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Nina Heitmann
Joern Heitmann

10 Fragen an Nina Heitmann

Von Kristin Rübesamen

Bon Voyage: Als Nina Heitmann als Nina MC im Jahr 2000 diesen Hit von Deichkind aufmischte, konnte niemand ahnen, wie passend der Titel für eine Yogalehrerin war. Denn als Tochter eines afghanischen Menschenrechtlers wusste sie genau, dass das Leben eben nicht nur aus hübschen Yogaleggings besteht, sondern dass es mehr braucht, um den Widrigkeiten des Lebens zu trotzen. Zum Beispiel Mut. Und Grazie. Und Spiritualität. Und keinen Kaffee. Aber lies selbst.

1. Auf einer Skala zwischen 1 und 10: Wie glücklich bist du jetzt gerade?

Ich bin eigentlich immer glücklich, obwohl ich früher manchmal geglaubt habe, dass ich niemals richtig happy sein werde. Aber mit den Jahren habe ich verstanden, dass mein Glück oder Unglück ganz und gar selbstgemacht ist, und es nicht die äußeren Umstände sind, die bestimmen, wie es mir geht, sondern vielmehr meine Reaktion darauf. Mein Glück ist heute also nicht mehr so sehr abhängig von irgendjemandem oder irgendetwas, sondern ist eher eine Grundschwingung geworden. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen, sondern ist ein andauernder Prozess. Die Achtsamkeit und Fähigkeit zu reflektieren, die die Yoga-Praxis mit sich bringt, helfen mir dabei sehr.

2. Wie war dein erster Kontakt mit Yoga?

Meine erste Lehrerin hatte einen kleinen Raum in einer Heilpraktiker-Praxis angemietet. Das war damals in Hamburg noch vor dem großen Yoga-Boom. Ohne etwas über Yoga zu wissen, hat alleine das Wort irgendwas tief in mir angesprochen, und ich wusste: Das musst du machen!

3. Wie ehrgeizig bist du? Leidest du unter den Ansprüchen, die du dir selbst stellst?

Ich mache die Dinge gerne gut und gründlich, aber darunter leide ich nicht. Es macht mir Spaß, mich voll einzubringen. Ich finde, man kann absolut sein Bestes geben, ohne zu viel Druck aufzubauen, ohne „ehrgeizig“ zu sein. Ich versuche einfach, mich von dem übermäßigen Wunsch nach Anerkennung und der Angst vorm Scheitern frei zu machen, denn das ist es ja, was einen stresst und worunter man leidet. Natürlich freue ich mich, wenn etwas gut läuft, aber ich übe mich trotzdem im Karma Yoga: alles geben, ohne auf die Früchte zu schielen. Denn wenn wir vollkommen aufgehen in dem, was wir gerade tun, ohne einen Gedanken an vorher oder nachher, dann sind das doch die Momente, in denen wir uns am lebendigsten fühlen!

4. Warum hast du dich entschieden, Yoga auch zu unterrichten? Was ist das Besondere an deinem Unterricht?

Nach jeder Yogastunde war ich etwas glücklicher als vorher, etwas mehr im Frieden mit mir und der Welt. Und irgendwann wollte ich wissen, warum und wie Yoga das eigentlich macht, deshalb bin ich in die Lehrerausbildung gegangen. Ich wollte unbedingt tiefer in den Yoga-Kosmos einsteigen, selbst zu unterrichten war damals gar nicht mein Ziel. Aber als ich einmal damit angefangen hatte, wollte ich nicht mehr aufhören, denn zu teilen, was Yoga mir gibt, ist einfach wunderbar! Und wenn ich nach der Stunde in die glücklichen und entspannten Gesichter schaue, habe ich das Gefühl, dass meine Arbeit wirklich Sinn macht.


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5. Welchen irdischen Besitz schätzt du am meisten?

Vielleicht unser schönes altes Wohnmobil, einen 80er-Jahre-Mercedes-Karmann mit Klöntür und Alkoven. Den lieben wir so, dass er eigendlich weniger ein Besitz ist als ein richtiges Familienmitglied. Er hat sogar einen Namen, er heißt B-OB, und mit ihm sind wir überall zu Hause, wohin der Wind uns weht. Außerdem ist er mein mobiles Yogastudio, denn mein Mann hat das Dach so stabilisiert, dass ich da oben schön meine Sonnengrüße machen kann. Das ist einfach herrlich!

6. Was bedeutet das erste Sutra aus Patanjalis Yoga Sutra, Atha Yoga-anushasanam, für dich?

Auf die Matte, fertig, los!

7. Was hat Yoga mit Liebe zu tun (und warum sind Beziehungen manchmal so schwierig)?

Das Wort Yoga bedeutet Verbindung oder Verbundensein. Mit Yoga kann der Satz „Alles ist eins“ zur lebendigen Erfahrung werden. Und wenn wir uns in unserem Gegenüber wiederfinden, sind wir ganz von selbst liebevoll und mitfühlend. Die Muster unserer Beziehungen werden von unserem Karma bestimmt, denn das zieht Leute an, die zu uns passen. Einfach gesagt wird jemand, der eifersüchtig ist, auf jemanden treffen, der Angst hat, vereinnahmt zu werden. Das ist schwierig, aber da, wo sich unsere Verletzungen zeigen, ist auch unsere Chance zur Heilung. Der Eifersüchtige kann lernen loszulassen, und der mit der Bindungsangst kann sich öffnen. Aber das muss man natürlich verstehen und wollen. In der Regel wollen wir lieber recht haben und kämpfen darum, dass der andere sich verändert. Oder wir trennen uns und hoffen, dass es beim nächsten Mal endlich der oder die Richtige ist. 

8. Wann bist du zuletzt vom Yogaweg abgekommen?

Man kann ja nur von einem genau vorgegebenen Weg abkommen. Das ist Yoga für mich aber nicht, sondern vielmehr ein spiritueller Prozess, eine Reise in ein unbekanntes Terrain. Der Weg erschließt sich mir dabei erst mit jedem neuen Schritt, den ich gehe.

9. Welche Tugend würdest du am liebsten besitzen?

Die klassischen Tugenden sind ja Glaube, Liebe, Hoffnung, Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Ich würde allerdings „Glaube” durch Offenheit ersetzen, denn wenn wir zu sehr an etwas glauben, können wir nicht mehr frei entdecken. Und statt Hoffnung wäre ich für Zuversicht. Aber etwas mehr Tapferkeit könnte ich vielleicht gebrauchen. Wenn meine Kinder sich wehtun, halte ich das kaum aus, und am Ende müssen sie mich trösten, da stimmt doch was nicht!

10. Was kann Yoga – und was kann Yoga nicht?

Yoga bringt uns mit Asana, Pranayama und Meditation vom Groben ins Subtile, von der stofflichen Ebene über die energetische zur geistigen Dimension. Im Körper haben wir den Eindruck, ein Einzelnes zu sein, aber wenn man tiefer schaut, ist alles Energie. Eine Energie, die sich in unterschiedlichen Mustern formiert. Ursprünglich ist es das Ziel der Yoga-Praxis, die Illusion von der Trennung aufzulösen, um sich als das eine in allem zu erfahren. Insofern kann Yoga nur eins, und zwar alles.

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