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Rolle rückwärts: Wie du dich am besten aufrichtest
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Rolle rückwärts: Wie du dich am besten aufrichtest

Von Kristin Rübesamen

Es hat schon etwas Seltsames, sich aufzurollen, um von der Vorbeuge zum Stehen zu kommen, etwas Befremdliches, aber das stört uns ja auch nicht beim Online-Dating oder wenn wir einen schottischen Gesellschaftstanz einstudieren. Sich aufzuspulen, „Wirbel für Wirbel“, als sei man eine Rolle Garn, vermittelt einem ein wenig das Gefühl, Ordnung herzustellen, einer Gesetzmäßigkeit zu folgen. Wie oft ich so selbst aus einer stehenden Vorbeuge als lebendes Nähgarn zum Stehen kam, kann ich nicht sagen, sicher mehrere tausend Male. Ich habe es auch so unterrichtet, längst nicht so oft, aber doch gelegentlich, immer in dem Gefühl, damit den Schülern hoffentlich etwas Gutes zu tun, auch mit einer sentimentalen Verbeugung von Modern Dance-Lehrern wie Martha Graham. Nun aber habe ich gelesen, dass es keine gesunde Bewegung ist, weil sie nicht funktionell ist.

Was ist funktionelles Training?

Funktionelles Training wurde in Deutschland richtig bekannt, seit Jürgen Klinsmann mit dem amerikanischen Fitnesstrainer Mark Verstegen die deutsche Nationalmannschaft auf die WM 2006 vorbereitete,- als wichtiger Teil von Verletzungsprävention, Leistungssteigerung, Rumpfstabilität, Koordination und Ökonomisierung von Bewegungen. Was bedeuten aber nun alle diese angeberischen zusammengesetzten Substantive genau für diejenigen von uns, die nicht in der Nationalmannschaft trainieren:

Eine funktionelle Bewegung ist, wenn du eine hohe Stufe erklimmen musst, aus dem Schuhregal die hintersten Paar Gummistiefel ziehst, Ostereier schräg oben in einer Astgabel zu verstecken versuchst. Wenn du dich mehr oder weniger graziös neben deiner alten Liebe auf den Boden sinken lässt, einen schweren Einkaufsbeutel, der zu reißen droht, nach Hause trägst, ihr versteht schon, was ich meine: Alltagsbewegungen eben. Funktionelles Training bereitet dich für diese Bewegung vor.

Roll up ist gefährlich

Wenn du tatsächlich Tänzerin bist, dann hast du sicher starke Bauchmuskeln, weißt du, dass du deine Beine leicht gebeugt halten solltest, um deinen Rücken zu schonen und zelebrierst diese Art des „Roll ups“ als ein ästhetisches Statement. Und aller Wahrscheinlichkeit nach wird nichts passieren. Wenn du allerdings keine starke Mitte hast, am Ende sogar einen angeschlagenen Rücken, kann dir diese Bewegung richtig Probleme bereiten. Jeder kennt die Ermahnungen, die man uns erzählt, wenn es darum geht, wie wir eine schwere Last heben sollen. Genau: tief in die Knie, und von der Hüfte aus beugen. Hast du schon jemals einen schweren Sack nach oben rollend in das Gepäckfach im Flugzeug gewuchtet? Eben. Während einen in einem solchen Fall das Gewicht davon abhält, sich langsam aufzurollen und dabei einen Hexenschuss zu riskieren, sagen die Befürworter des funktionellen Trainings, man solle gar nicht erst eine in ihren Augen unsinnige Bewegung einüben, auch nicht im Yoga, sondern nur eine, die uns auch im Alltag hilft.

Alternative zum Aufrollen

Die Alternative zum Aufrollen (zuletzt so ähnlich , wenn ich mich recht erinnere, von Barbra Noh unterrichtet bei der diesjährigen Kölner Yogakonferenz) ist einfach: von Uttanasana, der Vorbeuge, die Knie leicht und auch stärker beugen, die Hände zu den Hüften und mit engagierter Mitte und neutralem Rücken nach oben kommen. Engagierte Mitte heißt leichte Spannung im Bauch halten und neutraler Rücken heißt langer Rücken in seiner natürlichen Kurvigkeit. Die Füße stellt man dabei lieber hüftgelenksbreit als eng zusammen.

Funktionell oder frei

Ich bin noch nicht sicher, ob wir uns immer funktionell bewegen sollten, oder ob es auch andere Aspekte gibt für unsere Praxis, ob es nicht auch schön ist, wenn wir uns manchmal ohne Nachdenken, impulsiv und frei bewegen, aber lasst uns einfach mal alle eine Zeitlang mit gebeugten Knien und langem Rücken von der Vorbeuge nach oben ins Stehen kommen, und schauen, wie uns das bekommt.

Einwände, Ergänzungen, Kommentare? Wie immer herzlich willkommen.

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