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Yoga, Corona und die Tiere
Artis Kancs auf Unsplash

Yoga, Corona und die Tiere

Von Kristin Rübesamen

Vor etwas über einem Jahr landete ich während einer mehrwöchigen Tour durch Nepal hoch oben in den Bergen in einem Hotel, das „Little Tibet House“ hieß. Während des nicht enden wollenden, steilen Anstiegs wurde das Quartier vor unserem inneren Auge zum Paradies. Milde Buddhisten, Milchtee, süße kleine Mönche, mit denen wir spielen würden. Als wir endlich ankamen, lag in der armseligen Pension ein Mann bäuchlings auf einem Stück Schaumstoff vor unserem Zimmer. Der Besitzer, ein gebrochener Mann und Alkoholiker, trauerte den Jahren in New York nach, in denen er für sechs Dollar die Stunde bei „Subway“ gearbeitet hatte. Er konnte sich nicht lösen von seinem amerikanischen Traum, auch wenn der längst zum Alptraum geworden war. Ob ich deshalb so oft an ihn denken muss in diesen Tagen, weil wir viele der neuen Erfahrungen, die wir gerade machen, auch nicht freiwillig gewählt haben?

Wie geht’s dir? Ist deine Welt im Hausarrest zusammengeschrumpft? Lebst du wie in einer Puppenstube? Wird die Welt draußen mit jedem Tag bedrohlicher? Machst du dir Sorgen um die Gesundheit deiner Eltern und Familien und um deine Existenz?

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen

Wie alle denken auch wir bei YogaEasy heftig über die Folgen der Corona-Pandemie nach, ihre Ausbreitung, den grausamen Verlauf, den die Krankheit vor allen bei den Schwachen und Alten haben kann, und die wirtschaftlichen Kosten, die ihre Eindämmung fordert. Weil wir im Yoga gerne den Dingen auf den Grund gehen und nach dem Ursprung forschen, lasst uns gemeinsam noch mal rekonstruieren, was passiert ist:

Das Coronavirus ist auf Wildtiermärkten entstanden und zählt wie viele der neu auftretenden Infektionskrankheiten, die Menschen betreffen, zu den Zoonosen, also Krankheiten, deren Erreger von Tieren auf Menschen übergehen. Der Erbgut des Virus verrät, ob es auf Fledermäuse, Hunde, Vögel oder Menschen spezialisiert ist. Das Genom des neuen Coronavirus ist bereits sequenziert worden und legt nach, dass es ursprünglich von Fledermäusen und dann über ein Wildtier in Wuhan in der Provinz Hubei in Zentralchina auf den Menschen übertragen wurde. Unter den 99 Patienten hatte die Hälfte nachweislich eine Verbindung zum Markt in Wuhan zum Beispiel als Verkäufer.

Du erinnerst dich sicher an Sars, Mers und Ebola. Zoonotische Erkrankungen dieser Art gibt es immer wieder. Ebola hat sich unter anderem über Affen übertragen, die Epidemie verbreitete sich auch über den Verzehr von Affenfleisch.

Das Coronavirus und Ahimsa, die yogische Gewaltfreiheit

Als Yogis sind uns diese Wildtiermärkte nicht nur als Virenschleuder suspekt, sondern auch als Orte großer Grausamkeit unerträglich. Wir sind Advokaten von Ahimsa, Gewaltverzicht, und plädieren dafür, Tier genau wie alle Lebewesen mit Respekt zu behandeln und nicht zu quälen. Viele von uns ernähren sich genau deshalb vegetarisch oder vegan.

Die nachvollziehbar große Sorge um die Ausbreitung des Virus und die ökonomischen Konsequenzen des Lockdowns lenken den Blick ab von diesem Unrecht, das den Tieren angetan wird und für uns Menschen fatale Folgen haben kann, so wie wir es jetzt gerade erleben müssen.

Zu behaupten, das Virus sei eine Erfindung von Regierungen und in Laboren gezüchtet, lenkt den Blick von diesem Unrecht, das den Tieren angetan wird und für uns Menschen fatale Folgen haben kann, wie wir es gerade erleben.

Es bedarf Mut, sich mit unangenehmen Wahrheiten auseinanderzusetzen. Es bedarf Mut, sich einfachen Wahrheiten zu verweigern, wie sie jetzt Verschwörungstheoretiker überall verbreiten und damit das Vertrauen in unsere Rechtsstaatlichkeit zerstören. Wir Yogis sind prädestiniert dafür, genau hinzusehen, nachzufragen, uns nichts vormachen zu lassen. Unser Weg liegt vor uns, friedlich, klar, darauf ausgerichtet, alle Lebewesen zu vereinen und nicht zu spalten.

Tiere, ob wild oder nicht, sollten weder auf Märkten noch in Massentierhaltung gequält werden. Das ist Unrecht und tut auch uns, wie wir gerade am eigenen Leib erfahren müssen, nicht gut.

Der Besitzer des „Little Tibet House“ in Nepal kam nicht klar mit der Gegenwart und der ungemütlichen Wahrheit, dass sein Traum von einem besseren Leben in Amerika geplatzt war und er in seinem bettelarmen Elternhaus von vorn anfangen musste. Wir, seine Gäste, die wir vom köstlichen tibetischen Tsampa und dem angekündigten „Rooftop Yoga“ fantasiert haben, haben uns nach dem ersten Schock einen Besen ausgeliehen und selbst ein bisschen saubergemacht. An den Tagen, an denen der Besitzer, der seine Wände mit Fake-Louis-Vuitton-Taschen verziert hatte, nüchtern war, war er ein wunderbarer Gesprächspartner.

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