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Bildquelle: Istockphoto.com

Durch Yoga zu mehr Konzentration

Von Dr. Maria Wolke

Brrrrrrr, kaaaaalt... Ich ziehe mir schnell einen Bademantel an und renne in Hausschuhen aus dem Haus nach draußen – Holz für den Kamin holen. Noch während ich mich beeile merke ich, dass ich in meiner Hektik die Tür unseres Hauses mit zu viel Schwung mit mir ziehe… Sie fällt ins Schloss. Am 2. Dezember um 8 Uhr morgens stehe ich im Bademantel vor meiner verschlossenen Haustür. Und das habe ich ganz allein mir Selbst und meiner morgendlichen Zerstreutheit zu verdanken. Wäre ich auch nur ein wenig aufmerksamer gewesen, hätte ich keine 30 Minuten draußen frieren müssen. Gott sei Dank sind die Winter hier in Andalusien nicht ganz so kalt…

Dieses kleine unangenehme Missgeschick ist nur ein Beispiel dafür, wie Unachtsamkeit und fehlende Konzentration das „Jetzt“ und den Alltag bereits morgens erschweren können. Und ja… die Fähigkeit unsere Aufmerksamkeit auszurichten und uns zu fokussieren lässt sich einüben! Mehr noch: Sie hat weitreichende Konsequenzen für unser ganzes Leben. Erlernt ein Kind schon früh aufmerksam und fokussiert zu sein, wird es in seinen 30ern gesünder sein und größeren beruflichen Erfolg haben, so der US-Psychologe Daniel Goleman. Die Fähigkeit die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und sich zu fokussieren entscheidet folglich mehr über die kindliche Zukunft als der IQ eines Kindes oder die finanzielle Situation der Familie, in der es aufwächst.

Aufmerksamkeit und Konzentration im Yoga

Die konzentrative Praxis und das bewusste Ausrichten der Aufmerksamkeit sind auch im Yoga das A und O. Die eigene Aufmerksamkeit zu fokussieren und konzentriert in einer bestimmten Handlung und im Jetzt zu verbleiben soll langfristig helfen, sich selbst zu verstehen. Erstmalig wird die konzentrative Praxis in den alten indischen Schriften, den Veden, erwähnt. Bereits dort wird der Yoga als disziplinierte Innenschau und meditative Konzentration beschrieben.

Und so ist das: Unabhängig davon, ob wir Achtsamkeit, Meditation, Pranayama oder Asana üben, ist die Konzentration auf die Ausführung dessen, was wir tun, und somit auf das Jetzt, von großer Wichtigkeit. Wir fokussieren uns auf eine bestimmte Übung und halten unsere gesamte Aufmerksamkeit dort. Schweifen unsere Gedanken ab, während wir z. B. Gleichgewichtshaltungen üben, werden wir die Balance verlieren und fallen. Und das ist nur ein Beispiel, warum im Yoga die fokussierte Aufmerksamkeit immer und überall Bedeutung hat. 

In den Yoga Sutra nach Patanjali bildet Dharna, die Konzentration, die sechste Stufe der Ashtanga Marga, des achtgliedrigen Pfades. Sie soll Praktizierende auf die Ausübung der Meditation vorbereiten. Diese wiederum ist ohne vorrangige Übung der Konzentration nicht möglich….Offensichtlich haben bereits die alten Inder von der großen, verändernden Macht der fokussierten Aufmerksamkeit gewusst. 

Und sie hatten Recht. Die konzentrativen Übungen des Yoga stärken langfristig unsere Gehirnbereiche - wie den präfrontalen Kortex (PFK - Kognition) und den Hippocampus (Gedächtnis), die uns langfristig helfen, konzentrierter zu sein, uns selbst besser zu kontrollieren und das, was wir wahrnehmen, richtig in unser Gedächtnis einzugliedern. Eine bessere Aktivität in diesen Bereichen hilft uns aufmerksam zu sein, klar zu denken und Entscheidungen zu treffen. Auch können unsere negativen Emotionen eher kontrolliert werden, wenn der PFK und der Hippocampus aktiv sind. Beide Hirnregionen helfen, die emotionale Reaktion der Amygdala (ein limbisches Organ, welches die Verarbeitung emotionaler Informationen steuert) zu hemmen, so dass emotionale Reize immer weniger destruktive (unangebrachte = zu stark positive oder zu stark negative) Emotionen verursachen. 

Yoga hilft zu entscheiden was wir sehen wollen!

Yoga fördert folglich unsere Fähigkeit zu entscheiden in welche Richtung wir unsere Aufmerksamkeit richten möchten und was wir in unserem Leben wirklich und bewusst „sehen“ und „hören“ möchten. Und das ist gar nicht so einfach… Verarbeiten wir doch über 90% von allem, was wir täglich wahrnehmen und tun, ohne dass wir uns wirklich darüber bewusst sind. Und das hat Folgen: Unser Bewusstsein ist „verschleiert“…. Smartphones, Tablettes und die ständige Konfrontation mit Hiobs-Nachrichten verbreiten Ängste, Sorgen, Zweifel und eine negative Grundstimmung.

Positiv Denken dank Meditation

Richard Davidson, Professor für Psychiatrie und Psychologie an der Universität Wisconsin, hat in diesem Zusammenhang nachweisen können, dass eine lange intensive Meditationspraxis die Aktivität im linken Frontalhirn erhöht. Mehr Aktivität in der linken Hemisphäre wird mit einer erhöhten Aufmerksamkeit, einer positiven Grundstimmung und einer besseren Emotionsregulationsfähigkeit in Verbindung gebracht. Der Yoga führt folglich, über seinen positiven Einfluss auf das Gehirn, zu mehr fokussierter Aufmerksamkeit, mehr bewusster Entscheidungsfreiheit, zu mehr Zufriedenheit und zu weniger unangenehmen Emotionen und Angst.

Einen inneren Filter für Positives entwickeln

Wir haben gesehen, dass der Yoga uns helfen kann unsere Aufmerksamkeit weg vom all dem Unerwünschten und Destruktivem in unserem Leben, hin zu dem was wir uns wirklich für uns und unsere Lieben wünschen, zu richten. Für das positive Denken ist es folglich unausweichlich, über eine disziplinierte und regelmäßige Praxis einen inneren Filter für das Gute zu entwickeln. Aber wie macht man das?

Die Theorie hinter der Praxis hört sich einfach an, ist sie aber ganz und gar nicht, da das meiste von dem was wir wahrnehmen und verarbeiten nicht bewusst von uns gesteuert werden kann. Wir sind voll von unterschwellig und unbewusst ablaufenden „Programmen“, die uns „vorschreiben“ wie wir auf Etwas reagieren sollen und die wir uns im Verlauf unseres Lebens eingeprägt haben. Ursprünglich sollten sie uns das Leben und Überleben erleichtern und waren irgendwann einmal sinnvoll. Als Folge wird ein großer Teil dessen was wir wahrnehmen automatisch und ohne Zutun unseres Bewusstseins, an Hand früherer Erlebnisse, nach Relevanz gefiltert und verarbeitet. So spart der Körper Energie und sorgt für schnelle Reaktionen. Und natürlich folgen unbewusst ausgelöste Emotionen: Wut, Angst, Verzweiflung…wo kommen sie plötzlich her? Haben wir uns nicht noch vor 5 Minuten ganz gut gefühlt?

Emotionen können sich schnell ändern. Der Grund  für den Stimmungsumschwung kann sowohl innerhalb als auch außerhalb von uns selbst zu finden sein. So kann bereits eine unbewusst empfangene Information aus den TV oder dem Internet, wenn wir uns bewusst oder unbewusst mit ihr identifizieren, im Bruchteil einer Sekunde das Stimmungsbarometer umdrehen. Gleiches gilt für das innere Erleben von Gedanken, Emotionen oder körperliche Empfindungen. Ob wir wollen oder nicht führen die inneren Erfahrungen zu sichtbaren Reaktionen, die wiederrum unser Leben bestimmen.

Konzentration auf das Jetzt und die Erschaffung der Wirklichkeit im Yoga

Der Yoga besagt, dass wir alle Schöpfer dessen sind, was um uns herum passiert. Die Konzentration auf Positives ist daher unausweichlich. Was für eine Welt kann schon entstehen, wenn die Menschen von heute durch Täuschung im Geist und in Gedanken nur Leid, Missgunst und Unzufriedenheit kreieren?Wenn Gedanken und Imaginationen, die eine positive angenehme Zukunft erschaffen sollen, fehlen. Die Auswirkungen einer solchen, weltweiten Manipulation sind gravierend und begegnen uns überall auf Schritt und Tritt. Die zunehmende Angst vor der Zukunft oder das Nachhängen und Grübeln über die Vergangenheit verzerren die Wahrnehmung und lenken die Aufmerksamkeit vor allem auf die Aspekte des Lebens, die wir nicht mögen, die uns bedrohen oder gefährden. Die Folge: noch mehr destruktive Gefühle und noch mehr Leid. Die weltweite Negativverzerrung beeinflusst sowohl das gesellschaftliche als  auch das persönlichen Leben. Überall auf der Welt nehmen Menschen vor allem all das wahr, was sie in ihrem Leben nicht haben wollen und erfahren somit zunehmend, wie die Negativität immer mehr ihr Leben dirigiert. Und wir wundern uns über zunehmende Gewalt, Brutalität und über persönliche Misserfolge! Swami Vishnu- Devananda beschreibt diesen Sachverhalt in seinem Buch “Meditation und Mantras” wie folgt:

“Gut und Böse, Freund und Feind gibt es nur im Geist. Jeder Mensch schafft eine Welt der Tugend und des Lasters, der Freude und des Schmerzes aus der eigenen Vorstellung. (…) Die Gedanken lenken das Leben, formen den Charakter, bilden das Schicksal und beeinflussen alle anderen Menschen. Wenn das Potential, das in der Macht der Gedanken beinhaltet ist, erkannt wird, ist das der Anfang großen geistigen Wachstums des Individuums und der ganzen Menschheit“.

Und ein Instrument das zu erlernen bietet der Yoga. Einfache Praktiken des Yoga helfen uns über das Erlernen, die eigene Aufmerksamkeit auf Gutes zu fokussieren raus aus der Negativität hin zu mehr Eigenverantwortlichkeit, innerem Frieden und Zufriedenheit. Wird unsere Aufmerksamkeit bewusst vor allem auf positive und gute Dinge oder Umstände gerichtet, werden wir auch langfristig, durch das „Umprogrammieren“ in unserem Gehirn auch um uns herum mehr positive Dinge wahrnehmen. Und das wird sich sowohl in unserem Wohlbefinden als auch in unseren äußeren Lebensumständen widerspiegeln.

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