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Bildquelle: ©Markus Abele/Judith Stoletzky

Yoga statt warten: 3 Asanas für die Bushaltestelle

Von Judith Stoletzky

Der Stuhl (utkatasana) – Warten auf den Nächsten

Sitzen ist das neue Rauchen. Preisen Sie die Unwägbarkeiten des öffentlichen Nahverkehrs und freuen Sie sich, dass eine Haltestelle keine Komfortzone ist. Wo weit und breit keine Sitzgelegenheit ist, wird es mit utkatasana ganz besonders schrecklich unbequem. Man könnte in dieser Haltung richtig sauer werden. Wörtlich aus dem Sanskrit übersetzt heißt die Pose „wilde Haltung”. Sie entfacht Ihr inneres Feuer und macht Ihren Willen bärenstark. Vielleicht lassen Sie den nächsten Bus einfach sausen und genießen dieses mächtig gute Gefühl noch ein Weilchen. 

Anleitung

Im Sitzen arbeiten: Stehen Sie gerade. Füße und Knie berühren sich. Mit der Einatmung die Arme nach oben strecken. Mit der Ausatmung setzen Sie sich auf einen imaginären Stuhl. Aktivieren Sie die Bauchmuskeln, keinen Entenpopo! Wahrscheinlich ziehen Sie jetzt die Schultern nach oben. Lassen Sie sie wieder sinken. Atmen! Bleiben Sie mindestens fünf lange Atemzüge in dieser Haltung und freuen Sie sich über die Hitze, die sie produziert. Wer es noch ungemütlicher mag, presst die Handflächen fest zusammen und richtet den Blick nach oben. Mit einer Einatmung mit geradem Rücken aufrichten. Augen schließen. Und genießen! 

Wirkung

Kräftigt praktisch alles, besonders Ihre Mitte und die Knie. Stärkt Willen und Durchhaltevermögen.

Hinweise

Lieber nicht bei Bandscheibenvorfall und Schulterproblemen. Leichtere Variante: Füße und Knie hüftweit auseinander. 

Der Berg (tadasana) – Warten auf den Sommer

Das Warten auf die Sonne kann sensiblen Naturen bereits Anfang November vollkommen den Boden unter den Füßen wegziehen. Manch einer fällt spätestens im Frühling in ein tiefes Loch. Die Berghaltung hilft, stoisch zu ertragen, was unverrückbar ist, wie es ist. Wer im Herbst anfängt zu üben, den können weder endlose Winter noch viel zu kurze Sommer, noch 98,73 % aller anderen schwer beeinflussbaren Situationen erschüttern – nicht das Warten auf Godot. Nicht das Warten auf die Freibadsaison, auf den Pizzaboten oder darauf, dass die Menschheit klüger werde.

Anleitung

Unerschütterlich dastehen: Zehen und Fersen berühren sich. Gewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilen. Aktivieren Sie das Fußgewölbe. Die Knie kaum merklich beugen. Spannen Sie den Po an. Dadurch schiebt sich das Steißbein leicht nach vorn und Ihr unterer Rücken entspannt sich. Bauchmuskulatur aktivieren. Schultern zu den Ohren heben, nach hinten rollen und sinken lassen. Schlüsselbeine weiten, Brustbein heben. Kinn parallel zum Boden. Aktivieren Sie Arme und Hände, drehen Sie die Handflächen nach vorn, strecken Sie die Arme bis in die Fingerspitzen. Tief in den Bauch atmen – und vielleicht trauen Sie sich, die Augen zu schließen.

Wirkung

Richtet die Wirbelsäule auf. Stärkt das Selbstvertrauen, spendet Energie, erdet, zentriert und beruhigt.

Hinweise

Geht immer. Wenn es sehr schwerfällt, die Balance zu halten, Füße etwa schrittweit voneinander entfernt aufstellen.

Die umgekehrte Planke (purvottanasana) – Warten auf die Transformation

„Werde, der du bist.“ Dieser Tipp zur Selbstoptimierung stammt vom antiken Dichter Pindaros. Der Philosoph Nietzsche stellt Pindaros’ Motto seinen letzten Schriften voran und wird in den Schweizer Alpen über seiner profunden Selbstbetrachtung verrückt. Der oberflächliche Narziss hingegen ertrinkt, weil er in sein Spiegelbild im Wasser vernarrt ist. Seien Sie flexibler als diese beiden! Wenn Sie mittels Selbstreflexion der, die oder das werden wollen, was Sie sind, spannen Sie mit dieser Übung zwischen der Innenschau und der Arbeit an Ihrer Außenwirkung einen elegant ausbalancierten Bogen.

Anleitung

Den Hintern hochkriegen: Prüfen Sie den Stuhl auf Standfestigkeit. Nah an die Kante setzen, Füße zeigen gerade nach vorn, große Zehen berühren sich. Hände schulterbreit circa 15 cm hinter dem Po aufstützen. Fingerspitzen zeigen gerade nach vorn oder hinten, nicht zur Seite. Eventuell Kante der Sitzfläche umgreifen. Das Brustbein heben, die Schultern nach hinten und unten rollen. Mit einer Einatmung Becken heben und Arme strecken. Ohne an Höhe zu verlieren, ein Bein nach dem anderen ausstrecken. Fußsohlen in den Boden pressen. Steißbein zu den Füßen schieben. Schulterblätter zueinanderziehen. Nur wenn es angenehm ist, Kopf in den Nacken legen. Für fünf tiefe Atemzüge halten. Langsam absenken. Auf die zweite Runde freuen.

Wirkung

Dehnt die ganze Vorderseite, stärkt Handgelenke, Arme, Beine und Po, weitet Brustkorb und Schultern, macht entschlossen.

Hinweise

Nicht bei Schmerzen und Verletzungen an den Hand- oder Schultergelenken, Obacht bei empfindlichem Nacken.

 

"Yoga while you wait" (108 Seiten) von Judith Stoletzky (Text, Bildkonzept und Idee) und Markus Abele (Fotos) ist beim Becker Joest Volk Verlag erschienen.

 

 

 

 

Bildquelle: ©Markus Abele