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Aku-Yoga: Schüchternheit und Scham besiegen

Von Dr. Maria Wolke

Laotse

Nur derjenige, der an den Leiden leidet, wird von den Leiden befreit.

Das Zitat des Taoisten Laotse bringt deutlich zum Ausdruck, dass nur derjenige, der sich wirklich vom Leiden befreien möchte, seinem Leid ein Ende bereiten kann, und zwar in erster Linie dadurch, dass es zugelassen und vollständig erlebt wird. Suhlen wir uns in Mitleid oder nutzen unseren Schmerz als Druckmittel, um Aufmerksamkeit zu bekommen, wird sich in unserem Leben nichts verändern. Entschließen wir uns hingegen zum zielgerichteten Handeln, wird es uns früher oder später besser gehen. Den Weg in diese Richtung müssen wir allerdings alleine beschreiten.

Diese Beitragsserie zu den Techniken des Aku-Yoga, schlägt eine alternative und aktive Anleitung vor, wie wir durch das Lösen alteingesessener Energieblockaden, unser Leben und Erleben wieder in eine gesunde Richtung bringen können. In meinem letzten Artikel habe ich umfassend dargestellt, wie die Verknüpfung zweier uralter Disziplinen, der Akupressur und des Yoga, allumfassend helfen kann, das aus der Balance geratene menschliche „System“ wieder „ins Gleichgewicht“ zu bringen. So verhelfen uns sowohl die Übungen des Yoga (Meditation, Pranayama und Asana) als auch die Druckstimulation spezifischer Bereiche des Körpers dazu, Blockaden im Energiefluss des Körpers zu lösen und uns kurz- und langfristig besser zu fühlen.

Die Völker Asiens betrachten alles in und um uns herum, als sich gegenseitig beeinflussende Energie „Wie Innen – so Außen“. Ihre antiken Gesundheitssysteme betonen, dass alles verknüpft ist und alles miteinander korrespondiert. Die Verbindung von Yoga und Akupressur bietet daher eine große Chance: Zwei mehrere Tausend Jahre alte, ganzheitliche Systeme, gehen hier auf zwei unterschiedliche Arten das gleiche Problem an und sind so in der Lage tiefsitzende Veränderungen zu bewirken.

Wie wirkt Yoga?

Die mentalen und physischen Übungen des Yoga, gleichen die Funktionen des vegetativen Nervensystems aus. Der bei Stress und Angst daueraktive Sympathikus wird ruhiger und der Körper und Geist entspannter. Der Parasympathikus (der Bereich des vegetativen Nervensystems, der den Sympathikus hemmt) wird gestärkt und führt dazu, dass wir langfristig zufriedener und sowohl körperlich als auch psychisch gesünder werden.

Wie wirkt Akupressur?

Auch Akupressur sorgt für „Ausgleich“. Die Druckstimulation spezifischer Nervenknötchen (nichts mehr oder weniger sind die Akupressurpunkte) löst tiefsitzende innere Blockaden und hinterlässt ebenfalls merkliche Spuren in unserem Körper und in unserem Geist. Tiefsitzende Störungen im Meridianfluss (im Yoga – das Nadisystem genannt), können nach und nach gelöst werden, so dass die Energie ungehindert fließen kann. Der aus China stammenden Theorie der Akupressur und Akupunktur zu Folge, gelangen mittels spezifischer Drucktechniken das „Yang“ (die Überfunktion) und das „Yin“ (die Unterfunktion) im Körper wieder ins Gleichgewicht.

Und auch der Yoga postuliert den Weg der inneren Mitte. Jegliche Extreme gelten folglich in beiden Disziplinen als leiderzeugend und langfristig schädigend. Ist unser inneres Gleichgewicht durcheinander, macht es sich sowohl im Fühlen als auch im Denken und im Verhalten bemerkbar. So können beispielsweise Schüchternheit, Scham, depressive Verstimmungen und/oder Alpträume ein Hinweis darauf sein, dass der regulatorische Meridian Yin und Yang Wei Mo aus der Balance geraten ist.

„Sich besser fühlen“ bedarf einer bewussten Entscheidung zur Handlung. Damit der Körper und der Geist gut funktionieren können und langfristig gesund bleiben, muss jeder für sich einen Weg finden, das subtile innere Gleichgewicht im Körper, im Geist und somit auch automatisch im Energiefluss des Körpers wiederherzustellen. Wie oft sagen wir „Ich bin grade nicht in meiner Mitte“ oder „mir steht das Wasser bis zum Hals“. Deutlich spüren wir in solchen Momenten die Dysbalancen, die unser „System“ belasten. Diese unangenehmen psychischen und körperlichen Zustände sind Asiens Ärzten und Heilern zu Folge, ein ernstzunehmendes Zeichen dafür, dass das subtile Zusammenspiel zwischen dem Yin und dem Yang durcheinander geraten ist.

Eine Möglichkeit sich besser zu fühlen, bietet das Aku-Yoga. Sanft und ergiebig bringt es Gleichgewicht in die gestörten Körper- und Energiefunktionen, lindert unterschiedliche Beschwerden und verhilft bei regelmäßiger Praxis, schnell zum spürbaren Erfolg. In diesem Artikel soll nun die Wirkung des Aku-Yoga auf das „Yin und Yang Wei Mo“ – den großen Regulator vorgestellt werden.

Yin und Yang Wei Mo – der große Regulator

Yin und Yang Wei Mo wird zu den 8 regulatorischen Meridianen gezählt. Regulatorisch, da sie der Theorie zu Folge Energie speichern und auf die 12 Organmeridiane einwirken. Im Gegensatz zu den 12 Organmeridianen – die im Aku-Yoga mit Flüssen verglichen werden können, da sie unaufhörlich in Bewegung sind, um die inneren Organe mit Energie zu versorgen – speichern die regulatorischen Meridiane Energie und wirken so entweder hemmend oder aktivierend auf die Funktionen der Organmeridiane ein. Aufgrund dessen werden sie innerhalb der Akupressur mit Seen, also mit konstanten Energiespeichern gleichgesetzt. Folglich kommen die 8 regulatorischen Meridiane immer dann zum Einsatz, wenn das innere Gleichgewicht der Organmeridiane auseinander gerät.

Die wichtigsten Punkte des Aku-Yoga sind sehr machtvoll, da sie genau dort ansetzen, wo sich die Leitbahnen der regulatorischen und der Organmeridiane kreuzen. Der Yin und Yang Wei Mo beeinflusst ALLE Funktionen unseres Körpers. Er harmonisiert das Yin und das Yang der Organmeridiane, und gewährleistet, dass die zum Überleben notwendige Energie ungehindert und gleichmäßig fließen kann

Verlauf des Wei Mo im Körper

Der Yin und Yang Wei Mo verläuft beidseitig von der Stirn abwärts, über die Schläfen, durch den Ober- und Unterkiefer und trifft sich im Hals- und Rachenbereich. Am Schlüsselbein teilt er sich wieder in 2 Abzweigungen, die über den Brustbereich, die Brustwarzen, Rippen, den Abdomen und die Leistengegend an den Innenseiten der Ober- und Unterschenkel nach unten verlaufen. Am Knöchel ist der Meridian am Fußäußeren lokalisiert und steigt an den Außenseiten der Beine wieder auf. Er fließt zu den Hüften, dem Rücken, über den äußeren Armbereich bis zur Mittelfingerspitze. Über die Arminnenseiten steigt er wieder auf und verbindet sich mit der Hauptleitbahn. Ein weiterer Strang dieses Meridians verläuft über die Außenseite des Oberarms, über die Schultern, den Nacken, hoch zum Kopf und zurück zur Stirn. Das Yin wird hier durch die Vorderseite, das Yang durch die Rückseite des Meridians repräsentiert.

Asiens Theorien betonen immer wieder, dass das innere Gleichgewicht nur dann als solches erreicht werden kann, wenn sowohl die Yin-Energie als auch die Yang-Energie gleichmäßig und ungehindert fließen kann. So auch im Aku-Yoga: Ist der Energiefluss im Yin und Yang Wei Mo gestört, klagen Betroffene über körperliche und psychische Leiden wie:

  • Schmerzen im Herz- und Bauchbereich
  • Nervosität
  • Schüchternheit
  • Angst und Furcht
  • Depressionen
  • Alpträume

Yin Wei Mo – der Energieversorger

Der Yin Wei Mo gilt als „Energieversorger“. Er steuert indirekt die Funktionen des Herzens, des Brustbereiches und des Verdauungstraktes. Ist seine Funktion gestört, leiden Betroffene unter:

  • Nervosität
  • Verdauungsbeschwerden
  • Schüchternheit
  • Brust- und abdominalen Schmerzen,
  • Problemen mit dem Gedächtnis bis hin zur Amnesie (Gedächtnisschwund)

Yang Wei Mo – Energiebeschleuniger

Yang Wei Mo beschleunigt den Energiefluss. Störungen in diesem Bereich äußern sich in:

  • innerer Kälte
  • Arthritis in den Zehen
  • kaltem Schweiß
  • Ohrenschmerzen
  • einem andauerndem Kältegefühl bzw. Erkältung
  • Tinnitus
  • Zahnschmerzen

Was aber können wir tun, wenn wir an uns selbst feststellen, dass offensichtlich „irgendetwas“ nicht stimmt? Der Aku-Yoga weiß Antwort..

Aku-Yoga bei Störungen im Yin und Yang Wei Mo

Die Übungen des Aku-Yoga sind einfach und leicht erlernbar. Unabhängig deiner körperlichen Konstitution, wirst du dich problemlos reinarbeiten und bei regelmäßiger Praxis schnelle Erfolge spüren. So zumindest erging es mir zu Beginn meiner Praxis, und seitdem bei jedem Bedarf, wenn ich mal wieder spüre, dass irgendetwas „blockt“.

1. Sukhasana – Variation: der gebeugte Schneidersitz

Diese Übung wird im Aku-Yoga praktiziert, um den Geist zu klären und innere „Unklarheiten zu beheben. Ist unser Inneres zerrissen, wird jegliche Problemlösung verhindert. Diese Aku-Yoga Asana soll, bei regelmäßiger Praxis helfen, wirre Gedanken zu sortieren, (Ent-) Täuschungen wahrzunehmen und zur inneren „Klarsicht“ führen.

Woran erkenne ich, dass ich den richtigen Punkt gefunden habe?

Da sich die einzelnen Akupressur Punkte dort befinden, wo auch die Nervenbahnen des Körpers verlaufen, wirst du schnell und deutlich merken, ob du mit deiner Fingerposition richtig liegst. Es fühlt sich einfach „anders“ an, unangenehmer und wesentlich drucksensibeler, als die angrenzenden Körperstellen. Bitte beachte lediglich sanft zu drücken, so dass keine Schmerzen während der Übungsausführung verursacht werden.

Anleitung:

  1. Komme in die von dir bevorzugte Schneideritzvariation. Wenn nötig nimm gerne ein (Sitz)- Kissen zu Hilfe, so dass du über einige Zeit in dieser Position verbleiben kannst. Bist du in deiner Yogapraxis schon sehr fortgeschritten, kannst du auch im halben bzw. ganzem Lotus üben.
  2. Achte bitte immer auf einen graden Rücken und einen entspannten Schulter-/Nackenbereich
    • Anmerkung: Eine grade Wirbelsäule ist sowohl für die Praxis von Yoga, als auch für die Akupressur von großer Bedeutung, denn dort verlaufen, den asiatischen Theorien zu Folge, sowohl die Shushumna (die feinstofliche Wirbelsäule) als auch alle Hauptmeridiane des Körpers. Und auch die westliche Medizin beweist: Alle wesentlichen, die Körperfunktionen steuernden Nervenbahnen des Körpers, verlaufen durch die Wirbelsäule. Das ist auch der Grund, warum sich psychische Probleme in Rücken- und anderen Schmerzen manifestieren können.
      Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AChinese_meridians.JPG
  3. Platziere nun deine Zeigefinger beidseitig an der knochigen Erhebung, mittig über den Augenbrauen. Wie alle anderen Akupressur Punkte, zeichnet sich auch dieser Punkt durch eine erhöhte Druckempfindlichkeit aus, weshalb du darauf achten solltest, ihn lediglich sanft zu massieren. Dieser Bereich, soll die Fähigkeit zur Emotionsregulation stärken und emotionale Leiden lindern.
  4. Führe nun deine beiden Daumen an die untere Hälfte des Gesichts und bringe sie genau an die Stelle, an der der Kiefermuskel verläuft.
  5. Atme nun durch die Nase ein und bringe mit dem Ausatmen deinen Oberkörper nach vorne. Platziere deine Ellbogen dabei auf den Innenseiten deiner Oberschenkel, etwas unterhalb des Kniegelenkes. Dieser Akupressurpunkt wird auch als der „wunde Punkt“ bezeichnet, da er Schwellungen, Krämpfen und Schmerzen im Kniebereich entgegen wirken soll.
  6. Entspanne dich mindestens eine Minute lang in dieser Position, entlaste den Kopf- und den Nackenbereich und Atme tief und regelmäßig durch die Nase in den Unterbauch ein und aus. Die Atmung im Aku-Yoga ist eine reine Nasenatmung, so dass zusätzlich der parasympathische Pfad des vegetativen Nervensystems aktiviert werden kann.
  7. Löse die Übung mit dem Einatmen auf und spüre mit geschlossenen Augen der Wirkung nach, die diese Aku-Yoga Stellung in deinem Körper und in deinem Geist hinterlassen hat.

2. Vajrasana – Fersensitz in der „Hand aufs Herz Stellung“ - Variation

Anleitung:

  1. Setze dich entspannt auf deine Fersen und komme in die Yogaposition Fersensitz – Vajrasana. Achte auch jetzt wieder auf einen graden Rücken und auf einen entspannten Schulter-/Nackenbereich.
  2. Kreuze deine Arme vor der Herzgegend und lege deine Hände an die Außenseiten deiner Oberarme
  3. Suche nun mit dem Mittelfinger den Akupressurpunkt, der sich direkt unterhalb des Deltamuskels, am äußeren Bereich des Oberarms befindet. Dieser Punkt ist sehr druckempfindlich und lässt sich daher sehr leicht erspüren.
  4. Atme tief durch die Nase ein und strecke deine Wirbelsäule durch.
  5. Beuge mit der nächsten Ausatmung deinen Oberkörper vornüber und lege, wenn es dir möglich ist, deine Stirn auf dem Boden ab. Deine Arme bleiben auch in der Vorwärtsbeuge weiterhin vor deiner Brust gekreuzt. Der Druck, den diese Position auf die Handgelenke ausübt, aktiviert automatisch die Hauptakupressurpunkte des Yin und Yang Wei Mo – den dreifachen Erwärmer und Herzbeutel. Der Tripple Warmer befindet sich auf der Außenseite des Handgelenks, das Pericardium hingegen auf seiner Innenseite.
    • Anmerkung: Ist es dir nicht möglich, deine Stirn entspannt auf dem Boden abzulegen, ist es dir natürlich freigestellt Hilfsmittel, z.B. einen Yogablock zu verwenden, um deinen Hals- und Nackenberiech zu entlasten. Bedenke, dass auch im Aku-Yoga jede Asana als eine Position der Meditation betrachtet werden soll und die Ausführung weder Schmerzen noch sonstige unangenehme körperliche Empfindungen auslösen darf.
  6. Verbleibe nun mindestens eine Minute lang in dieser Position – atme tief und regelmäßig in deinen Bauchbereich ein und aus, und versuche dir als Hilfestellung vorzustellen, wie die Energie durch deinen Körper strömt.
  7. Mit dem Einatmen komme zurück in den Fersensitz und spüre einen Augenblick die Wirkung dieser Übung nach.
  8. Wechsel nun die Position der Arme: Lag im ersten Durchlauf dein rechter Arm auf der Brust und der linke Unterarm darüber, befindet sich nun der linke Unterarm auf der Brust und der rechte darüber.
  9. Wiederhole diese Übung mit dieser Handposition und entspanne anschließend einen Augenblick.

 

3. Dhanurasana – der Bogen

  1. Lege dich entspannt auf deinen Bauch und lege deinen Kopf für einen Augenblick auf die gekreuzten Unterarme. Verbleibe einen Augenblick in dieser Position und entspanne deinen Körper.
  2. Beuge nun mit dem Ausatmen deine Beine und bringe deine Hände zu den Füßen.
  3. Dein Kopf liegt weiterhin entspannt auf der Matte.
  4. Ertaste mit dem Mittelfinger die Innenseite deines Fußes, bis du den Punkt „Milz 4“ gefunden hast.
  5. Deine Handinnenflächen befinden sich auf dem Fußrücken, deine Daumen zeigen in Richtung Fersen.
  6. Hebe mit dem nächsten Einatmen deine Brust und deinen Kopf vom Boden ab. Dein Mittelfinger befindet sich weiterhin auf dem Punkt. Achte in dieser Übung darauf, deinen Halsbereich nicht zu überstrecken und verbleibe einen Augenblick im gewöhnlichen Dhanurasana.
  7. Komme mit dem nächsten Ausatmen durch ein sachtes „nach vorne Schaukeln“ mit deiner Brust Richtung Boden. Achte darauf, den Mittelfinger nicht vom Punkt zu lösen.
  8. Atme ein und ziehe dich an den Füßen zurück.
  9. Bewege nun mit jedem Ausatmen deinen Körper vor und mit jedem Einatmen wieder zurück.
  10. Verbleibe die kommenden 15 Sekunden in dieser sachten Schaukelbewegung und entlaste deinen Rücken anschließend in Balasana – der Kindhaltung.
  11. Entspanne anschließend so lange, wie du es brauchst, mit neben dem Körper liegenden Armen, in der Bauchlage. Atme tief und bewusst durch die Nase in deinen Bauch ein und aus und lasse vollkommen los.

4. Abschlußmeditiation im Savasana.

Um die Wirkung des Aku-Yoga auf den Körper und den Geist zu maximieren, verbleibe im Anschluss an die Praxis weitere 10 Minuten ruhig und entspannt im Savasana – der Todenstellung. In dieser Asana ist die Wirbelsäule, die Hauptenergieleitbahn des Körpers, grade und entspannt, so dass die „gestaute“ Energie wieder in den Fluss kommt und die energetischen Dysbalancen im Yin und Yang Wei Mo ausgiebig ausgegleichen werden können.