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Bild: shutterstock.com

Warum Osteopathie und Yoga gut zusammenpassen

Von Petra Orzech

Petra Orzech wollte der Sache auf den Grund gehen und von ihm wissen, warum Osteopathie und Yoga so gut Hand in Hand gehen. Für ein Interview hat sie Johannes Fetzer in seiner Praxis besucht.

Osteophatie und Yoga – warum passt das so gut zusammen?

“Osteopathisch sucht man nach Spannungsketten im Nervengewebe, in den Faszien (Hüllstrukturen von Muskeln und Organen), in den inneren Organsystemen (z. B. Bauch) und in der Atmung (Zwerchfell). Treten hier Störungen auf, werden sie durch den Osteopathen gelöst. Auch im Yoga werden genau diese Spannungsketten angesprochen. Man kann sagen, dass es für jede osteopathische Spannungskette eine eine spezielle Yoga-Übung gibt. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion oder bei Problemen mit den Nasennebenhöhlen ist die vordere Spannungskette im Körper in Mitleidenschaft gezogen, die der Osteopath entsprechend behandelt.

Yoga-Übungen wie die Kobra, der hinaufschauende Hund oder der Bogen aktivieren diese Spannungskette ebenso und verschaffen demzufolge auch Linderung. Yoga bezieht wie keine mir andere bekannte Trainingsmethode Muskeln, Nerven, Organe und Atmung mit in die Praxis ein. Meiner Meinung nach handelt es sich bei den meisten Menschen heute weniger um ein Kraftproblem, sondern viel mehr um schlecht gedehnte Muskeln. Durch die regelmäßige Yogapraxis gewinnt der Organismus Länge, schafft Platz und lindert oder beseitigt sogar Schmerzen, wie etwa im Rücken. Das heißt, wer mit Schmerzen bei mir auf der Bank liegt, dem wird osteopathisch geholfen. Fließt dann alles wieder, ist Yoga definitiv eine hervorragende Prophylaxe vor erneuten Schmerzen."

Wäre es ideal, jährlich nicht nur beim Zahnarzt sondern, auch beim Osteopathen vorbeizuschauen?

“Sagen wir mal so, es würde jemand zu mir kommen, der einmal „durchgecheckt“ werden möchte, dann suche ich nach Spannungsquellen im Körper – auch nach alten – und löse sie. Alte Spannungsmuster können Jahrzehnte zurückliegen und müssen aktuell noch keine Schmerzen verursachen, können aber jederzeit auftreten und dann zu starken akuten Schmerzen führen. In ein bis drei Sitzungen würde man all diese Spannungsquellen lösen. Der Körper ist nun in der Lage, selbstständig die notwendigen Regenerationsprozesse einzuleiten. Ähnlich wie der Organismus bei Grippe oder Muskelkater auch in der Lage ist, dies eigenständig wieder in den Griff zu kriegen. Der Körper besitzt Selbstheilungskräfte, die durch Osteopathie angeregt werden. Ein jährlicher Check ist daher normalerweise nicht nötig.”

Osteopathie ist ja noch nicht wissenschaftlich anerkannt – interessiert das die Patienten überhaupt?

“Oft kommen Patienten mit enormen Leidensdruck zu mir. Sie haben meist eine ganze Ärzte- und Medikamenten-Odyssee hinter sich – ich bin dann so etwas wie die letzte Hoffnung für sie. Sobald diese Menschen aber spüren, welche Linderung sie durch die Osteopathie erfahren, kommen sie auch mit kleineren „Wehwehchen“ zu uns in die Praxis und gehen nicht erst den Weg über den Hausarzt oder Orthopäden. Also, die Antwort auf die Frage: Die Leute interessiert es nicht wirklich, ob es wissenschaftlich anerkannt ist oder nicht. Sobald sie am eigenem Leibe die positive Wirkung erfahren haben, sind sie überzeugt. Das gleiche gilt ja auch für Yoga. In manchen Bereichen ist es halt schwierig eine Doppelblindstudie durchzuführen. In der Alternativmedizin gibt es den schönen Spruch: „Wer heilt hat Recht.“ Aber einige Untersuchungen gibt es inzwischen doch. In der Praxis stellen wir auch verstärkt fest, dass Ärzte sich dieser Behandlungsmethode immer mehr öffnen. Viele von ihnen kommen inzwischen sogar als Patienten zu uns.”

Kann Osteopathie für mehr Lebensqualität sorgen?

“Definitiv. Ich stelle mir den Mensch gerne als Schiff auf dem Meer vor, das häufig mit großen Wellen kämpfen muss. Diese Wellen stehen für unsere Stressquellen, die auf uns einströmen: Verletzungen, Unfälle, Unzufriedenheit am Arbeitsplatz oder in der Familie, aber auch Faktoren wie zu wenig Bewegung an der frischen Luft gehören dazu. Alle diese großen Wellen strömen also auf das Boot ein. Damit es nicht untergeht, bedarf es Mechanismen, die sozusagen „das Wasser abpumpen“. Zu diesen Mechanismen gehören Osteopathie, Yoga, gesunde Ernährung sowie eine positive Lebenseinstellung. Entscheidend ist, dass das Verhältnis von dem was oben reinkommt, unten auch wieder abfließt. Alles muss im Gleichgewicht sein – dann hat man auch eine gute Lebensqualität. Jeder sollte daher schauen, was er aktiv ändern kann. Manche Dinge, wie der Arbeitsplatz, lassen sich aber nur schwer umstrukturieren. In solchen Fällen macht es meiner Meinung nach mehr Sinn, seinen Fokus auf die „wasserabpumpenden Mechanismen“ zu richten und sich vielleicht das ein oder andere Mal in die Hände eines Osteopathen zu begeben. Grundsätzlich sollte man aber so segeln, dass man auf den Wellen schwimmt.”

Vielen Dank für das offene Gespräch!

Und noch ein Buchtipp von Johannes Fetzer für alle Yogafans, die genau wissen wollen, welche Muskeln beim Yoga aktiviert werden: Yoga Anatomie von Leslie Kaminoff; riva-Verlag; Kostenpunkt 22 Euro.

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