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Alles über Pitta: Das feurige Dosha im Ayurveda
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Alles über Pitta: Das feurige Dosha im Ayurveda

Von Merle Blankenfeld

Der Pitta aus dem Bilderbuch ist ein Machertyp, vielleicht ein Manager mit hoher Führungskompetenz und verbaler Eloquenz. Das trifft natürlich nicht auf alle Vertreter dieses ayurvedischen Doshas zu. Aber es bringt seine wichtigsten Eigenschaften gut auf den Punkt: Feuer und Energie.

Ayurveda kennt drei Konstitutionen, auch Doshas genannt, die uns Menschen (aber auch andere Vorgänge und Verhaltensweisen in der Natur) beschreiben. Anhand dieser verschiedenen Bio-Energien gibt die ganzheitliche Gesundheitslehre Tipps und Anregungen, um Dysbalancen unter den Doshas auszugleichen. Neben unseren feurigen Pitta-Typen, um die es in diesem Text vorwiegend gehen soll, gibt es noch Vata und Kapha. Vata wird dem Element Luft zugeordnet und steht für alle dynamischen Prozesse im Körper. Menschen, bei denen dieses Dosha dominiert, sind oft kreativ, offen, haben viele Ideen und neigen gleichzeitig zu Nervosität, Schlafproblemen und übermäßigen Grübeleien. Kapha-Typen sind meist eher ruhige Menschen, die sehr wohlüberlegt handeln und sich gleichzeitig schwer mit Veränderungen tun können. Das Dosha steht für das Element Erde und ist im Körper für das Gewebe und die Gelenke zuständig.

Die Eigenschaften des ayurvedischen Doshas Pitta

Aber schauen wir uns die Konstitution von Pitta genauer an. Das Dosha der Energie steht physisch gesehen für die Verdauung, den Stoffwechsel, die Hormone, die Sexualität sowie die Augen beziehungsweise den Sehsinn. Die ayurvedische Lehre ordnet Pitta die Elemente Feuer und Wasser zu ebenso wie die Charakteristika heiß, scharf, feucht und flüssig. Der Sommer – von Juni bis September – ist die Zeit des feurigen Doshas.

Körperlich gesehen sind Pitta-Typen häufig athletisch gebaut. Ihre Haut ist gut durchblutet, warm und eher ölig als trocken. Pittas schwitzen häufig schnell und stark. Die Haare sind seidig und oft hell und glänzend. Weil ihre Verdauung meist sehr stark ist, haben Vertreter des Pitta-Doshas oft und starken Hunger. Wenn eine Mahlzeit sich verzögert oder gar ausfällt, werden sie schnell gereizt. Sie neigen körperlich zu Entzündungen, Übersäuerung, Durchfall oder anderen Verdauungsproblemen (auch im Bereich Leber und Galle) sowie Hautbeschwerden. Akne und andere Hautunreinheiten sind typische Pitta-Krankheiten.

Viele Pitta-Typen sind charismatisch und von hohem Intellekt. Ihr klarer Geist zeichnet sie aus. Sie sind oft gute Redner und haben eine hohe Argumentationsfähigkeit, während ihr Denken und Verhalten sehr logisch geprägt ist. Sie sind meist gut organisiert, überzeugungsfähig und sehr leistungsstark. Es ist wenig überraschend, dass bei vielen Führungskräften Pitta das dominierende Dosha ist. Ist Pitta im Ungleichgewicht, kann die Durchsetzungsfähigkeit in Dominanz und Aggression umschlagen. Menschen mit dieser Konstitution sind oft leicht reizbar und können zu ungesundem Perfektionismus sowie Streitsucht neigen. Ihren hohen Ansprüchen kann dann möglicherweise nichts und niemand mehr genügen.

Pitta: Sanfte Bewegung, Yoga und genügend Entspannung

Das wichtigste Stichwort, um eine Pitta-Störung auszugleichen, ist Mäßigung. Das Dosha besticht schließlich im besten Fall durch sein Feuer, das aber bei einem Übermaß schnell zu einem Waldbrand werden kann. Entspannungspausen und genug Schlaf sind wichtig für alle Pittas, genauso wie regelmäßige Mahlzeiten, die sie achtsam und in Ruhe einnehmen sollten.

Vielleicht gehörst du auch zu den Vertretern dieses Doshas, die sich über körperliche Betätigung entspannen. Wenn du im Job viel sitzt, solltest du dich also regelmäßig bewegen. Das kann ein kleiner Spaziergang sein oder eine Yoga-Einheit. Hier können Pittas auf kühlende und beruhigende Asanas setzen, etwa Vorbeugen. Yoga-Arten wie Yin oder auch sanftes Hatha Yoga eignen sich besser als Pitta-verstärkende Vinyasa-Flows oder Bikram-Einheiten, die dich noch stärker ins Schwitzen bringen. Bewusstes Atmen ist generell ein guter Tipp für hitzige Pittas. Yogische Atemübungen können beim Abkühlen aber noch stärker helfen. Probiere es doch mal mit Sitali Pranayama: Die Übung kühlt den Körper und beruhigt den Geist.

  • Dafür sitzt du bequem in einem aufrechten Sitz und schließt die Augen.
  • Rolle deine Zunge zusammen, strecke sie raus und atme dann durch diese Rolle langsam ein paar Mal aus und durch die Nase wieder ein.

Ernährungs-Tipps für die hitzigen Pittas

Um einen zu hohen Pitta-Anteil auszugleichen, hilft auch in Sachen Ernährung – du ahnst es wahrscheinlich schon – Abkühlung.

  1. Kühlende Lebensmittel wie Rohkost, Salate, Gurke, Zucchini oder etwa Spinat können hier helfen.
  2. Eisgekühlte Getränke solltest du aber meiden, wenn du eine Pitta-Störung ausgleichen willst (oder wenn dir sonst sehr warm ist), weil du deinen Körper damit zwingst, die Getränke im Organismus aufzuwärmen. Lauwarmes Wasser oder Tees helfen besser.
  3. Gewürze und Kräuter wie Pfefferminze, Koriander, Salbei oder Fenchel können einer Pitta-bedingten Überhitzung entgegenwirken. Das ayurvedische Allheilmittel Kurkuma wirkt entzündungshemmend, ebenso Aloe vera.
  4. Wenn du kochst, verwendet am besten Kokosöl, das wirkt ebenfalls Pitta-reduzierend.
  5. Vermeide unbedingt alles, was Hitze fördert. Dazu gehören scharfe Gewürze wie Chili, Pfeffer oder Ingwer.
  6. Auch anregende Stoffe wie Koffein oder Alkohol erhöhen das Ungleichgewicht.
  7. Von zu viel Salz solltest du ebenfalls die Finger lassen, weil es Wassereinlagerungen vermehrt und so dazu führen kann, dass du dich aufgedunsen fühlst.

Pitta, Pitta, Pitta, wohin man schaut

Wie du anhand der Charakteristika des Pitta-Doshas vielleicht schon bemerkt hast, wird unsere moderne Gesellschaft davon dominiert: (Laut-)Stärke und Durchsetzungsfähigkeit zählen sehr viel, wenn man es in unserer Welt zu etwas bringen will. Aber alleine das Konzept von „es zu etwas bringen“ ist ein Pitta-Gedanke par excellence. Der gemütliche Kapha möchte das nämlich möglicherweise gar nicht. Seine Familie und sein Zuhause sind ihm meist viel wichtiger.

Auch Vata mit seiner Wechselhaftigkeit, Unverbindlichkeit, aber auch mit den vielen kreativen Möglichkeiten spielt heute eine viel größere Rolle als vor Tausenden von Jahren. Beständigkeit und Sicherheit zählten in der Steinzeit mehr als unser heutiges (Pitta-)Verständnis von kommerziellem Erfolg. Gleichzeitig gönnen wir uns heute durch die Schnelllebigkeit der Welt immer weniger Pausen, schlafen zu wenig, essen ungesund, trinken zu viel Alkohol und Kaffee – und erhöhen damit unser Pitta immer weiter. Was nicht heißen soll, dass ein Dosha schlechter als das andere ist – ganz im Gegenteil. Das Wichtigste ist und bleibt das, worum es in der gesamten ayurvedischen Lehre im Kern geht: eine gesunde Balance.

Quelle: „Ayurveda geht überall”, Volker Mehl, Knaur Balance Verlag

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