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Warum sollte das Leben einfach sein?
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Warum sollte das Leben einfach sein?

Von Kristin Rübesamen

Achtung, die folgenden Zeilen sind nicht neutral. Es könnte zu Widerspruch kommen, zu wütenden Attacken, oder es bleibt feindselig still. Aber sei’s drum.

Leben ist Durcheinander, Leben ist messy. Je eher wir das akzeptieren, desto leichter kommen wir darüber hinweg. Warum soll das Leben auch einfach sein? Wozu?

Auch ich habe mich fortgebildet in der Corona-Zeit und einen Crashkurs gemacht, und zwar in einer Disziplin, mit der ich stets auf Kriegsfuß stand: Akzeptanz. Alleine das Wort, das behäbige A, die beiden angeberischen „z’” die prätentiösen Doppelkonsonanten. Akzeptieren war in meinen Ohren identisch mit aufgeben. Akzeptieren hieß, ein guter Verlierer zu sein, und war etwas für Erwachsene mit verwaschenen Pullovern, die ihre Behördenpost neben dem Knäckebrot stapelten. Kämpfer dagegen gingen ohne Regenschirm ins Freie. Sie kämpften und gewannen. Möglichst mühelos.

Aber was wusste ich schon vom Kämpfen?

Aufgewachsen im gemütlichen Windschatten des Kalten Krieges, mit Müsli, Fischstäbchen und den Büchern von Christine Nöstlinger benötigte man als Grundausstattung zum Leben im vergangenen Jahrhundert nur eine gute Jeans. Das unheimliche Waldsterben oder die Nachrüstungsdebatte 1983 waren vielleicht Gegenstand heftiger Diskussionen im Büro der Schülermitverwaltung, aber schlaflose Nächte hatten wir deshalb nicht. Kurz, ich bin höchst sorglos und vergnügt aufgewachsen.

Die richtige Jeans hilft nicht im 21. Jahrhundert (sie schadet natürlich auch nicht). Was hilft, ist zu verstehen, dass wir in einem großen Transformationsprozess stecken. Was hilft, ist sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass das Leben anstrengend, mühselig, sogar sinnlos sein kann. Jobs brechen weg, Freundschaften verkümmern, Beziehungen gehen zu Ende, ein Virus legt die Wirtschaft lahm, Menschen sterben, Menschen sind einsam, Menschen verändern sich.

Die Coronakrise: Ein Crashkurs in Sachen Akzeptanz

Zu akzeptieren, dass diese Dinge passieren, diese Wendungen der Geschichte nicht persönlich zu nehmen, zu akzeptieren, dass es nun mal kein verdammtes Licht ohne Schatten gibt, ist kein Kalenderspruch, sondern die Einsicht in die Natur von allem, was lebendig ist: Nichts ist von Dauer. Deshalb lehrt uns Corona eine Tugend, die wir Yogis eigentlich aus dem Stegreif beherrschen sollten: Akzeptanz.

Mein Crashkurs war einfach: alles, was mir Angst machte, durchwinken, durchatmen, weiteratmen. Zu akzeptieren, dass mein Einfluss begrenzt ist und meine Kontrolle versagt, hat mich nicht wütend gemacht, im Gegenteil: Es hat mich dankbar gemacht für alles, was funktioniert, kreativ (wenn auch nicht in der Küche), es hat mich ruhig gemacht, weil so viel wegfiel, auch klarer in Bezug auf das, was ich nicht mehr akzeptieren werde: falsche Worte, Gemeinheiten, Konkurrenz, Egoismus. Dass diese Krise wieder zu Lasten der Armen geht.

Zu akzeptieren, dass das Leben nicht leicht ist, ist ungeheuer befreiend. All die Energie, die wir darauf verschwenden, uns vorzumachen, alles müsse immerzu toll sein, haben wir dann, um uns über schöne Dinge zu freuen (eine Wasserrutsche, die Selbstzerfleischung der AfD, Brot mit Butter). Wir haben sie auch, um denen unter die Arme zu greifen, deren Leben tatsächlich hart ist.

Zum Beispiel einer kleinen Organisation auf Lesbos Geld zu spenden, die sich im Camp Moria um die Flüchtlinge kümmert.

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