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Selbstfürsorge: Deine oberste Priorität
Ramiz Dedakovic auf Unsplash

Selbstfürsorge: Deine oberste Priorität

Von Saskia Schmitz-Tietgen

Puh – geschafft! Endlich ist das alte Jahr rum, und es wird wieder entspannter. Es gab ja auch jede Menge zu tun: Geschenke besorgen, mit den Kids oder Freunden diverse Weihnachtsmärkte besuchen und natürlich das Weihnachtsfest vorbereiten mit leckerem Essen, einem toll geschmückten Baum und allem Pipapo. Da blieb wirklich nicht viel Zeit für uns selbst.

STOPP!

Das, was uns an Weihnachten so offensichtlich in Auge sticht, machen wir doch das ganze Jahr über nur zu oft: Möglichst alles für andere tun und uns selbst dabei vergessen. Warum Selbstfürsorge unsere oberste Pflicht sein sollte – und zwar das ganze Jahr über – und niemandem geholfen ist, wenn man sich selbst vernachlässigt, erfährst du jetzt.

Warum Selbstfürsorge so wichtig ist

Immer erreichbar sein und immer alles geben – für den Job, die Familie und für Freunde. Das wird inzwischen regelrecht erwartet. Es hört sich auch löblich und ehrenvoll an. Doch bei allen heroischen Ansprüchen an sich selbst zermürbt die Rund-um-die-Uhr-Ansprechbarkeit auf Dauer. Ebenso das aufopferungsvolle Kümmern und sich selbst dabei zu vergessen. 

Wer sich nie Zeit nimmt, um abzuschalten und innezuhalten, fühlt sich möglicherweise nicht nur gestresst und überfordert, er läuft auch Gefahr, im Burn-out zu landen. Auch sich selbst immer hintanzustellen und das Wohl anderer vor das eigene zu stellen, tut auf Dauer nicht gut. Denn nur, wer auf sich selbst achtet und gut für sich sorgt, hat langfristig die mentale und körperliche Power, auch für andere da zu sein. 

Dabei fällt es vielen von uns richtig schwer, sich um sich selbst zu kümmern. Es scheint, als wäre Selbstfürsorge ein unangemessener Luxus, den man sich unverschämterweise gönnt. Da wird mit laufender Nase und keuchendem Husten ins Büro gegangen, obwohl Bettruhe besser wäre. Oder man sorgt dafür, dass das Zuhause trotz Familienchaos stets blitzt und blinkt, übernimmt wie selbstverständlich die Geburtstagsorga und und und, obwohl man schon gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht.

Dabei ist niemandem mit dieser falsch verstandenen Aufopferung gedient. Die Kollegen sind genervt, wenn sie sich anstecken und plötzlich selbst flachliegen. Kinder haben mehr von einer/m entspannten Mutter/Vater, die/der für sie da ist, als von einem auf Hochglanz geputzten Fußboden. Und beim Geburtstag ist den meisten ein nettes und gemütliches Miteinander lieber als ein großes Geschenk. 

Wie im Yoga, so im Alltag

Es gibt ein gutes Beispiel, das im Yogaunterricht gern genommen wird, um zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, sich um sich selbst zu kümmern. Dabei geht es ums Fliegen: Hier heißt es, dass man sich im Notfall erst einmal selbst die Sauerstoffmaske überziehen soll, bevor wir es bei denen tun, die auf Hilfe angewiesen sind. Denn schmieren wir, die Kraft haben, als Erstes ab, können wir denen, die auf Hilfe angewiesen sind, auch nicht mehr helfen. Für alle Beteiligten der schlechteste Ausgang in einer solchen Situation. Selbiges gilt für unseren Alltag: Pfeift man bereits aus dem letzten Loch und ernährt man sich darüber hinaus zum Beispiel auch noch schlecht, nimmt man verordnete Medikamente nicht regelmäßig ein, gönnt man sich keine Pausen, schläft wenig, raucht und trinkt man und lebt auch sonst ungesund, ist das, was man anderen geben kann, schließlich nur noch sehr begrenzt.

In diesem Video führt dich Annika Isterling durch eine Sequenz für mehr Selbstliebe:

Yoga Video Self LoveYogaEasy-Video abspielen

Was mit Selbstfürsorge gemeint ist...

Wer sich hingegen in Selbstfürsorge übt, geht, laut Joachim Küchenhoff (deutsch-schweizerischer Psychiater und Psychoanalytiker) gut mit sich um, achtet auf eigene Bedürfnisse, schätzt Belastungen richtig ein und überfordert sich nicht. Kurz gesagt: Selbstfürsorge bedeutet, gut für sich zu sorgen, sich um sich zu kümmern. Und zwar dauerhaft. Das ist ganz entscheidend! Es geht nicht darum, immer wieder „Brände zu löschen” und nur dann, wenn man schon weit über seine Energiereserven hinaus gegangen ist, kurz innezuhalten und sich eine Mini-Auszeit zu nehmen.

Natürlich sind ein Spa-Tag oder ein Wochenende an der Ostsee schön. Doch mit echter Selbstfürsorge ist im Grunde etwas anderes gemeint. Nämlich, sich tagtäglich um sich selbst zu kümmern, eine nachhaltig positive und liebevolle Beziehung zu sich zu entwickeln und seine Kraft und Grenzen zu erkennen und zu respektieren.  

... und was nicht

Sich selbst wichtig zu sein und mit seinen Kräften gut hauszuhalten, bedeutet aber nicht, plötzlich zum Super-Egozentriker zu werden, der keinerlei Empathievermögen mehr besitzt. Die weinende Freundin am Telefon abzuwürgen, weil sie gerade bei der Mediation gestört hat oder lieber zur Yogastunde zu gehen, als der Schwester beim Umzug zu helfen, kann falsch verstandene Selbstfürsorge sein. Es wird immer mal wieder Situationen geben, bei denen wir unsere Grenzen, physisch oder psychisch, überschreiten – wir zu spät ins Bett gehen oder vergessen, regelmäßig und gesund zu essen, uns mit Dingen beschäftigen, die uns gerade nicht interessieren oder uns nerven. Einfach, weil wir soziale Wesen sind, die mit anderen Menschen im Austausch stehen. Stoßen wir unseren Mitmenschen regelmäßig vor den Kopf, weil wir denken „Jetzt erst mal und nur noch ICH” und vernachlässigen wir ständig unsere sozialen Kontakte, kann das sogar als schlechte Selbstfürsorge betrachtet werden. Denn Einsamkeit kann krank machen. 

Es geht also wie immer um die berühmte Mitte, in der man sich am besten einpendeln sollte. Klar, Grenzen können mal überschritten werden, aber es sollte bei Ausnahmen bleiben und nicht zur Regelmäßigkeit werden. 


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Wie geht das denn nun mit dieser „Selbstfürsorge”?

So seltsam es sich anhören mag: Auch wenn wir wissen, wie wir anderen helfen können und was ihnen guttun könnte, fehlt uns häufig der Bezug zu unseren eigenen Bedürfnissen und Notwendigkeiten. Oft haben wir keinen Blick für das eigene dauerhafte Wohlergehen und wissen nicht, wo wir bei uns selbst anfangen sollen. Hier kann es sinnvoll sein, ganz pragmatisch heranzugehen. 

Zum einen können wir schauen, was wirklich wichtig für uns ist – was hat Bedeutung und in welchen Bereichen ergibt es Sinn, viel zu geben, und wann reiben wir uns für relativ unwichtige Dinge im Alltag auf? Ein tolles Beispiel hierfür ist die Geschichte um einen Professor. Dieser wollte seinen Studenten verdeutlichen, dass es wichtig ist, sich nicht mit Unwichtigem aufzuhalten. Dafür nahm er ein Glas, befüllte es mit dicken Steinen und fragte seine Studenten „Ist das Glas voll?”. Die Studenten nickten. Dann fügte er kleinere Kiesel hinzu und fragte erneut: „Ist das Glas jetzt voll?” Die Studenten nickten wieder. Schließlich füllte er noch Sand in das Glas, der in jeden kleinsten Winkel zwischen den Steinen sickerte und stellte erneut die Frage, die natürlich bejaht wurde.

Dann sagte er sinngemäß: „Betachten Sie dieses Glas wie Ihr Leben. Die großen, dicken Steine stehen hierbei für die wichtigen Dinge in Ihrem Leben – Familie, Kinder, Freunde, Träume, Gesundheit. Die Kieselsteine wiederum sind die Dinge, die auch eine Bedeutung für Sie haben, aber eben deutlich weniger – zum Beispiel Ihr Job, Ihre Hobbys, Ihre Wohnung usw. Und der Sand steht für die Abertausenden kleinen Nebensächlichkeiten, mit denen Sie sich tagtäglich beschäftigen. Würden Sie nun den Sand zuerst in dieses Glas schütten, bliebe kein Platz mehr für die großen Steine. Füllen Sie Ihr Leben hauptsächlich mit unwichtigen Dingen, bleibt schließlich kein Platz/keine Zeit für das, was wirklich Bedeutung hat.” Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Möchten wir gut für uns selbst sorgen, sollten wir schauen, wohin unsere Energie tagtäglich fließt und wie das Verhältnis von „Sand” und „Steinen” in unserem Leben ist.

Zum anderen können wir uns bewusst zu machen, wie und womit wir uns im Alltag selbst versorgen – innen wie außen. Heißt: Wie gestalten und pflegen wir unseren Raum, der uns umgibt – zum Beispiel unseren Wohnort, unseren Arbeitsplatz, unsere sozialen Beziehungen/Freundschaften? Und wie versorgen wir unser Inneres – zum Beispiel: Wie ernähren wir uns, mit welchen Informationen füttern wir uns, wie gehen wir mit unserer physischen und psychischen Gesundheit um und welche Glaubenssätze haben wir verinnerlicht?

5 Beispiele für unseren äußeren Raum

  1. Wie sieht der äußere Raum im wortwörtlichen Sinne aus – unsere Wohnung? Oft spiegelt sich nämlich unser Seelenleben in unserem äußeren Umfeld wider und umgekehrt. Ist die eigene Wohnung zugestellt mit unnützen Dingen? Werden Dinge gehortet, die nicht mehr benutzt werden, bloß weil sie ja „noch gut” sind oder man nicht weiß, wohin mit ihnen? Dann kann es Zeit sein, einmal ordentlich zu entrümpeln. Denn durch ein klares, strukturiertes Äußeres kann sich auch das Innere ordnen, Klarheit und Ruhe entstehen und Raum geschaffen werden für eigene Bedürfnisse und Wünsche. Marie Kondos Aufräumstrategie mag zwar inzwischen ein alter Hut sein, aber hilfreich ist sie allemal. So kann es ein Anfang sein, zu schauen, in welcher Beziehung man zu den einzelnen Gegenständen steht – machen sie (noch) glücklich oder blockieren sie uns? 
  2. Auch ein Blick auf unsere Tagesstruktur kann sinnvoll sein. Hetzt man zum Beispiel stets von einem Termin zum nächsten und hat man das Gefühl, die Zeit rennt einem davon? Dann können wir schauen, wann und wie man in den Tag startet. Würde es zum Beispiel entlasten, morgens bewusst etwas früher aufzustehen und den Tag in Ruhe zu beginnen, anstatt sich noch zwei- oder dreimal im Bett umzudrehen und dann in Zeitnot zu geraten? Oder kann der  Terminkalender entzerrt werden, die Termine besser verteilt werden und Aufgaben an andere Personen, zum Beispiel Partner oder Kollege, übergeben werden? Wobei man beim nächsten Punkt wäre: 
  3. Wie nehmen wir uns und andere in die Pflicht? Übernehmen wir aus Gewohnheit, weil es schneller geht, weil man niemanden unnötig belasten will oder weil wir es einfach augenscheinlich besser können, alle Aufgaben im Job oder Familie selbst? Warum fällt es so schwer abzugeben, und könnte man dies nicht bewusst ändern?
  4. Hat man ständig das Gefühl, irgendjemand will etwas von einem? Dann kann man checken, wie man sich seiner Umwelt zur Verfügung stellt. Klar: Die Kids brauchen etwas zu Essen und wollen versorgt werden. Aber muss auch schon die erste Job-E-Mail im Bett beantwortet werden oder reicht es nicht, erst im Büro das E-Mail-Postfach zu öffnen?
  5. Und wie sieht das Verhältnis von Arbeit und Freizeit aus? Wird bewusst Zeit für Freunde eingeplant oder werden Verabredungen regelmäßig gecancelt, weil man so geschafft ist von der anstrengenden Arbeitswoche? Dann sollte man sich bewusst machen, dass das Pflegen von sozialen Kontakten einen genauso großen Stellenwert haben sollte wie Jobtermine. Sich auszutauschen und mitzuteilen ist für unser Wohlergehen unerlässlich und trägt zu unserer psychischen Gesundheit maßgeblich bei. Ein Treffen mit der Freundin auf einen Tee sollte in Zukunft als genauso verbindlich gesehen werden wie ein Businesstermin.

4 Beispiele für unseren inneren Raum

  1. Wie und womit versorgen wir unseren inneren Raum? Heißt: Was verleiben wir uns in Form von Nahrung ein? Stopfen wir uns täglich mit Fast Food in der Mittagspause voll und das am besten noch am Rechner? Dann wäre zu überlegen, ob man bei der nächsten Koch-Session zu Hause nicht einfach mal etwas mehr kocht, sodass man es am nächsten Tag mit ins Büro nehmen könnte. Dann würde man zumindest schon mal etwas Gesünderes essen. Und vielleicht schaut man auch, ob es notwendig ist, am Rechner zu essen. Ist man wirklich effizienter, wenn man mit der Nudel im Mundwinkel die Flyer von Kunde xy gestaltet oder wäre eine Pause für beide nicht sinnvoller? 
  2. Womit versorgen wir uns mental? Ziehen wir uns tagtäglich von morgens bis abends alle möglichen (negativen) News rein? Nicht, dass es nicht wichtig wäre, was in der Welt geschieht, aber müssen wir pausenlos die Nachrichtenwelt checken, bloß weil wir immer online sind? Reicht es nicht, sich ein- oder zweimal am Tag zu informieren? 
  3. Und wie sorgen wir für Ausgleich zum möglicherweise stressigen Job? Ist Trash-TV in Dauerschleife wirklich das Nonplusultra? 
  4. Welche Glaubenssätze haben wir verinnerlicht und könnten überprüft werden, weil sie uns eher lähmen, anstatt uns weiterzubringen? Wie gehen wir mit unserer Gesundheit um – nehmen Vorsorgetermine wirklich ernst/wahr? Leben wir nach unseren moralischen Werten oder kommen wir ihnen immer wieder in die Quere?

Diese Listen könnten beliebig ergänzt und erweitert werden. Wichtig ist, damit zu anzufangen, allmählich aber konsequent ein Bewusstsein für das Thema Selbstfürsorge zu schaffen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, unseren Alltag systematisch hinsichtlich unseres Wohlergehens zu überprüfen und ggf. Veränderungen vorzunehmen.

Du selbst, genauso wie jeder andere im ganzen Universum, verdient deine Liebe und Zuneigung. 

Buddha


Achtung: Aufgeführte Tipps ersetzen nicht die Diagnose und Behandlung durch einen Arzt oder Psychologen, sondern können als mögliche Ergänzung betrachtet werden. 

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