Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
10 Fragen an Wanda Badwal
Wanda Badwal

10 Fragen an Wanda Badwal

Von Kristin Rübesamen

Bevor Wanda Badwal Yogalehrerin wurde, ließ sie sich in Hamburg zur Sängerin und Schauspielerin ausbilden. Weswegen sie einerseits eine wunderbare Kirtan-Sängerin geworden ist und auch ungeniert vor vielen Menschen singen kann, andererseits vom Scheinwerferlicht und der einsamen Sucht nach Erfolg nichts wissen will. Im Gegenteil, in letzter Zeit unterrichtet Wanda, die für einige Jahren die Praktiken des traditionellen tantrischen Hatha Yoga und Ayurveda auf Bali lernte, zunehmend Klassen für Frauen mit dem Ziel, sich gegenseitig besser zu unterstützen und stark zu machen.

1. Woher kommt dein toller Name, und was liebst du an ihm?

Mein Vorname Wanda hat polnische Herkunft, meine Urgroßmutter hieß auch Wanda. Mein Nachname kommt aus Indien, dorthin habe ich zwar keine ethnischen Wurzel, aber eine Herzensverbindung. Meine Eltern haben schon in den 80er-Jahren Indien besucht, um dort auf die innere Reise der Selbsterfahrung zu gehen. In der Schule als Kind war es nicht einfach, einen so seltenen Namen zu haben. Ich wurde oft dafür gehänselt und hätte lieber Stefanie oder Christina gehießen. Heute freue ich mich aber sehr über den Namen, weil er perfekt zu meiner Berufung als Yogalehrerin passt. Manchmal denken Leute, es sei ein Künstlername, den ich mir passend zum Beruf ausgesucht habe, dabei ist es vielleicht genau anders herum, und mein Name hat meine Berufung bestimmt.

2. Auf einer Skala zwischen 1 und 10: Wie glücklich bist du jetzt gerade?

Ich fühle mich ganz in meiner Berufung als Yoga- und Meditationslehrerin angekommen und habe in diesem Jahr sehr viele meiner Träume und Ziele umgesetzt. Ich habe mein erstes eigenes Buch geschrieben und erfolgreich veröffentlicht: „YOGA – die 108 wichtigsten Übungen und ihre ganzheitliche Wirkung”. Außerdem meinen eigenen Podcast gelaunched: „Wandaful – Living yoga off the mat” (Du findest ihn auch bei iTunes). Außerdem gebe ich mein Wissen und meine Leidenschaft für Yoga und Spiritualität in Form meiner eigenen Yoga Teacher Trainings weiter. Beruflich läuft es sehr gut, und dafür bin ich unglaublich dankbar. Auch privat fühle ich mich mit meinem Partner erfüllt und angekommen. Er ist mein absoluter Traummann und mein Seelenverwandter. Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass wir uns begegnet sind. Und ich bin dankbar für die Unterstützung meiner großartigen Community von Schülern und Menschen. Danke an euch alle!

3. Welchen irdischen Besitz schätzt du am meisten?

Ich liebe Kaffee und Croissant am Morgen, da könnte ich mich reinlegen. Apropos reinlegen, eine Badewanne ist außerdem ein absolutes Muss für mich. Besonders wenn es draußen kalt wird, freue ich mich auf ein entspannendes Schaumbad am Abend mit Kerzen und einem guten Buch – das ist für mich der Inbegriff von Entspannung. Es klingt unromantisch, aber auch mein Handy mag ich sehr und schätze die modernen Kommunikationmöglichkeiten mit E-Mails, WhatsApp und Social Media. Es ist möglich, mit Menschen auf der ganzen Welt inspirierende Gedanken zu teilen und auszutauschen. Außerdem liebe ich mein Harmonium, mit dem ich Mantras singe. Es ist wie ein kleines tragbares Klavier, und ich schleppe es durch die ganze Welt, meine Schulter kann ein Lied davon singen, es wiegt nämlich ganze acht Kilo!

4. Wer ist deine beste Freundin?

Ich weiß nicht, was ich von der Idee der „besten Freundin” halten soll. Wer ist schon „die Beste”? In der Schulzeit hat man das gerne so gesagt, „meine beste Freundin”, und sich eine Herzchenkette um den Hals gehängt. Heute glaube ich eher, dass wir durch verschiedene Phasen in unserem Leben gehen, in denen wir mit bestimmten Menschen besonders gleich schwingen, das kann sich aber auch wieder ändern. Mit einigen teilen wir vielleicht eine bestimmte Leidenschaft, mit anderen verbindet uns vielleicht die Tatsache, dass wir sie schon aus der Schulzeit kennen. Welche von beiden Freundschaften ist jetzt die „beste”?

Ich habe gelernt, meine Freundschaften nicht miteinander zu vergleichen. Beide haben ihren Wert auf unterschiedlichen Ebenen. Ich habe nicht viele Freunde, aber dafür einige tiefe und enge Freundschaften, die kann ich an einer Hand abzählen. Ich habe das Glück, seit Jahren sehr treue Freunde zu haben, die mir trotz meinem unsteten Lebensstil treu geblieben sind  und es mir verzeihen, wenn ich mich wochenlang nicht melde, weil ich zum Beispiel in meiner Teacher-Trainings-Blase auf Bali stecke. Ob eine Freundschaft Bestand hat, merkt man erst nach Jahren, in denen man gemeinsam durch verschiedene Phasen und auch Konfliktmomente gegangen ist.

Neue Freundschaften entwicklen sich mit dem Älterwerden schwerer. Als Selbstständige arbeite ich viel von zu Hause aus, das heißt, ich bin auch oft alleine. Vor allem in der Zeit, als ich mein Buch geschrieben habe, habe ich mich manchmal wie ein Einsiedlerkrebs gefühlt. Nächstes Jahr gibt es in meinem Leben wieder mehr Raum für soziale Beziehungen und Freundschaftspflege, das ist wichtig!

5. Welche Tugend würdest du am liebsten besitzen?

Ich würde gerne ein bisschen mehr Pflichtbewusstsein, Leichtigkeit und Disziplin verspüren, was das Erledigen von bürokratischen Dingen angeht. Ich schiebe alles, was mit Rechnungen, Finanzen oder Überweisungen zu tun hat, wochen- und manchmal monatelang vor mir her. Ich habe quasi eine Bürokratie-Allergie. ;) Es ist ich völlig bescheuert, weil ich ja einfach den Strafzettel überweisen könnte – tut ja nicht so dolle weh –, aber ich schiebe es dann doch so lange vor mir her, bis ich zwei Mahnungen bekommen habe. Völlig unnötig. aber ich habe einfach so einen Graus davor. Ich hoffe, dass ich eines Tages eine Assistentin dafür einstellen kann – es soll ja Menschen geben, die so was lieben, haha!

6. Was macht Frauen stark?

Die Selbstkenntnis, sich selbst, und damit meine ich den eigenen Körper, die eigenen Emotionen und Verhaltensmuster kennen und verstehen zu lernen. Stärke ist auch, die richtigen Fragen zu stellen: Warum bin ich so, wie ich bin? Warum habe ich bestimmte Ängste, Zweifel und immer wiederkehrende Gedanken? Den Mut zu haben, sich auf den inneren Weg der Selbstentwicklung und Selbstkenntnis zu machen, ist unglaublich „empowering”, weil wir uns selbst und unsere eigene Komplexität besser verstehen können und uns nicht mehr als Opfer unserer Vergangenheit und Gedanken fühlen.

Sich auch mit dem eigenen Körper, dem Mondzyklus, zu beschäftigen ist unglaublich bestärkend, weil wir Frauen uns dann mit unserer Natur verbinden. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Frauen eine Distanz zu ihrem Körper aufgebaut haben und innerlich sehr hart mit sich und ihrem Körper ins Gericht gehen. Sich mit dem eigenen weiblichen Körper zu beschäftigen, hilft uns, ein liebevolles Körperbewusstsein zu entwicklen, schmerzhafte Erfahrungen zu heilen und mit liebevollen Augen auf uns selbst zu schauen. 

Was Frauen außerdem stark macht, ist „Sister Support”. Um diese Welt zu verändern, müssen wir Frauen aufhören, uns gegenseitig an den Haaren zu ziehen und uns zu beneiden, sondern wir sollten anfangen uns gegenseitig zu bestärken und uns in unserer Einzigartigkeit und Schönheit feiern. Männer klopfen sich, wenn sie Fußball sehen, ja auch bestärkend auf ihren Bauch und gratulieren sich zum Sieg ihrer Lieblingsmannschaft. Wir Frauen sollten das auch tun, uns in Frauengruppen treffen und uns gegenseitig bestärken für unseren sexy Arsch und unsere wundervollen Brüste! Nein, ernsthaft. Wir Frauen sollten zusammenhalten und uns nicht miteinander vergleichen, sondern uns feiern. Wir sind alle wunderschöne Blumen, und jede erstrahlt in ihrem ganz individuellen Duft und Schönheit. Eine Rose beneidet ja auch keine Sonnenblume. Ich gebe deshalb Workshops rund um Weiblichkeit, Empowerment und zum Wissen des Mondzyklus, um uns mit unserem Körper und unserer Weiblichkeit zu verbinden. Ich liebe diese Arbeit, sie liegt mir sehr am Herzen.

7. Warum unterrichtetet du manche Stunden „nur für Frauen“?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn nur Frauen untereinander sind, wir uns geschützter fühlen und tiefer loslassen können, zum Beispiel auch mal komische Geräusche machen und unserem Körper und Impulsen freien Lauf lassen können. Wenn Männer im Raum sind, möchte man als Frau doch immer irgendwie gefallen und fühlt sich vielleicht bewertet. Wenn nur Frauen zusammen sind, entsteht eine besondere Energie, es entstehen Magie und ein Sisterhood-Gefühl. In meinen Workshops tauschen wir uns untereinander aus und merken dabei: Ich bin nicht alleine mit meinen Themen, wir alle gehen durch ähnliche Herausforderungen als Frau in diesem Leben. Sich von anderen Frauen unterstützt und gehalten zu fühlen, wirkt unheimlich bekräftigend.

8. Wann fühlst du dich überfordert, und welche Asana hilft dann?

Ich bin selbstständig, und das heißt selbst und ständig. Ich fühle mich manchmal durch die Komplexität meiner unterschiedlichen Projekte und Aufgabenbereiche, die unterschiedliche Fähigkeiten von mir fordern, überfordert. Es gibt wenig Routine in meinem Leben, jeder Tag ist anders: administrative Aufgaben, inhaltliche Vorbereitungen von Yogastunden, Retreats und Workshops, kreatives und auch strukturiertes Denken. Ich bin ein Multitasker, und liebe es, unterschiedliche Projekte zu kreieren und mich dadurch auszudrücken. Zum Beispiel den Podcast aufnehmen, Interviews verabreden, Texte schreiben, ein Buch schreiben, Festivals, Workshops, Retreats, Teacher Trainings organisieren und veranstalten, Instagram-Artikel schreiben, Marketing und so weiter. Mein Leben ist sehr komplex, aber auch wundervoll aufregend, und ich liebe, was ich tue. Dennoch wünsche ich mir manchmal etwas mehr Vereinfachung und routinierte Arbeitsabläufe. Aber ich bin dran und hole mir zunehmend durch Assistenten Unterstützung.

Zu den Asanas: Childs Pose oder Katze-Kuh gehen immer. Und dann habe ich zwei Asanas, die mir einen sofortigen Stress Release bescheren. Das ist zum einen das Nadelöhr, die Drehung im Vierfüßler, dabei tief durch den geöffneten Mund ausatmen hahhhh‚ und allen Stress rund um die Schulterblätter loslassen. Ein bis zwei Minuten pro Seite halten. Als zweite Übung liebe ich es, auf dem Rücken liegend den Fuß in die Schlaufe das Gurtes zu legen und das Ende des Gurtes hinter den Kopf zu legen – eine restorative Variante von Supta Hasta Padanghustasana.

9. Was bedeutet das erste Sutra aus Patanjalis Yoga Sutra, Atha Yoga-anushasanam, für dich?

Meine liebste Übersetzung dieses Sutras ist UND JETZT… YOGA! Es bedeutet für mich: Jetzt ist die Zeit für Yoga. Lass uns alles andere beiseite räumen und uns Raum für Yoga nehmen. Ich glaube, im Alltag ist es wichtig, sich immer wieder diese persönliche Zeit einzuräumen, in der wir sagen: UND JETZT… YOGA! Jetzt lass ich mal den Abwasch stehen, und das Kind darf mal eine halbe Stunde alleine spielen – JETZT ist meine Zeit für Yoga, für Verbindung. Die Verbindung mit mir selbst, meine Zeit, zu meiner Seele zurückzukehren. Dieses Sutra ist wie ein Auftakt – jetzt ist die Zeit, um mir selbst zu begegnen.

10. Was kann Yoga – und was kann Yoga nicht?

Lass uns erst mal definieren, was wir mit Yoga eigentlich meinen. Im Westen wird der Begriff Yoga ja häufig mit Asana gleichgesetzt. Yoga ist aber so viel mehr. Eine Achtsamkeitspraxis, eine Philosophie und vor allem ein spiritueller Lebensweg. Das heißt, wenn wir diese Frage stellen, müssen wir definieren: Was für Yoga praktizieren wir denn, und wie praktizieren wir es?
Raja Yoga (Yoga der Meditation) oder Bhakti (Yoga der Hingabe), Yoga der Atmung (Pranayama), Karma Yoga (Yoga der guten und selbstlosen Tat)?

Es kommt sehr darauf an, was und vor allem WIE und mit welcher inneren Haltung wir Yoga praktizieren. Das hat dann darauf Einfluss, wie stark „der Yoga” wirkt und unser Leben transformiert. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Ich kann zwei Jahre täglich zum Vinyasa rennen und es wie einen Leistungssport betreiben ohne Achtsamkeit, ja, das ist möglich. Ob es mich deshalb zu einem Yogi macht oder zu einem Menschen mit einem offenen Herzen, der liebevoll, achtsam und mitfühlend anderen Menschen begegnet, sei dahingestellt. Das heißt, die Frage stellt sich: WIE praktiziere ich? Ich kenne Menschen, die noch nie eine Yogamatte betreten haben und dennoch unglaublich offene, achtsame und liebevolle Menschen sind. Sie müssen das aber nicht Yoga nennen, für mich sind sie dennoch Yogis. Man könnte auch sagen: Nur weil Yoga draufsteht, ist nicht Yoga drin, und umgekehrt: Nur weil kein Yoga draufsteht, kann trotzdem Yoga drin sein.

Um es ein wenig mehr zu verallgemeinern: Ich glaube an die transformative und magische Kraft des Yoga. Yoga kann unheimlich viel, wenn wir uns darauf einlassen. Ich selbst habe es erlebt und und sehe es an meinen Schülern immer wieder. Yoga kann dein gesamtes Leben transformieren und nachhaltig verändern, wenn du es zulässt. Yoga öffnet Türen in innere unbewusste Räume, die Frage ist dann, ob wir weitergehen möchten und uns weiterentwickeln und verändern wollen. Yoga hilft uns auf unserem Weg. Yoga ist immer wieder die Reise zu deinem wahren Selbst.


Weitere Informationen zu Wanda Badwals Arbeit, ihren Workshops, Retreats und Trainings findest du auf ihrer Website

zurück nach oben