Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Sattva – die yogische Reinheit und Klarheit
Jose Garcia Unsplash

Sattva – die yogische Reinheit und Klarheit

Von Birgit Feliz Carrasco

Das Sanskrit-Wort Sattva klingt ein bisschen wie sauber – und irgendwie geht es auch um Sauberkeit. Sattva bedeutet Reinheit oder Klarheit und ist eine Eigenschaft, nach der jeder Yoga-Praktizierende strebt beziehungsweise streben sollte. Nach der eigentlich die gesamte Menschheit streben sollte.

Mit innerer Reinheit integrierst du Klarheit auf allen Ebenen des täglichen Lebens, um lichtvoll zu leben und um dieses Licht auch auszustrahlen. Sattva ist eine der drei Grundeigenschaften, die jedem und allem zu eigen sind. In der yogischen und ayurvedischen Lehre werden diese Grundeigenschaften Gunas genannt, die als hilfreiche Einordnung sowie als interessante Eigendiagnose dienen.

Die 3 Gunas

Sattva ist eine von drei Qualitäten, die in jedem Lebewesen und auch in jedem Ding vorzufinden sind. Die anderen beiden sind Tamas und Rajas.

  • Tamas ist die Eigenschaft der Schweren, des Zurückhaltenden, des Tragenden oder Trägen, aber auch der Stabilität, die aller Materie, auch dem Körper, den notwendigen Halt gibt. Erde, Mineralien oder Bäume weisen exemplarisch die Eigenschaft Tamas auf.
  • Rajas bedeutet wörtlich Staub, also etwas, das immer in Bewegung ist – wie ein Kolibri. Im Menschen zeigt sich Rajas in Form von Kraft, Leidenschaft, Wagemut, aber auch Streben und Gier oder Ruhelosigkeit.
  • Sattva ist die dritte Qualität, die Klarheit, Reinheit und Ausgeglichenheit hervorbringt. Sie bedeutet hohe Bewusstheit sowie Tugendhaftigkeit in allen Handlungen.

Tugendhaftigkeit – ein schönes Wort. Eine wärmende Eigenschaft, die uns Menschen abhandengekommen scheint. Das Wissen um Sattva können wir einsetzen, um uns selbst und die Welt wieder etwas unverschleierter, klarer werden zu lassen, denn idealerweise sollten alle drei Gunas im ausgewogenen, harmonischen Maße vorhanden sein. Ist das bei dir der Fall?

Die Geschichte der 3 Gunas in der indischen Mythologie

Am Anfang gab es einen Kern, einen Ursprung von allem, den die indische Mythologie als König Purusha beschreibt. Dieser König saß zufrieden auf seinem Thron. Er war zwar bewegungsunfähig, aber auch stabil und standhaft. Er war Tamas. Eines Tages spaltete sich ein Teil von ihm ab. Ein Teil, der einem inneren, neugierigen Drang nach Bewegung folgte. Dieser Teil seines Wesens wird in der Geschichte als Tänzerin mit Namen Prakriti (was so viel wie Ursache bedeutet) dargestellt. Die Tänzerin Prakriti war Rajas. Sie folgte ihrer Ureigenschaft der Bewegung und dem Streben nach mehr als nur Tamas.

Wagemutig begann Prakriti zu tanzen, um die Aufmerksamkeit von König Purusha zu erwecken. Sie drehte sich im leidenschaftlichen Tanz um den König, umkreiste ihn und wurde stetig agiler. Mit jeder Umdrehung entfernte sie sich mehr und mehr vom König, von ihrem stabilen, ruhenden Wesenskern, von ihrem Ursprung. Prakriti entwickelte körperliche Sinnesorgane und entdeckte so die Welt um sich herum – mit Augen, Ohren, Nase, Mund und Händen. Plötzlich hatte sie viele Eindrücke zu verarbeiten, und mit jeder Drehung vergaß sie ein bisschen mehr, woher sie kam und warum sie begonnen hatte zu tanzen. Sie hatte ihren Ursprung, die Eigenschaft Tamas, verloren und war nur noch Rajas. Eines Tages stoppte sie unvermittelt ihren Tanz. Sie hielt inne, schaute sich um und sah nur noch Nebel und Schleier. Ihr Tanz hatte alles verhüllt, und sie wusste weder, wer sie ist, noch woher sie kam.


Mit Klarheit & Fokus deine Ziele erreichen

Deine Vision leben und mit klarem Fokus auf dein Ziel hinarbeiten: Unser siebentägiges Coaching-Programm mit Annika Isterling hilft dir dabei, Gewohnheiten zu ändern und Wünsche zu manifestieren. Melde dich jetzt an und erreiche deine Ziele mit Klarheit und Fokus!
JETZT ANMELDEN

Das kommt uns doch sehr bekannt vor, oder? Stehen wir nicht alle vor einer Ansammlung von Schleiern, vor einem nebeligen Wirrwarr aus täglichen Eindrücken und Informationsfluten, die uns vom Wesentlichen ablenken, die uns von unserem Wesenskern fernhalten und vom eigentlichen Sinn des Lebens separieren?

Der Sattva-Moment – Augenblicke der Klarheit

Was also passierte mit der Tänzerin Prakriti? Sie hatte einen sattvigen Moment! Sie hielt inne, sinnierte und dachte: „Von irgendwo bin ich gekommen, ich entdeckte vieles. Nun möchte ich meinen Ursprung wiederfinden, möchte reiner und klarer werden und mich von allen Sinneseindrücken befreien, die vielleicht Täuschungen sein könnten.” 

Ich nenne dies einen Sattva-Moment. Hattest du auch schon Sattva-Momente? Es sind Momente in Klarheit, Aha-Erlebnisse, die sich wie Erleichterungen anfühlen und beginnende Reinigung und Reinheit zur Folge haben. Meiner Erfahrung nach sind diese Momente der Beginn von etwas Neuem, die uns unter anderem beginnen lassen, Yoga zu praktizieren und zu meditieren.

Und als Optimistin denke ich: Erleben wir global-gesellschaftlich derzeit vielleicht alle einen Moment des Innehaltens, dem eine Umkehr beziehungsweise ein Neuanfang folgt? Hoffnung ist auch Sattva. Ein solcher Augenblick ist irgendwie schon eine momentartige Erleuchtung. Denn wie die Tänzerin Prakriti beginnen wir zu begreifen, dass es einerseits Verblendung gibt und es andererseits der Verlichtung dessen bedarf, um alles, was wir wahrnehmen, verarbeiten, tun und machen, zu sortieren. So können wir alles nach den drei Gunas einordnen und miteinander harmonisieren. Prakriti war Rajas, entwickelte jedoch auch in ihrem Moment der Besinnung die Eigenschaft von Sattva und schließlich auch wieder Tamas.

Der Weg zur Wiedervereinigung der drei Qualitäten

Prakriti war Tamas, wurde zu Rajas und strebte nun auch nach Sattva, also auch nach der Vereinigung aller drei Eigenschaften der Mobilität (Rajas), der Stabilität (Tamas) und nach Objektivität (Sattva). Was also tun? Über einen direkten Weg zum tamischen Wesenskern durch den Nebel zurückrennen? Ganz so leicht ist die Umkehr leider nicht. Wäre es so leicht, wären wir bereits alle in der Klarheit der Erleuchtung, statt im Nebel umherzuirren. Der Weg zurück zum Ursprung ist der Tanz zurück zur Wiedervereinigung. Pirouette für Pirouette, Umkreisung für Umkreisung, bis wir wieder bei unserem Wesenskern, unserem Ursprung, angekommen sind und alle drei Gunas miteinander in Harmonie vereinen.

Den Tanz zurück zur Wiedervereinigung praktizieren wir als den Weg des Yoga. Auch hier werden Asana-Positionen in präziser Reihenfolge aufgebaut und die Haltung in umgekehrter Reihenfolge wieder verlassen, um zur Grundposition zurückzukommen. Der Weg der Vereinigung von Körper, Geist und Seele, der Weg des Ausgleichs zwischen Tamas, Rajas und Sattva, der Weg der Entschleierung und zwar Schicht um Schicht, Schritt um Schritt.

Die 3 Ebenen des Seins

Wer kennt das nicht? Wechselnde Gefühlslagen zwischen körperlich müde, träge, dann wieder mental gereizt und nervös, und dann mal wieder (selten, aber doch ab und zu) rundum emotional zufrieden und ausgeglichen (wie zum Beispiel nach einer Yogasession). Diese innere Harmonie will man doch eigentlich immer oder etwa nicht? 

„Gleichgewicht, Balance und Harmonie in jeder Lebenslage,

möge sie günstig oder ungünstig sein, ist als der Zustand des Yoga bekannt.”

Mein Lieblingszitat von Patanjali

 

Um eine Wiedervereinigung im harmonischen, ausgewogenen Idealzustand zu erreichen, ist es heilsam, alle drei Ebenen der Existenz mit den jeweiligen Qualitäten von Tamas, Rajas und Sattva anzureichern, das heißt auch dem individuellen Körper, dem Geist und der Seele alle drei Qualitäten gleichermaßen zuzugestehen. Nun es ist allerdings in den heutigen Lebensumständen so, dass offenkundig Rajas und Tamas überwiegen und sich in Form von Hektik und Hochleistung einerseits mit Mattigkeit und Erschöpfung andererseits abwechseln. Wie finden wir zu Sattva?

Dein 12-Punkte-Plan für mehr Sattva im Alltag

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, dein Leben sattviger zu gestalten und dabei die Eigenschaften von Tamas und Rajas nicht zu verneinen. Alles zu seiner Zeit. Bring Sattva in kleinen Schritten in deinen Alltag, und deine jeden Tag zunehmende Klarheit wird auch auf deine Mitmenschen strahlen.

  1. Täglich mehrmals und immer wieder bewusst atmen, etwa mit der Affirmation ICH (einatmen) und BIN (ausatmen).
  2. 20 Minuten täglich in natürlicher Umgebung spazierengehen, um das wahre Leben zu spüren.
  3. Zehn Minuten Yoga täglich, um deine feinstofflichen Energien, dein Prana, anzureichern.
  4. Zelebriere Medien-Detox, halte dich also in deiner Freizeit von elektronischen Medien fern, die dir Prana entziehen und deine Sinne verdunkeln. Erinnere dich: Sinneswahrnehmungen können täuschen.
  5. Nimm möglichst leichte, lichtvolle Nahrungsmittel zu dir, denn beispielsweise frisches Gemüse, Obst und Nüsse (Bio ist eh klar!) tragen und transmittieren Sattva im Gegensatz zu Fleisch, da die meisten Zuchttiere heute in Tamas leben.
  6. Baue Suchtmittel ab, etwa Zucker, Alkohol, Nikotin, Medikamente, denn sie vernebeln Sinne und Körperzellen.
  7. Praktiziere Wasserreinigung innerlich wie äußerlich täglich, besonders abends vorm Schlafengehen, um die Erlebnisse und Sinneseindrücke des Tages abzuwaschen.
  8. Sei wahrhaftig und authentisch dir selbst und anderen gegenüber.
  9. Beobachte deine Gedanken, beobachte den autonomen Denker in dir und stelle fest, ob du so denken willst oder ob du unbewusst gedacht und gelenkt wirst von deinem Ego.
  10. Handele achtsam und herzensmotiviert anstatt Ego-kontaminiert.
  11. Meditiere, meditiere, meditiere.
  12. Verbinde dich mit deinem höheren, rein sattvigen Selbst und lass dich von deinem höheren Selbst vertrauensvoll durch das Leben leiten.

Und darüber hinaus überlege dir, was Reinheit und Klarheit für dich bedeuten. Endlich den Keller aufräumen? Alte Fotoalben und alte Beziehungen entsorgen? Kleidung verschenken oder für dich unnötige Dinge ins Sozialkaufhaus bringen? Magst du deine Gedanken, Wünsche und Emotionen in einem Sattva-Notizbuch schreiben? Schreiben reinigt die Gedanken. Sattva bedeutet auch Essenz oder Essenzielles. Was also brauchst du wirklich, um zufrieden und glücklich zu sein?

Love and light
deine Birgit Feliz Carrasco

zurück nach oben