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Was sind eigentlich Gunas?

Von Karen Welters

Hast du dich auch schonmal gefragt, warum wir Menschen alle so unterschiedlich sind und doch irgendwie gleich? Die Antwort hierfür könnte in den Gunas zu finden sein... Es gibt nämlich bestimmte Eigenschaften, die in uns Menschen koexistieren - in jedem von uns! Lediglich die Ausprägungen sind unterschiedlich. Diese menschlichen Charakteristika werden in sanskrit "Gunas" gennant.

Die Gunas wurden bereits vor tausenden von Jahren von den Indern entdeckt - die ersten Überlieferungen stammen aus der klassischen Epoche um 400 v. Chr., aus einem der ältesten indischen philosophischen Systeme, dem Samkhya. Die Erkenntnis um die Gunas fällt also in etwas in die gleiche Zeit wie die Entstehung der Mahabharata, der Bibel der Inder, die sich in vielerlei Hinsicht auf die Samkhya Philosophie stützt. Aus dieser hat sich dann später das Yoga-System nach Patanjali entwickelt - die Gunas haben also im Yoga durchaus ihre Berechtigung. Aber was sind das denn jetzt eigentlich für Eigenschaften?

Um die Gunas verstehen zu können, müssen wir einen kurzen Exkurs in die Grundlagen der Samkhya-Philosophie machen, die auf dem Prinzip des Dualismus entstand. Der Dualismus beinhaltet die Gegensätzlichkeit von Purusha (unserem Bewusstsein) und Prakriti (der Urmaterie oder Urnatur, Urseele), von aktiv und passiv, bewusst und unbewusst, Sonne und Mond ("Ha-tha"), männlich und weiblich. Dabei leidet Purusha an der Welt, die es als Individuum erlebt, und nimmt in ihr oft das Falsche wahr. Purusha strebt nach Prakriti, wird diesen Urzustand aber nie erreichen. Im Gegensatz zur Denkschule des Samkhya steht die Vedanta Philosophie, die sich als non-dualistisch und Philosophie der Einheit versteht. 

Was verbirgt sich nun hinter den Gunas? Nach der Samkhya-Philosophie manifestiert sich unser Bewusstsein in drei verschiedenen Eigenschaften.

Und jetzt kommen sie endlich, die 3 Gunas:

1. Sattva, die Reinheit und Klarheit, Güte und Harmonie. Sattva wird als Höchstes der Gunas betrachtet, da es uns Menschen Wahrhaftigkeit und Weisheit verleiht und zum Göttlichen führt. Wer viel Sattva in sich hat, bringt nichts so leicht aus der Fassung - heutzutage würde man sagen, die Person "ruht in sich". 

2. Rajas, die Energie und Bewegung, der Trieb, die Leidenschaft und der Drang. Eine dynamische Eigenschaft, die uns zu Bewegung veranlasst, aber auch gefährlich sein kann, wenn die Leidenschaft und Kraft sich in Rastlosigkeit und Anspannung verkehrt...  Auch Gier, Haß, Neid und Mißgunst sind Emotionen, die aus Rajas enstehen. Wir brauchen also Rajas, um aktiv und kreativ zu sein, da es uns antreibt. Hier kommt es auf das richtige Maß und die Ausgeglichenheit an. Viel Yang-Energie benötigt immer auch Yin zum Ausgleich...

Das 3. Guna ist Tamas, die Trägheit und Verfängnis, das Zurückhaltende, Dunkle und Schwere. Diese Charakteristika wirkt hemmend, verwirrend, verunsichert uns und bremst uns im Rajas aus. Hier lauert die dunkle Macht der Täuschungen, der maßlosen Befriedigung von Leidenschaften...

All diese Eigenschaften sind in unterschiedlicher Ausprägung in jedem von uns vorhanden. Mit unserer Yoga-Praxis versuchen wir all diese Kräfte und Energien auszugleichen und zu harmonisieren. So führt uns zum Beispiel die Meditation zu mentaler Ruhe und näher zu Sattva. Auch durch unsere Ernährung können wir großen Einfluß auf sattvische Ausgeglichenheit nehmen. Die 3 Doshas aus der indischen Heilkunst des Ayurveda sind letztendlich auf die Gunas zurückzuführen. Jegliche Art körperlicher Aktivität hilft uns, unser Rajas auszuleben - immer unter der Prämisse dass Rajas in gutem Verhältnis zu Passivität und Ruhe steht. Durch Selbsterforschung und Disziplin versucht der Yogi stets, tamasisches Gedankengut zu überwinden und sich von negativem Gedankengut zu lösen.  

In einer gut aufgebauten Yogastunde finden wir alle Elemente zur Harmonisierung der 3 Gunas wieder: Meditation, Pranayama, Asana-Praxis und das Singen oder Rezitieren von Mantren sowie die Endentspannung. Auch wenn wir die Gunas nicht ablegen können, können wir sie doch beeinflussen und danach streben, sie in größtmöglicher Balance zu halten. 

Wie sagt Iyengar so schön in seinem Standardwerk "Licht auf Yoga":

Wenn Sattva-Guna allein übrigbleibt, hat die menschliche Seele einen weiten Weg zum höchsten Ziel zurückgelegt.

B.K.S. Iyengar, Licht auf Yoga, 1966