst? 

In jeder meiner Stunden und in meiner eigenen Praxis übe ich Sat Kriya, das heißt, ich verbinde den Einatem mit dem Laut SAT und den Ausatem mit dem Laut NAM. SAT heißt »Wahrheit«, NAM heißt, »ich bin identisch mit« oder »mein Name ist«. Das bedeutet, dass mich jedes Einatmen und jedes Ausatmen immer wieder zu meiner Wahrheit führt.

Eine weitere Übung, die auch immer in meinem Unterricht vorkommt, ist die SA-TA-NA-MA-Meditation. Sie sollte abends geübt werden, in Verbindung mit Kirtin Kriya – bei dieser Übung legt man im Wechsel die Daumenkuppe mit den anderen Fingerkuppen aneinander und sagt bei jeder Berührung eine der Silben laut oder leise.

In allen Unterrichtsstunden sollte um alle Teilnehmer herum ein elektromagnetisches Feld aus Licht erschaffen werden, jeden Tag auf ’s Neue, damit sie die Empfindung in sich festigen, in diesem Licht behütet und geschützt zu sein. Dazu eignet sich besonders eine Übung, bei der wir einatmend die Arme in einem weiten Kreis heben, bis die Finger sich über dem Kopf berühren, und sie ausatmend senken.

Diese drei sind mir unverzichtbar in der täglichen Übungspraxis. Wegen ihrer großen Wirksamkeit – davon bin ich überzeugt – kann der Kundalini-Yoga so schnell Wirkungen zeigen.

Gibt es einen Ratschlag, eine Wegweisung, die du Yogalehrer/innen geben würdest nach mehr als drei Dekaden des Unterrichtens? 

Ich würde den gleichen Ratschlag geben, den Yogi Bhajan uns immer gab: »Keep it up! Bleib dran, halte durch! Wenn du dranbleibst, wenn du durchhältst, wirst du gehalten! Wenn du aufgibst, dann kann nicht einmal Gott dir helfen.«
Gerade in dieser komplizierten und wirren Zeit, in der der Druck auf die Menschen ständig zunimmt, ist es ratsam, sich mit der inneren Stimme zu verbinden, die uns anspornt: »Bleib dran! Bleib dran – und Klarheit wird kommen! Bleib dran – Erleichterung wird kommen! Bleib dran – Erfolg wird sich einstellen!« Worum es sich auch immer handeln mag. Das gilt insbesondere für die nächsten drei Jahre, also bis 2012. Wenn du in dieser Zeit aufgibst, wird es sehr, sehr hart werden. Wir müssen Wege finden, uns nicht über das zu erheben, was viele Menschen in dieser Zeit durchmachen werden. Wir müssen uns vielmehr darum kümmern, jede Zelle unseres Geistes wach zu halten und unser Bestes zu geben.

»Ich möchte so freundlich wie nur möglich sein. Ich möchte so gebend wie nur möglich sein. Ich werde daran glauben, dass ich das kann. Einfach nur das Beste zu tun, was mir möglich ist!« Und so bleibe dran, und dann wirst du gehalten werden. Also: Bleibt dran! 

 

Dieser Text ist ein Auszug aus Anna Trökes' Buch "Die sieben Schätze des Yoga".

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