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Wie Yoga dich zu einem besseren Reiter macht
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Wie Yoga dich zu einem besseren Reiter macht

Von Daniela Kämmerer

„Reiten lernt man nur durch Reiten“ – das hören wir Reiter oft. Und es stimmt auch. Denn natürlich muss man aufs Pferd, um die Techniken zu erlernen und ein Gefühl für die gemeinsame Bewegung zu bekommen. Als Yogis und vor allem als reitende Yogis wissen wir aber: Das ist nur die halbe Wahrheit.

Wir reiten, wie wir leben

Denn alles ist mit allem verbunden. Und beim Reiten wie beim Yoga gilt: Technik allein reicht nicht. Denn wir alle stoßen an einem bestimmten Punkt an unsere eigenen Grenzen, körperlich wie mental. Schließlich sind wir der gleiche Mensch auf dem Pferd wie im Rest unseres Lebens: Wenn wir auf Kontrolle stehen, haben wir die Zügel tendenziell gerne besonders fest in der Hand. Wenn wir uns nicht gut entscheiden können, unsere Gedanken springen, wird es schwerfallen, unsere Pferde effektiv zu führen. Wenn wir uns im Leben lieber klein machen, fällt uns die Aufrichtung beim Reiten ebenso schwer. Wenn wir uns selbst ständig kritisieren, wird uns das auch am Pferd irgendwann im Weg stehen. Konsequenz: Unsere Pferde, zumal wenn sie regelmäßig mit uns zu tun haben, müssen unsere Unzulänglichkeiten ausbaden.

Wie könnte es auch anders sein? Unsere Emotionen, unsere Einstellung, unsere Gedanken, unsere Anatomie, unsere Biografie, unsere Gewohnheiten – all das begleitet uns durch jeden Moment unseres Lebens und ebenso zu unseren Pferden. Doch wenn wir versuchen, am Pferd an uns zu arbeiten, fällt uns unser Päckchen (a.k.a. unser Ego) schnell auf die Füße. Zu unmittelbar die Situation, zu viel Muster, zu viel Anspannung, zu viele Glaubenssätze, zu viel vermeintliches Wissen, zu viele wohlmeinende Ratgeber am Reitbahnrand (alle mit eigenem Päckchen, natürlich).

Die Wirkung von Yoga auf Reiter

Yoga für Reiter

Der geschützte Raum der Yogamatte kann helfen, uns gezielt weiterzuentwickeln und so zu einem besseren „Gesamtpaket“ zu werden, auch für unsere Pferde. Yoga hilft uns, Körper, Geist und Seele in Kontakt, in Harmonie und Einklang zu bringen. Nicht umsonst wird „Yoga” häufig mit „Verbindung” übersetzt. So fällt es uns mit zunehmender Übungspraxis auch leichter, uns mit dem Pferd zu verbinden.

Auf körperlicher Ebene dehnen und kräftigen wir dabei unsere Rumpf-, Core- und Beinmuskulatur und schmieren die Gelenke, sodass wir aufrecht sitzen und unseren Körper kontrolliert einsetzen können. Wir lernen unsere Körper und auch unsere Asymmetrien kennen. Zudem kommt durch die bewusste Atmung unser Nervensystem zur Ruhe, das Herz schlägt langsamer, der Blutdruck sinkt. So kommen wir Schritt für Schritt in Balance und in unsere Kraft. Dressur für Menschen, quasi. 

Und auch das Kopfkino verliert an Dramatik, die Gedanken an Geschwindigkeit, wir gewinnen Abstand zu unseren Emotionen und können so auch alte Muster erkennen und brechen. Wir wirken Stress entgegen, werden präsenter und lernen konstruktiv mit unseren Impulsen umzugehen. Vielleicht werden wir sogar freundlicher, mitfühlender mit uns selbst und anderen.


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Das Ergebnis: Wir fühlen uns fitter und zugleich entspannter und klarer im Kopf. Und wer ist der Erste, dem das auffällt? Das nächste Pferd, das uns begegnet. Vielleicht sogar vor uns selbst. Pferde nehmen hypersensibel wahr. Sie spiegeln uns und kommunizieren mit uns in jeder Minute, die wir mit ihnen verbringen. Kleinste Veränderungen in uns zeigen sich auch in den Pferden. Und: Sie sind immer brutal ehrlich dabei. Interessanterweise sind sie da Kinder ganz ähnlich.

Die besten Asanas für Reiter

Für Reiter sind grundsätzlich alle Yogaübungen besonders sinnvoll, die den erweiterten Beckenbereich (grob: Bauch, Beine, Po) aktivieren, denn dort findet die direkte Verbindung zum Pferd statt. Stärke und Mobilität in diesem Bereich helfen, um frei und akzentuiert mit dem Pferd kommunizieren zu können. Ebenso wichtig ist Stabilität im Rumpf: Zum einen um aufrecht und entspannt sitzen zu können und auch, damit deine Wirbelsäule die Bewegung des Pferdes federnd abfangen kann.

Wenn du die folgende Sequenz regelmäßig vor dem Reiten übst, wirst du merken, dass du körperlich wie geistig entspannter auf das Pferd steigst und gleichzeitig achtsamer und bewusster mit deiner Umwelt, also auch deinem Pferd, interagieren kannst. 

Skandasana, der seitliche  Ausfallschritt

Der seitliche Ausfallschritt ist eine tolle Übung, um den ganzen Körper zu Beginn der Sequenz in Schwung zu bringen – sie mobilisiert die Hüftgelenke, kräftigt und dehnt die inneren Oberschenkel und auch die Beinrückseite.

Ausführung von Skandasana:

  1. Stelle dich in eine breitbeinige Grätsche, die Zehen zeigen dabei leicht nach außen.
  2. Verlagere dein Gewicht nach links, beuge das linke Knie und komme in eine halbe Hocke. 
  3. Das rechte Bein streckst du dabei aktiv nach außen, wobei nur die Ferse des Fußes aufliegt und die Zehen aktiv angezogen sind.
  4. Atme mehrmals tief ein und aus und komme dann achtsam und kontrolliert aus der Position heraus.
  5. Wiederhole die Übung auf der anderen Seite.

Tipp: Je tiefer du in die Knie gehst, umso mehr kräftigst du den unteren Rücken, stabilisierst deine Körpermitte und öffnest den Brustraum.

Anjaneyasana, der Ausfallschritt

Dieser Ausfallschritt mit leichter Rückbeuge im Oberkörper dehnt die die komplette Körper-Vorderseite, vor allem den Hüftbereich und speziell den Hüftbeuger des hinteren Beines. Kein Wunder, dass diese Asana auch als „equestrian pose”, übersetzt: „Reiter-Haltung”, bekannt ist.

Anleitung für Anjaneyasana:

  1. Komm in den Sprinter: der rechte Fuß ist vorne (Knie über Ferse), das linke Knie am Boden. Wenn du keine Dehnung in der vorderen Hüftseite fühlst, mache den Schritt größer.
  2. Richte deinen Oberkörper achtsam und bewusst auf: Die Hüfte ist gerade, der untere Rücken lang, die Schultern entspannt.
  3. Führe deine Arme über außen nach oben: Die Handflächen blicken zueinander, der Abstand ist etwa schulterbreit, die Schultern sind weiterhin entspannt und weit weg von den Ohren. Wenn du in dieser Armhaltung die Schultern verkrampfst, kannst du auch ein U formen mit den Armen.
  4. Nun beuge dich - wenn es sich gut anfühlt und dein unterer Rücken dabei lang und entspannt bleiben kann - von der Brustwirbelsäule aus sanft nach hinten. 
  5. Atme drei Mal entspannt ein und aus und beende dann die Übung.
  6. Wiederhole dir Übung auf der anderen Seite.

Adho Mukha Svanasana, der nach unten schauende Hund - Variation

Der nach unten schauende Hund ist nicht umsonst eine der am häufigsten praktizierten Asana: Die Haltung stärkt und dehnt den gesamten Körper und fokussiert gleichzeitig den Geist. 

Hier zeigt dir Petros Haffenrichter, wie du den Hund ausführst:

Für Reiter ist folgende Variation mit gebeugten Bein perfekt, die die äußeren Hüften und den Hüftbeuger mobilisiert und kräftigt sowie die inneren Oberschenkel dehnt.

  1. Komme in den nach unten schauenden Hund – siehe Videoanleitung.
  2. Verlage dein Gewicht auf das linke Bein und hebe das rechte nach hinten oben.
  3. Beuge nun das rechte Knie, dein Fuß kommt dabei so nah wie möglich zu deiner rechten Po-Backe. 
  4. Nun beginne sanft dein angewinkeltes Bein achtsam nach hinten zu kreisen. Versuche dabei den Radius deines Knies sanft zu erweitern. Auch wenn es durchaus anstrengend sein darf, soll die Hüfte dabei nicht verkrampfen.
  5. Beende das Kreisen, wenn du das Gefühl hast, dass du locker und warm bist im Hüftbereich. 
  6. Strecke das Bein lang nach hinten und setze den Fuß wieder ab.
  7. Spüre kurz nach, vergleiche deine Beine.
  8. Nun übe die andere Seite und halte sie ungefähr genau so lange. 

Baddha Konasana, der Schustersitz

Auch diese Sitzhaltung hilft dabei, den Hüftbereich zu öffnen und äußerlich wie innerlich loszulassen und zu entspannen.  Hier erfährst du, wie du Baddha Konasana übst

Nadi Shodana, die ausgleichende Atmung

Unsere Atmung ist eng verbunden mit unserer geistig-emotionalen Verfassung. Da dein Pferd und du beim Reiten am meisten von einer ruhigen, ausgeglichenen Gemütslage profitieren, schließen wir diese kleine Sequenz mit der stark ausgleichenden Atemübung Nadi Shodana ab.

Im folgenden Video erklärt dir Anna Trökes, wie die Übung geht:

Yoga als Entwicklungs-Tool

Es lohnt sich, dass wir uns die Mühe machen, absichtsvollen Kontakt zu unserem Körper und unseren Gedanken aufzunehmen und unsere Wahrnehmung schulen. Wenn wir unseren Körper und unsere geistige Haltung so genau beobachten, wie unsere Pferde es tun und immer öfter zu ihnen in den Moment zu finden – wie sollen wir dann keine besseren Reiter werden?

Mitgefühl. Freundlichkeit. Bewusstheit. Das waren die zentralen Punkte in den ersten Schriften des Ur-Reitmeisters Xenophon im alten Griechenland. All das bringt uns Yoga. Nicht in einer Stunde, nicht in einem Wochenend-Workshop, aber bereits nach kurzer Zeit der regelmäßigen Praxis. Und langfristig können wir immer mehr von dem, was wir auf der Matte üben, mit zum Pferd nehmen. Wir können gar nicht anders, denn wir sind, wie wir sind – und wenn wir uns weiterentwickeln, entwickeln wir uns auf allen Ebenen weiter. Und ehe wir uns versehen, wird so die Zeit auf und mit dem Pferd irgendwann selbst zu Yoga. Und wir zu immer angenehmeren Menschen für unsere Pferde. Der Rest ist Reiten.

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