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Die 5 Tibeter: In 10 Minuten zur Erleuchtung?
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Die 5 Tibeter: In 10 Minuten zur Erleuchtung?

Von Dieter Gurkasch

Als ich zum ersten Mal von den „Fünf Tibetern“® gelesen habe, war das in dem Buch „Lichtnahrung” von Jasmuheen, in dem sie als Unsterblichkeitsübungen vorgestellt wurden. Das hat im Grunde genommen dazu geführt, dass ich mich seit nahezu 20 Jahren mit ihnen beschäftige. Schließlich war ich damals gerade noch dabei, mich davon zu erholen, dass ich zuvor erschossen worden war, zweimal starb und wiederbelebt wurde. Und ich saß im Knast, mit der Aussicht dort auf unbestimmte Zeit – auf alle Fälle aber sehr, sehr lange – zu bleiben. Auch meine Frau war dabei zu lernen, irgendwie mit dieser extremen Situation umzugehen und hatte dafür eine Akupunkturbehandlung ausprobiert. Die hatte bei ihr zu einem starken, spirituellen Öffnungserlebnis geführt, in dessen Folge sie begann, sich für esoterische Themen zu interessieren. Deswegen das Buch mit der Lichtnahrung.

Nun bin ich aber ein ganz schöner Fresssack und das auch mit Begeisterung, weswegen die Vorstellung nichts mehr zu essen, mir nicht im Geringsten zusagen wollte. Ich war ja auch sowieso noch mitten drin in dem ganzen materiellen Film mit Wissenschaftsgläubigkeit und so weiter. Deswegen war mein Spruch in Richtung meiner Frau so: „Ey, guck mal... Wenn wir schon so 'nen Esokram machen, dann lass uns doch lieber so was machen. Stell dir mal vor, in dreißig Jahren zerbröseln schon die Knastmauern um mich rum, und ich sitz hier immer noch völlig unverändert... Hähä, was wollt ihr denn von mir?“ Nicht wirklich ernst gemeint, doch das ist offensichtlich auf sehr fruchtbaren Boden gefallen, denn meine Frau hat sich damals direkt das Buch von Peter Kelder, „Die Fünf Tibeter“®, besorgt und hat nach den Anleitungen darin mit den fünf einfachen Übungen angefangen.

Erste Berührungspunkte mit Spiritualität und „Mädchengymnastik”

14 Tage später berichtete sie mir bei unserem nächsten Besuch begeistert von ihren Erfahrungen. Sie meinte, es gehe ihr so gut wie schon seit Jahren nicht mehr, sowohl psychisch als auch insbesondere körperlich. Meine Antwort waren recht dumme, aber doch sehr klug gemeinte Sprüche: „Fee, na klar geht es dir gut, du machst zum ersten Mal in deinem Leben Sport, da geht es einem besser, deswegen mache ich das doch immer (was eigentlich nicht stimmte, denn im Grunde genommen habe ich immer nur Sport gemacht, um mich besser prügeln zu können…). Aber ich mache drei Stunden Sport am Tag, was, bitte schön, sollen da zehn Minuten lächerliche Mädchengymnastik bei mir bewirken?“ Tja, darauf wusste sie auch keine Antwort, aber das Leben wusste eine.


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Ein paar Tage später habe ich mich dann bei meiner Männergymnastik so heftig an der Leiste verletzt, dass es erst mal Essig war mit dem Sport. Und so hatte ich keine Ausrede mehr, warum ich dieses alberne Mädchenturnen nicht ausprobieren sollte. Schon nach einer Woche habe ich mich dabei erwischt, wie ich morgens pfeifend zur Dusche gegangen bin – und das im Knast, ich mein, da ist schlechte Laune doch eigentlich schon nahezu Pflicht, oder? Eine Erkältung verschwand viel schneller, als sie gekommen war, der Alltag machte mehr Spaß. Nach einigen Wochen haben mich dann die ersten Male Mitgefangene angesprochen, ob ich ihnen was verkaufen würde. Meine erstaunte Frage, was denn, wurde beantwortet mit: „Na, von dem Zeug, das du nimmst. Alter, du grinst schon seit Wochen den ganzen Tag lang.“ Da wurde mir langsam bewusst, dass sich wirklich grundlegend etwas in mir zu verändern begann, und ich fing an mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

Geschichte und Hintergrund der tibetischen Energie-Übungen

Ursprünglich hat Peter Kelder das Buch bereits in den späten 1930er-Jahren geschrieben (Peter Kelder, „The Eye of Revelation“, Mid-Day-Press, Los Angeles 1939). Doch dann ging das Manuskript verschollen und ist erst in den späten 80ern wieder aufgetaucht und erneut verlegt worden. Es erzählt die Geschichte eines am Stock gehenden alten Colonels, der nach Tibet reist, um dort Geheimnisse zu entdecken und einige Jahre später als viriler Herr in den besten Jahren wieder auftaucht und die Übungen mitbringt, die quasi den Jungbrunnen enthalten.

In den 90er-Jahren waren die „Fünf Tibeter“® ja tatsächlich einem Millionenpublikum bekannt. Doch mit Yoga wurden sie damals nahezu gar nicht in Verbindung gebracht. Ich mein, damals war Yoga noch so ein Randgruppenphänomen, da waren so komische Leute mit Wollsocken und Räucherstäbchen. Komische Verrenkungen und indische Gurus – ganz und gar nicht Mainstream.

Aber auch die Yogis haben die „Fünf Tibeter“® nicht wirklich erkannt, denn sehen hätten sie sie können. So habe ich sie zum Beispiel später in einem sehr amerikanischen Tantra-Praxisbuch aus der Mitte der 80er-Jahre wiedergefunden und durfte auf meinen Expeditionen ins Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan eine seiner Kriyas zur Stärkung der Lebensenergie entdecken, die frappierende Ähnlichkeiten zu den „Fünf Tibetern“® aufweist. Der Colonel war also eindeutig nicht der einzige, der sie kannte. Aller Voraussicht nach wird es ja für immer im Dunkeln bleiben, woher die Übungen tatsächlich stammen. Doch ich bin mir schon recht sicher, dass es tantrische Techniken sind.

Die Wirkungen der „Fünf Tibeter”®

  • Die Übungen entwickeln ihre Kraft – wenn auch für den Praktizierenden zunächst ganz unbewusst – aus der dynamischen Kombination von Asana, Bandha und Pranayama.
  • Sie harmonisierien das Chakra-System des Menschen, was auch ihre nahezu unvergleichlich intensive Wirksamkeit etwas erklärbarer macht (und das gibt auch der Geschichte mit dem Colonel immerhin ein bisschen Futter, denn dass tantrische Techniken in tibetischen Klöstern bewahrt wurden, während sie in Indien im Laufe der Mogul-Herrschaft nahezu verschwunden sind, ist in sehr hohem Maße wahrscheinlich).
  • Die fünf Übungen stärken ganzheitlich deine Muskeln, Sehnen und Bänder sowie Rücken und Wirbelsäule.
  • Sie vertiefen deine Atmung und wirken sich positiv auf dein Verdauungssystem und Immunsystem aus.

Das mit Yoga und dem Mainstream ist heute ja ganz anders, nur leider sind die „Fünf Tibeter“® nicht mitgekommen – deswegen schreibe ich jetzt den Artikel für dich. Denn inzwischen bin ich schon seit vielen Jahren Yogalehrer und habe so unendlich viele Spielarten der yogischen Praxis kennengelernt, nur eben noch immer keine einzige, die so unglaubliche Wirkungen mit so wenig Aufwand erzielen. Denn ich bin mit diesen lächerlichen zehn Minuten Mädchengymnastik am Tag ja tatsächlich in einen Prozess eingestiegen, der zu so was wie einer Erleuchtung geführt hat.

Die „Fünf Tibeter”®: Kleine Übungen mit großer Wirkung

Aber zurück zu den Anfängen:

Wie sollte ich denn nun also mit diesem Eso-Bullshit umgehen? Denn schon nach einigen Wochen war ja klar, dass zumindest ein guter Teil der versprochenen Wirkungen tatsächlich auch eintrat – es ging mir wirklich so richtig gut, nicht nur psychisch, sondern auch körperlich viel besser. Ruhiger und satter, als das jemals die drei Stunden Sport am Tag geschafft hatten – womit hatte ich denn nun noch zu rechnen? Etwa wirklich mit der Unsterblichkeit? Würde ich das, wenn dann nicht überhaupt erst in vielen Jahren merken? Ich habe mich dann entschlossen, erst mal einfach mit dem Nachdenken aufzuhören und stattdessen die Praxis beobachtend fortzusetzen.

So wurden die „Fünf Tibeter“® zum festen Bestandteil meines Tagesablaufs.

1. Erster Tibeter: Der Kreisel

 Bei ersten Tibeter drehst du dich mit zu den Seiten ausgestreckten Armen rechts herum um dich selbst.

die 5 Tibeter

2. Zweiter Tibeter: Die Kerze

Im zweiten Tibeter hebst du aus der Rückenlage heraus beim Einatmen Kopf und Beine und lässt sie mit dem Ausatmen wieder sinken.

die 5 Tibeter

3. Dritter Tibeter: Der Halbmond

Im dritten Tibeter beugst du dich im Knien mit dem Einatmen nach hinten und kommst beim Ausatmen zurück. Ziehe das Kinn in Richtung der Halsgrube.

die 5 Tibeter

4. Vierter Tibeter: Die Brücke

Im vierten Tibeter drückst du dich aus dem Sitzen mit gestreckten Beinen mit dem Einatmen bis in die Tischhaltung hoch. Mit dem Ausatem kommst du wieder in die Ausgangshaltung, in der das Kinn die Bewegung in Richtung Halsgrube zum Abschluss bringt.

die 5 Tibeter

5. Fünfter Tibeter: Der Berg

In der letzten Übung kommst du aus der Bauchlage mit den Armen hoch, bis nur noch Handflächen und Fußballen den Boden berührten. Lasse dich mit dem Einatmen von deinem Gesäß nach oben und hinten ziehen, bis du im Berg (der herabschauende Hund aus dem Hatha Yoga) landest. Dann schwingst du dich mit dem Ausatmen wieder in den heraufschauenden Hund zurück.

die 5 Tibeter

Das Ganze übst du zunächst mit drei Wiederholungen pro Tag, langsam und achtsam gesteigert über Wochen auf die im Buch angegebene höchste Wiederhohlungszahl von 21.

Wie die Übungen mein Leben verändert haben

Was sich daraus alles im Laufe der kommenden Monate und Jahre entwickelt hat, ist offensichtlich so erstaunlich für ganz viele Menschen, dass ich gedrängt wurde, ein Buch darüber zu schreiben (Dieter Gurkasch: „Leben Reloaded – Wie ich durch Yoga im Knast die Freiheit entdeckte”). Darüber hinaus war ich Gast in Dutzenden von Fernsehsendungen, es wurden mehr als hundert Zeitungsartikel darüber geschrieben, und ich habe mehrere Hundert Workshops und Vorträge gehalten. Vor allem aber ist daraus YuMiG e.V. entstanden, ein gemeinnütziger Verein, der Yoga und Meditation in inzwischen mehr als 30 Gefängnisse in Deutschland, Österreich und der Schweiz bringt.

Natürlich habe ich in all den Jahren viel ausprobiert und geforscht, habe mich intensiv mit Iyengar Yoga, Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan, Jivamukti Yoga, Sivananda Yoga und vor allem auch tantrischen Techniken beschäftigt (die „Fünf Tibeter“® arbeiten zwar nicht mit sexuellen Praktiken, aber mit sexueller Energie, insbesondere der sechste, aber das ist ja noch mal eine ganz neue Geschichte...). Doch ich bin den „Fünf Tibetern“® immer treu geblieben, denn ich konnte nie eine so kompakte und dabei so stark transformative Praxis für mich finden wie sie. Je länger ich mich mit ihnen beschäftige, desto mehr Tiefe entdecke ich. Ich unterrichte sie, ich rede darüber, ich bilde Instruktoren aus und lerne dabei, verstehe immer mehr von der Wirkung. Doch um die Wirkung zu erzielen, ist das alles gar nicht nötig – du brauchst zehn Minuten am Tag, folge den simplen Anweisungen und bleibe zehn Tage dabei. Dann wirst du es spüren!

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