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Bildquelle: shutterstock.com

Hochsensibel? Wie Yoga dich unterstützen kann

Von Monika A. Pohl

Die Welt wird zunehmend bunter. Nicht nur, weil wir sie heute mit anderen Augen sehen, als noch vor 20 oder sogar zehn Jahren, sondern auch weil wir dank der Forschung viele neue Erkenntnisse gewonnen haben und heute offener denn je darüber sprechen und schreiben können. Dies gilt auch für das Thema Hochsensibilität. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung und wer gehört tatsächlich dazu?

Was bedeutet „hochsensibel”?

Über unsere Sinne nehmen wir ununterbrochen Informationen auf, verarbeiten diese und leiten daraus die Wahrheit für unsere innere und äußere Welt ab. Heute weiß man, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen ihre Umgebung besonders intensiv wahrnehmen und dadurch einen ausgeprägten Blick für Details haben. Die amerikanische Psychologin Elaine N. Aron, die in den 1990ern den Begriff Hochsensibilität geprägt und die ersten Veröffentlichungen zu diesem Thema in Umlauf gebracht hat, nennt hochsensible Menschen Highly Sensitive Persons, kurz HSP.  Dabei gibt es nicht die eine HSP- Persönlichkeit, denn ihre Besonderheiten sind vielfältig. Manche haben einen ausgeprägten Geruchs- und Geschmackssinn, andere wiederum hören und sehen intensiver als normalsensible Menschen und/oder sie sind in ihrem Fühlen wesentlich feinfühliger. 

Hochsensible Menschen sind anfällig für Stress

Was sich auf den ersten Blick als Vorteil anhört, und tatsächlich auch eine besondere Gabe ist, kann bei genauer Betrachtung von dem Betroffenen in vielen Situationen des Alltags als schwierig oder herausfordernd erlebt werden. Denn unsere Außenwelt ist laut, komplex und hektisch. Wer sie durch seine Reizoffenheit noch lauter, komplexer und hektischer erlebt als der Durchschnitt, hat oft mit ihr zu kämpfen. Enge und unangenehme Gerüche in der überfüllten Bahn auf dem Weg zur Arbeit, laute oder immer wiederkehrende schrille Geräusche der Stadt, die nicht nur in den Ohren, sondern auch im Kopf schmerzen, grelle Farben, anstrengende Formen und Muster - all das kann bei hochsensiblen Menschen enormen Stress verursachen. Gleichzeitig verspricht diese Art der Wahrnehmung im anderen Kontext, etwa bei einem Spaziergang in der Natur oder einer leckeren Mahlzeit, einen besonderen Genuss, allerdings nur, wenn sie selbstbestimmt gewählt und wohl dosiert wird. Auch die Wahrnehmung von Stress ist bei HSPs eine andere: Neben der schnellen Reizüberflutung werden sie häufig in ihrer Sensibilität von der Umwelt nicht wahrgenommen oder sogar belächelt, so dass sie dadurch noch mehr unter Druck geraten. Sie sind ausgesprochen empathisch, jedoch häufig mit den anderen und selten mit sich selbst. Darüber hinaus sind sie sehr kreativ und stets auf der Suche nach einer Tätigkeit, die sie mit Sinn erfüllt.


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Wie Yoga hochsensiblen Menschen helfen kann

 

Achtsamkeit und Ruhe

In welcher Weise kann Yoga den Alltag hochsensibler Menschen bereichern und sie in ihrer Konstitution positiv unterstützen? Yoga entschleunigt und schafft einen Raum, in dem wir so sein dürfen, wie wir sind. Wir können der Reizüberflutung der Außenwelt entfliehen und zur Ruhe kommen. In der Achtsamkeit des Moments werden uns unsere Gefühle und unsere Gedanken bewusst und wir beginnen, uns mit dem, was uns bewegt, auseinanderzusetzen. Für hochsensible Menschen ist Yoga ein wunderbarer Übungsweg, der ihnen noch mehr als den normal Sensiblen erlaubt, ihre Batterien wieder aufzutanken, um aus der Überforderung in den Normalzustand zu kommen. HSPs brauchen Möglichkeiten des Rückzugs und Auszeiten deutlich mehr als andere und Yoga eignet sich dafür sehr gut. Während des Übens können sie bei sich sein und brauchen sich nicht mit anderen zu vergleichen. Und sie dürfen Kraft aus der eignen Yogapraxis schöpfen und sich Zeit nehmen, die zahlreichen Reize, die sie im Außen erlebt haben, einzusortieren und zu verarbeiten. Im Yoga kommen sie in Kontakt mit ihrer Intuition, was sie dabei unterstützen kann, die Komplexität des Alltags runterzufahren. Welche Yogarichtung sich dazu am besten eignet, bleibt jedem selbst überlassen, denn die eigenen Potentiale und Bedürfnisse sind auch bei HSPs sehr unterschiedlich. Ich empfehle, verschiedene Yogastile auszuprobieren, um so den eigenen Weg zu finden. 

Yoga verbessert die Selbstfürsorge

Mit sich im guten Kontakt zu sein und die eigene Sensibilität als Stärke statt als Schwäche zu begreifen, ist für HSPs ein wichtiger Schlüssel zum Glück. Yoga kann dabei helfen. Auch das Selbstmitgefühl ist eine wichtige Ressource, statt sich zu bemitleiden oder immer nur von den Sorgen und Nöten anderer Menschen erfüllt zu sein. Letzteres ist übrigens eine typische Eigenschaft hochsensibler Menschen, weswegen sie schnell als empathische Zuhörer identifiziert und gerne von anderen zum Abladen emotionalen Ballasts missbraucht werden. Eine selbstempathische Grundhaltung einzuüben hilft, sich vor solchen „Übergriffen“ zu schützen, den eigenen Selbstwert zu stärken und erlaubt, über die Yogapraxis hinaus gut für sich zu sorgen.

Yoga als Begleiter bei der Sinnsuche

Die Sinnsuche ist ein weiterer Aspekt, den die meisten HSPs teilen. Sie streben nach Erfüllung und können Tätigkeiten, die keine positiven Ergebnisse liefern, nichts Sinnvolles abgewinnen. Auch materieller Reichtum und Macht füllen sie in der Regel nicht aus. Um einen Halt im Leben zu finden, sind sie auf der Suche nach Lebenstiefe. Viele finden diese im Yoga, weil dieser durch die achtsame Haltung, die dabei eingenommen wird, es ihnen erlaubt, die eigenen Werte und Ziel zu überprüfen und herauszufinden, was für einen selbst im Leben wirklich zählt. 

Hochsensible Yogalehrer 

Meiner Erfahrung nach tendieren weitaus mehr als 20 Prozent der Yogalehrer/innen und Yogapraktizierenden zur Hochsensibilität, die meisten ohne sich der Tatsache bewusst zu sein. Das erlebe ich in meinen Aus- und Fortbildungen immer wieder und freue mich, diese Teilnehmer ein Stück des Weges zu begleiten. Daher möchte ich euch dazu einladen, genauer hinzuschauen, denn häufig ist diese Erkenntnis eine „Kronleuchter-Erfahrung“  - alle Lampen gehen auf einmal an und viele Puzzelteile des Lebens fügen sich plötzlich zusammen. 

Monika A. Pohl leitet die Physioyoga Akademie. Termine für aktuelle Weiterbildungen findest du hier