Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Typische Beschwerden nach der Geburt: Inkontinenz
iStock

Typische Beschwerden nach der Geburt: Inkontinenz

Von Juliana Afram

Warum kommt es nach der Geburt häufig zu ungewolltem Urinverlust? Häufig handelt es sich um eine Belastungsinkontinenz. Wenn deine Blase zum Beispiel beim Lachen, Springen, Hüpfen, Tragen oder Laufen zu viel Druck abbekommt, verlierst du dann ungewollt Urin. Während der Schwangerschaft spielen die Hormone eine große Rolle, denn sie machen das Gewebe und den Knorpel weich. Das gilt für den Beckenboden genauso wie z. B. für die Rippenknorpel und die Symphyse. Auch deine Muskeln sind dehnbarer und weniger kräftig. Wenn dann ein zu hoher Druck im Bauchraum entsteht, haben die Muskeln, die deinen Blasenhals stabilisieren und umgeben, Mühe, diesen zu verschließen, und es treten ein paar Tropfen oder auch mehr aus. Bei einer vaginalen Geburt kommt hinzu, dass die Muskeln des Beckenbodens im Längs- wie im Querschnitt maximal gedehnt werden, was eine zusätzliche Belastung darstellt.

Inkontinenz trotz Kaiserschnitt

Auch wenn du per Kaiserschnittgeburt entbunden hast, kannst du eine Inkontinenz entwickeln. Studien haben ergeben, dass Frauen, die während der Schwangerschaft eine Inkontinenz hatten, auch nach der Geburt dazu neigen. Bei einem Kaiserschnitt darf man nicht vergessen, dass die Bauchdecke und der Uterus durchtrennt werden, was auch heißt, dass die Nerven in diesem Bereich beschädigt werden. Die muskuläre Koordination ist anfangs gestört, und auch das Gefühl (Sensorik) ist oftmals eingeschränkt. Das Zusammenspiel zwischen deinen Bauchmuskeln und deinem Beckenboden ist ein immens wichtiger Faktor für deine Kontinenz.

Wie kommt es zu einer nachgeburtlichen Inkontinenz?

Durch die Schwächung und Dehnung der blasenhalsumgebenden Muskulatur während der Schwangerschaft und Geburt ist diese so geschwächt, dass sie ihre Aufgabe nicht mehr übernehmen kann. Stell dir einen leckenden Wasserhahn vor: Wenn der Druck auf den Wasserhahn (Blase) von innen zu hoch ist und die Dichtung der Armatur (blasenhalsumgebende Muskulatur) diesem nicht standhalten kann, dann dringen ein paar Tropfen durch. Nicht zu vergessen ist die nicht so oft erwähnte Stuhlinkontinenz, die ein großes Thema nach Geburtsverletzungen ist, denn bei Verletzungen des Damms kann es zu Einschränkungen in der Funktion des analen Schließmuskels kommen. Ab einem Dammriss dritten Grades wird empfohlen, einen Proktologen aufzusuchen.

Geht eine nachgeburtliche Inkontinenz auch wieder weg?

Bei manchen Frauen verschwindet die Inkontinenz ein paar Monate nach der Geburt, was man auf die Rückbildung zurückführen kann und auf die wieder stärker werdende Muskulatur des Beckenbodens. Andere Frauen berichten, dass sie noch Jahre nach der Geburt darunter leiden. Es ist erwiesen, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte der Frauen noch fünf Jahre nach der Geburt an einer Form der Inkontinenz leiden. Mamas, die an einer Stuhlinkontinenz leiden, sollten unbedingt ihren Arzt konsultieren und sich an einen Experten überweisen lassen.


Mamasté – Yoga nach der Geburt: Dein Rückbildungsprogramm
Das Mamasté-Programm begleitet dich durch die Zeit der Rückbildung – und das schon ab dem Tag der Geburt. Wir haben mit Prä- und Postnatal-Expertin Juliana Afram und der Hebamme Lisi Sobotta dieses Yogaprogramm entwickelt, mit dem du deinen Körper bei der Rückbildung unterstützen kannst. Melde dich für unser 14-wöchiges Programm an!
JETZT ANMELDEN

Was kann ich langfristig dagegen tun?

Regelmäßiges Beckenbodentraining ist dann angebracht, wenn deine Beckenbodenmuskulatur zu schwach ist. Man hat jedoch herausgefunden, dass eine bleibende Inkontinenz in vielen Fällen mit einem verspannten bzw. zu stark angespannten Beckenboden zu tun hat. In diesem Fall muss der Fokus im Training auf der Entspannung liegen, und es sind physiotherapeutische Maßnahmen notwendig. Auch die Koordination zwischen deinen Bauch-, Rücken- und Beckenbodenmuskeln sowie deinem Zwerchfell spielt eine große Rolle bei der Inkontinenz. Nach der Schwangerschaft sind genau diese Muskeln in ihrem Zusammenspiel gestört. Zu starke Bauchmuskeln können den Beckenboden dominieren und ihn damit in seiner Funktion einschränken. Es gibt Beckenbodenkurse, in denen die Entspannung und das richtige Alltagsverhalten im Zentrum stehen. Sie werden z. B. von manchen Geburtshäusern und Physiotherapie-Praxen angeboten.

Was kann ich akut tun?

Um der unangenehmen Situation zu entkommen, plötzlich auf die Toilette gehen zu müssen, haben sich nachfolgende Aufschubstrategien bewährt:

  • Solltest du hinter einem Stuhl mit Lehne stehen, kannst du dich mit deinem Schritt dagegenstellen und Druck auf die Klitoris ausüben.
  • Lutsche ein (imaginäres) Bonbon oder drücke die Zungenspitze gegen die oberen Schneidezähne.
  • Spanne den Beckenboden schnell kraftvoll und kurz an.
  • Auch ein nach vorne geneigter Oberkörper entlastet die Blase kurzzeitig. Gehe in die Hocke und binde deine Schnürsenkel zu oder tue einfach so, als wolltest du etwas vom Boden aufheben.

Was sollte ich auf jeden Fall vermeiden, wenn ich an einer Inkontinenz leide?

Auf jeden Fall solltest du viel trinken. Ja, du hast richtig gelesen. Erstens, Dehydration ist echt ungesund. Zweitens, je weniger du trinkst, desto weniger trainierst du deine Blase und das kann dazu führen, dass dein Urin hochkonzentriert ist und deine Blaseninnenhaut ständig gereizt wird. Das führt zu einer Dranginkontinenz und bedeutet: Du musst schon bei kleinsten Urinmengen in deiner Blase zur Toilette rennen, und es ist nicht sicher, dass du diese auch trocken erreichst. Viele Frauen leiden an einer Mischung aus Drang- und Belastungsinkontinenz.

Wie kann ich bei diesem sehr lästigen Problem Abhilfe schaffen?

Gehe auf jeden Fall zu deinem Gynäkologen und berichte ihm davon. Falls er dein Problem nicht ernst nimmt, kannst du dich auch an einen anderen Arzt wenden bzw. direkt mit deiner Krankenkasse sprechen. Nach dem Abstillen kommt es zu einer hormonellen Umstellung in deinem Körper, dein Gewebe und damit auch die Muskeln werden wieder fester. Ist die Inkontinenz dann immer noch da, nimm das bitte nicht als gegeben hin. Frage deinen Arzt nach einem Rezept für Beckenboden-Physiotherapie und lass dir von einem Spezialisten helfen. Denn oft helfen die tollsten Beckenbodenübungen nicht, wenn dein Körper nicht in der Lage ist, die Anweisungen zu befolgen. Je nach Schwere und Diagnose kann auch nach dem Ausschöpfen aller konservativen Maßnahmen ggf. eine OP nötig sein.


Yoga und der BeckenbodenWir danken Juliana Afram für die Auszüge aus ihrem Buch „Vom Wochenbett zum Workout”, erschienen im TRIAS Verlag.

zurück nach oben