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Bild: Shutterstock.com

Kapha, das ayurvedische Dosha der Gemütlichkeit

Von Katharina Goßmann

Die ayurvedische Lehre vom gesunden Leben ist einfach faszinierend: Mit holistischen Ratschlägen zu Lebensstil und Ernährung sowie Massagen, Kräutermischungen und etlichem mehr hilft Ayurveda Menschen dabei, im Einklang mit ihrer individuellen Veranlagung zu leben und so psychisch und physisch gesund und leistungsfähig zu sein.

Vata, Pitta – und Kapha

Konkret gibt es im Ayurveda drei Konstitutions-Typen: Vata, Pitta und Kapha. Diese drei so genannten „Doshas“ beschreiben die Veranlagung von Menschen: Hat jemand gute Nerven oder ist er eher nervös? Eine robuste Verdauung oder eine sensible? Ist er ein Gewohnheitstier oder braucht er ständig neue Herausforderungen? Wobei die meisten Menschen eine Mischung aus zwei, oder sogar drei, Typen sind.

Vata-Typen etwa sind eher schlank, haben viele Ideen, tun sich aber mit der konsequenten Umsetzung schwer, sind häufig in künstlerischen oder kreativen Berufen zu finden, sorgen sich leicht und sprechen viel.

Pitta-Typen sind mutig und unternehmungslustig, arbeiten viel und sind ehrgeizig, treiben gerne Sport und regen sich leicht auf.

Der Kapha-Typ dagegen, und jetzt kommen wir zum Punkt, ist ruhig und beständig, praktisch und traditionell, schläft lang und tief, neigt zum Übergewicht (obwohl er nicht viel isst), geht Dinge langsam an, schätzt Familie und Freunde mehr als Karriere und Erfolg, ist schwer aus der Ruhe zu bringen und steht zu seinem Wort.

Wo sind die Kaphas?

In letzter Zeit erwische ich immer wieder dabei, dass ich mich nach Kapha-Menschen sehne. Wie toll wäre es, Freunde zu haben, die in sich ruhen, lang schlafen, und ihr Leben langsam angehen! Oder sogar selbst so zu sein! Meine Freunde (besser gesagt: alle Menschen, die ich kenne) und ich, wir sind nämlich leider so gar nicht Kapha. Alle haben ständig zu tun - mit ihrer Karriere, ihren Reisen, ihren Projekten, ihrem Networking, ihrer Kunst, ihren Häusern, ihrem Sport, ihren Ferienhäusern, ihren Kulturveranstaltungen und und und... Weshalb ich die meisten meiner Freunde nur alle paar Monate sehe (oder, wenn sie im Ausland leben, Jahre).

Kapha: nicht im Trend

Warum ist das so? Weil wir, vereinfacht gesagt, in einer Zeit leben, die von Pitta und Vata dominiert wird. Der Druck und die Arbeitslast steigen ständig, dynamische, mutige Menschen gelten als Macher, ehrgeizige Manager haben die Macht = Pitta. Unstete Lebensstile sind die Norm, Künstler und Kreative stehen hoch im Kurs = Vata. Verlässliche, gemütliche Menschen, die Dinge langsam und methodisch angehen, sind dagegen uncool. Wer will heutzutage schon dick, gemütlich und Familien-orientiert sein, wenn er dynamisch, erfolgreich, schlank, kreativ sein kann?

Zu viel Pitta, zu viel Vata

Diese Dominanz von Pitta und Vata merken wir alle. Unsere Zeit ist schnell und wechselhaft. Verglichen mit früheren Generationen arbeiten wir schneller und daher mehr, wir wechseln öfter den Partner, den Arbeitsplatz, den Wohnort. All das belastet Körper und Psyche: Wir schlafen zu wenig und/oder schlecht, nehmen uns keine Zeit in Ruhe zu essen, wenn wir Hunger haben - was zu einem Übermaß an Vata führt. Stattdessen schlingen wir Fast Food und Süßigkeiten in uns hinein, arbeiten zu viel und zu ehrgeizig, trinken zu viel Alkohol - was wiederum unser Pitta zu stark erhöht.

Wer nicht bewusst gegensteuert (Yoga, vollwertige Ernährung, bewusste Entspannungsphasen) leidet in der Folge früher oder später unter Erschöpfung, Immunschwäche, Rückenschmerzen, schlechten Nerven, Verdauungsstörungen und anderen Zivilisationskrankheiten.

Zurück zur Gemütlichkeit!

Mein Lösungsvorschlag: Lasst uns doch alle mal ein bisschen mehr Kapha leben.

Was spricht dagegen, die Dinge einfach mal ruhiger anzugehen? Mal kein neues Projekt zu starten, die Karriereleiter einfach stehenzulassen, keine kulturellen Aktivitäten oder Reisen zu planen, mal Smartphone und TV zu ignorieren?

Wäre es nicht schön, wenn wir stattdessen einfach mal das Hier und Jetzt genießen würden? Vielleicht würde sogar eine neue Routine entstehen, mit vielen wohltuenden Gewohnheiten: Zum Beispiel könnten wir früh zu Bett gehen, morgens ganz ins Ruhe frühstücken, gemütlich den schönen Weg zur Arbeit radeln, dort methodisch und entspannt arbeiten (mit einer langen Mittagspause), und uns später einfach in der Abendsonne vors Haus auf die Treppenstufen und gucken, was passiert...

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