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Die 4 Yogawege: Alles über Raja Yoga
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Die 4 Yogawege: Alles über Raja Yoga

Von Kerstin Linnartz

Wird Yoga ganzheitlich praktiziert, bleibt die Einheit von Körper, Seele und Geist nicht nur ein geflügeltes Wort, sondern kann tatsächlich durch systematische Praxis erreicht werden. Dabei bietet Yoga so viele verschiedene Möglichkeiten, dass für jeden etwas dabei ist – egal, wie er veranlagt ist. Asanas, die körperlichen Übungen, sind dabei tatsächlich nur ein kleiner Teil und quasi der Einstieg...  Was danach kommt, kann uns wirklichen Frieden schenken.

Die klassischen Arten des Yoga

  • Hatha Yoga (wozu die körperliche Asana-Praxis gehört)
  • Jnana Yoga (dazu gehört vor allem das Studium der Schriften)
  • Bhakti Yoga (die Öffnung des Herzens, zum Beispiel durch Kirtangesang)
  • Karma Yoga (selbtloser Dienst) 
  • Raja Yoga  

Raja Yoga wird als der „königliche Weg“ bezeichnet und hat die Meisterschaft über den Geist zum Ziel. Es beinhaltet beispielsweise Meditation oder Übungen zur Stärkung der Willenskraft, um Konzentration zu fördern, einen flattrigen Geist zu zähmen und in die Harmonie zu kommen. Manche nennen diesen Pfad das „klassische Yoga“, da es in den alten Traditionen viel mehr um diese geistigen als um körperliche Übungen ging. 

Einige der wichtigesten yogischen Schriften betonen immer wieder, wie wichtig es ist, Hatha Yoga und Raja Yoga Hand in Hand zu praktizieren. B.K.S. Iyengar, einer der größen Yogameister unserer Zeit, der bis ins hohe Alter beeindruckend körperlich fit blieb, sagte, dass er sich wünsche, schon jünger begonnen zu haben zu meditieren und nicht erst in seinen Sechzigern.

Ich wünsche dir, dass du früher als Iyengar Zeit und Lust findest, tiefer einzutauchen und Yoga über den Körper hinaus zu praktizieren. Denn was du mit Raja Yoga erleben kannst, ist eine absolute Bereicherung für dein Leben!

Die Yoga-Sutra von Patanjali

Als Basis des Raja Yoga gilt die Yoga-Sutra von Patanjali. Sie wird als wichtigste Schrift des modernen Yoga betrachtet – Patanjali wird auch oft „Vater des Yoga“ genannt. Er war der erste Philosoph, der ein vollständiges Werk zu Yoga verfasste. Seine Sutren (sutra: Faden, Strick, Leitfaden) sind so bedeutend für die Entwicklung des Yoga, dass man sie als den Beginn der klassischen Yoga-Ära betrachten kann. Ungefähr 200 v. Chr. geschrieben, sind die Sutren eine Sammlung von Aphorismen. 

Patanjalis Yoga-Sutra ist in vier Kapitel unterteilt:

  1. Das erste – Samadhi Pada – erklärt die generelle Theorie des Yoga.
  2. Das zweite – Sadhana Pada – handelt von den spezifischen Praktiken.
  3. Das dritte – Vibuthi Pada – behandelt die letzen drei Stufen des achtgliedrigen Pfads. Auf diesem Pfad durchläuft der Praktizierende zunächst mit den ersten fünf Stufen Yama, Niyama, Asana, Pranayama und Pratayahara eine mentale und körperliche Vorbereitung. Die sechste und siebte Stufe, Dharana und Dhyana, führen letzlich zur achten Stufe, Samadhi – der Befreiung. 
  4. Im vierten – Kaivalya Pada – wird die endgültige Befreiung beschrieben. 

Lass dich nicht verunsichern, wenn dies zunächst komplex klingt. Durch den systematischen Aufbau und die praktischen Anleitungen gilt Raja Yoja als der wissenschaftlichste Weg im Yoga. Und hast du dich einmal reingelesen, ist es absolut logisch und bietet ein hervorragendes Gerüst für jede Lebenssituation. 

Die Koshas – Lebenshüllen

Die alten Yogameister hatten eine klare Vorstellung unseres Körper-Geist-Systems und schlüsselten es in verschiedene „Schichten” auf: Es gibt eine sehr genaue Beschreibung von fünf Bereichen, den Koshas – von der groben Materie des Körpers bis hin zur feinstofflichen, spirituellen Essenz –, und all diese Bereiche sind miteinander verwoben. Stell es dir einfach vor wie eine Zwiebel mit ihren übereinanderliegenden Schichten. 

Ganz außen befindet sich der physische Körper – annamaya kosha –, den wir einfach sehen können. Asanas und Pranayama dienen hauptsächlich dazu, diesen äußeren Körper so zu trainieren, dass er in der Meditation ruhig sitzen kann und der Atem ruhig und gleichmäßig fließt. Im Grunde sind sind es vorbereitende Übungen, und Hatha Yoga ist eine Vorbereitung auf Raja Yoga. Während wir im Hatha Yoga viele Übungen kennen, existieren nur wenige direkte „Übungen“ im Raja Yoga, da es sich im Inneren abspielt. Letztlich gibt es nur eine einzige Asana, die infrage kommt: die Meditationshaltung. Diese Asana wird Samasana, Dhyana-Asana oder Siddhasana genannt. Je nach Variante gibt es weitere Namen.


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Wenn wir diese gemeistert haben und damit weiter nach innen schauen, kommen wir zu den Schichten des Geists, die immer feinstofflicher werden und Aspekte beeinflussen wie unsere automatischen Körperfunktionen (Atem, Verdauung), unsere willentlichen Tätigkeiten (gehen, sprechen, bügeln, entscheiden) und unsere höheren geistigen Aktivitäten (Gewissen, Moral). Durch Yamas und Niyamas werden letztere gereinigt, sodass der Geist aufrichtig zur Ruhe kommen kann. Denn logischwerweise wird ein Geist, der etwa ein schlechtes Gewissen hat oder in dem Groll oder Neid vorherrschen, keinen vollständigen Frieden – Samadhi – erreichen können. Am Ende steht dann die Verbindung mit unserem höheren Selbst, die aus dem Zustand eines vollends friedlichen Geists entsteht und aus der etwa unsere Intuition hervorgeht.

Das Ziel ist die Erleuchtung

Das Ganze klingt nach einem langen Weg, und natürlich ist Samadhi – die Erleuchtung – nichts, das man an einem Wochenende erreicht. Dennoch bietet die Wissenschaft des Raja Yoga uns viele wirkungsvolle Werkzeuge, die wir auch in kleinen Portionen in den Alltag einbauen und mit denen wir unseren rastlosen Geist Stück für Stück ruhiger, friedlicher und positiver stimmen können. 

In der positiven Kontrolle des Geists geht es nicht darum, Gedanken und Gefühle wie Zorn oder Angst zu unterdrücken. Es geht darum, die eigene Achtsamkeit so zu schärfen und von Ablenkungen zu reinigen, dass wir die Ursachen für unseren Zorn oder unsere Angst zu einem so frühen Zeitpunkt erkennen, dass es womöglich gar nicht erst dazu kommt, dass diese Gefühle aufkommen. Oder dass wir sie so schnell wieder in den Griff bekommen, dass sie uns nicht schaden.

Hier kannst du mit Annika Isterling eine Meditation für mehr Achtsamkeit üben:

meditation_achtsamkeit_YogaEasy-Video abspielen

Wie gesagt, es geht keinesfalls um „Weichspülen“, sondern um eine aufrichtige, nachhaltige Änderung der eigenen inneren Einstellung. Eine dauerhafte, ernsthafte Praxis von Raja Yoga wird genau dies mit sich bringen. Es entsteht „Viveka Shakti“, die richtig angewendete Unterscheidungskraft. Sie sagt uns, was wirklich wesentlich ist. Die Folge ist ein innerer Frieden, der auch durch äußere Umstände nicht oder nur kurzzeitig zu erschüttern ist. 

In den yogischen Schriften gibt es viele Analogien und Parabeln, die das Klarerwerden des Geistes durch die Praxis von Raja Yoga beschreiben. Und tatsächlich führt die Kombination aus regelmäßiger Meditation und dem Studium der Schriften zu einer immer klareren Sicht auf die Welt, in der wir leben. 

Für unser eigenes Leben kann dies klarere Entscheidungen, weniger Angst und echtes Glück von innen zur Folge haben, das nicht von äußeren Faktoren abhängig ist. 

In Kapitel IV, Vers 3-6 der Hatha Yoga Pradipika wird es so gesagt:

„Raja Yoja, Unsterblichkeit, Parama Pada (der höchste Zustand), Advaita (Non-Dualität), Jivanmukti (befreiter Zustand)... sie alle meinen dasselbe. Wie ein Korn Salz, das ins Meer geworfen wird und eins mit ihm wird, ist die Vereinigung des Geists mit Atman Samadhi.” 

Eine schöne Möglichkeit, sich näher mit Raja Yoga zu befassen und es systematisch zu lernen, ist eine Yogalehrer-Ausbildung, die dem philosophischen Teil des Yoga einen hohen Stellenwert beimisst und ihn authentisch vermittelt.

Ich habe meine ersten Ausbildungen in Indien nur aus diesem Grund gemacht und nicht mit der Absicht, zu unterrichten. Und heute biete ich Interssierten genau deshalb die Möglichkeit, auch dann an unseren Terminen in Europa teilzunehmen, wenn sie kein Lehrer werden möchten, sondern ihre eigene Praxis und ihr Verständnis der Welt auf ein nächstes Level heben wollen.

Raja Yoga kann dein ganzes Leben auf ein nächstes Level heben – ich wünsche dir von Herzen viel Freude dabei!

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