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Bettpfannen-Yoga: Alles über Karma Yoga

Von Katharina Goßmann

Karma Yoga: Das Yoga des selbstlosen Dienens

Immer wenn der weise Swami Sivananda gefragt wurde, welche Art von Yoga er lehrt, soll er geantwortet haben: „Bettpfannen-Yoga“. Swami Sivananda war nämlich der Meinung, dass seine Schüler am schnellsten Fortschritte im Yoga machen, wenn sie anderen selbstlos dienen – und so ließ er sie in seinem wohltätigen Krankenhaus arbeiten, wo sie unter anderem die Bettpfannen der Kranken leeren mussten.

Diese Art von yogischer Betätigung, das selbstlose Dienen, nennt sich Karma Yoga. Und nicht nur Swami Sivananda war Fan dieses Yoga-Wegs. Auch Krishna kommt in der Bhagavad Gita zu dem Schluss, dass Karma Yoga die effektivste Methode ist, der Erleuchtung näher zu kommen. Das „Yoga der Tat“, wie Karma Yoga auch genannt wird, scheint also eine besondere Stellung im Yoga zu haben.

Karma Yoga: Einer der vier Yogawege

In der Yoga-Philosophie ist Karma Yoga – neben Raja Yoga (der klassische Yogaweg mit Asana, Pranayama und Meditation nach Patanjali), Jnana Yoga und Bhakti Yoga – einer der vier großen Yogawege. Über diese traditionellen Yoga-Pfade versuchen Menschen seit Jahrhunderten zur Erleuchtung zu gelangen.

Übersetzt bedeutet Karma Yoga „Yoga der Tat”. Es geht also nicht darum, Asanas zu praktizieren, nicht darum, Yoga-philosophische Texte zu studieren oder Mantren zu singen. Die Karma-Yoga-Praxis besteht daraus, etwas zu tun, ganz ohne Ego, dafür in dienender Liebe, und zwar für andere. Tatsächlich kann so absolut jede alltägliche Tätigkeit (Auto fahren, arbeiten, Hausarbeiten) zum Karma Yoga werden, wenn du während der Tätigkeit allen Wesen um dich herum in grenzenloser Liebe dienst und gänzlich selbstlos und uneigennützig keinerlei Belohnung oder Nutzen davon erwartest.

Die Tätigkeit soll dabei zu einer Art Meditation werden. Um das zu erreichen, ist es wichtig, das Ego im Zaum zu halten: Sobald du merkst, dass du innerlich wütest, weil du dich ausgenutzt fühlst, weil du für „niedere“ Tätigkeiten ausgewählt wurdest, machst du kein Karma Yoga mehr, sondern fütterst nur dein Ego. 

Die Wirkung von Karma Yoga

Nun streben nur wenige moderne Yogis explizit nach spiritueller Erleuchtung. Warum sollte ich also Zeit und Energie für ein Ehrenamt o.ä. investieren, wenn ich eigentlich lieber im Yogastudio einen Pranayama-Workshop machen oder zu Hause meditieren würde?

Weil Karma Yoga eine durchschlagende Wirkung auf Herz, Geist und Seele hat: Wer länger den Weg des Karma Yoga geht, wird – meist nach anfänglichen Schwierigkeiten (s.o. Ego) – merken, dass er die Welt mit anderen Augen betrachtet: Das Herz öffnet sich, wird rein und weit, ein liebevollerer, großzügiger Blick stellt sich ein. Die Verbindung zwischen allem wird erkannt, vielleicht sogar die Einheit von allem, was ist (Stichwort: Advaita/Non-Dualität). Neid, Hass, Eifersucht und Arroganz lösen sich auf. Erfolge und Misserfolge in der äußeren Welt haben keine große Bedeutung mehr.

Ganz schön beeindruckend für ein bisschen Dienst am Mitmenschen, oder?

Karma Yoga und Karma

Aber was hat Karma Yoga konkret mit Karma zu tun? Um das zu verstehen, müssen wir in die yogische Philosophie eintauchen.

Zunächst einmal bedeutet Karma übersetzt „Handeln“. Die Grundlage der Karma-Theorie ist, dass alles, was wir tun – auch wenn wir nichts tun – eine Handlung ist, die Konsequenzen hat. Wenn wir etwa jemandem in Not nicht beistehen, ist das eine Handlung mit (möglicherweise drastischen) Auswirkungen. Das bedeutet letzlich aber auch, dass ein hochspiritueller Yogi, der im Ashram lebt und den ganzen Tag meditiert, während er draußen in der Welt Menschen ganz konkret Leid mildern könnte, niemals so viel Karma abbauen kann wie ein Karma Yogi und weiterhin neues Karma ansammelt.

Wer aber (so) selbstlos (wie möglich) Karma Yoga praktiziert und Gutes tut, arbeitet dadurch nicht nur schlechtes Karma ab, sondern steigt auch aus dem Kreislauf des ewigen „neue Handlung produziert neues Karma“-Kreislauf aus, sammelt also kein weiteres Karma an. Denn eine gänzliche „selbst-”lose Tat, die also gar nicht an ein Ich geknüpft ist, produziert eben auch kein Karma.

Für Yogis, die nach Erleuchtung streben, ist dieser Aspekt wahrscheinlich der attraktivste Aspekt am Karma Yoga. Denn ihr Ziel ist es, schlechtes Karma abzubauen und kein neues anzuhäufen – denn dann findet der Kreislauf der Wiedergeburten endlich sein Ende und die befreite Seele kann endlich in Samadhi eingehen. 

Karma Yoga im Ashram

In Ashrams ist traditionelles Karma Yoga im Sinne von Swami Sivanandas Bettpfannen-Yoga übrigens bis heute absolut üblich. Nicht nur, weil es den Schülern auf ihrem yogischen Weg hilft, sondern auch, weil die meisten Ashrams nicht funktionieren würden ohne die vielen helfenden Hände. So mancher angehende Yoga-Lehrer merkt so während seiner Ausbildung im Sivananda- oder Yoga-Vidya-Ashram, dass er doch nicht ganz so demütig ist wie gedacht. Denn wenn wir verwöhnten modernen Menschen plötzlich täglich Toiletten schrubben, Karotten schälen oder Unkraut jäten müssen, kommen wir schnell an unsere Grenzen. Diese Grenzen wahrzunehmen, und dann in Klarheit und Ruhe über sie hinweg zu schreiten – das ist es, was unser Ego in seine Schranken verweist und unseren selbstbezogenen Blick öffnet. Das ist Karma Yoga.

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