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Bildquelle: Focus on Yoga / Simone Leuschner

Das Allstars Retreat 2017: Yoga der Begegnung

Von Kristin Rübesamen

Als Timo Wahl am ersten Tag in seinem Workshop „Herz in der Hand“ für echte Freundlichkeit in jeder Geste plädiert, ist noch nicht klar, dass hier in einer griechischen Hotelanlage auf Korfu ein entscheidender Teil der Yogawelt ihre Gesetze neu definieren wird.

Das YogaEasy Allstars Retreat: Gelegenheit zur Begegnung

Wenn gewöhnlich auf Yogakonferenzen die besten Lehrer und Lehrerinnen zusammenkamen, schwebt jeder dieser Stars (gefolgt von Groupies mit finsteren Gesichtern und engen Tops) zum Unterricht, verschwindet danach und hinterlässt im besten Fall einen Stapel mit Flyern für kommende Ausbildungen.

Hier auf Korfu haben wir im YogaEasy Allstars Retreat 2017 zum dritten Mal versucht, Gelegenheiten zu schaffen als Gastgeber, und, was soll ich sagen: Dieses Mal war es besonders spannend. Denn auch wenn wir alles daran setzen, um die besten und interessantesten Lehrer für eine ganze Woche zusammenzuholen, entscheidet sich ja erst an Ort und Stelle, was tatsächlich passiert, auf und jenseits der Matte

Um es kurz zu sagen, es gab sie reichlich: Gelegenheiten für Schüler, ihre Lieblingslehrer zu treffen, neue kennenzulernen, mit ihnen zu üben, zu essen, zu reden, zu schwimmen. Gelegenheiten für Lehrer, zu sehen, wer eigentlich ihre Schüler sind, für wen sie Videos drehen, wo ihre Bedürfnisse liegen. Gelegenheiten für Lehrer auch, Kollegen zu treffen, Persönliches zu besprechen, dem harten geschäftlichen Takt, in dem viele der großen Yogalehrer heute reisen und unterrichten, einmal zu entkommen, aber auch die Chance, grundsätzliche Dinge zu besprechen.

Schüttelmeditation, Feigen, bunte Leggings

Ronald Steiner bricht das Tabu und fordert, im Hund wie auch im Schulterstand die Arme lang zu machen, ja sogar: Schultern zu den Ohren! Ist das interessant? Oh ja, unter den Schülern sind viele Yogalehrer, die sich hier bei den Großen Inspiration holen. Sie stehen klaglos auf um 6.15 Uhr, laufen im Dunkeln zum leise schwappenden Meer zum „Detox Flow“ mit LuNa, zur „Schüttelmeditation“ mit Patrick Broome, zum „Espresso Shot“ mit Valentin oder zu mir zur Meditation. Hinterher gehen sie mit sandigen Füßen an den anderen Hotelgästen vorbei ins Frühstücksrestaurant, wo jetzt die anderen Hotelgäste die Köpfe schütteln.

Was sind das für Menschen in bunten Leggings, die den gebratenen Speck links liegen lassen und zum Porridge greifen, Unmengen von Feigen, Wassermelonen und Weintrauben essen und sich auch noch regelmäßig in die Arme fallen? Nach ein paar Tagen und einem wilden Tanzen im Sand, angeleitet von DJane Anna Trökes („I am a rainbow too“), nach dem Teilnehmer im Schutz der Nacht noch schnell ins Wasser springen, fragen sich die Gäste argwöhnisch: „Sind das vielleicht alles Lesben?“ Darf ich kurz antworten: „Keine Ahnung. Spielt das eine Rolle?“

Und zwischendurch ins Meer

Die Schweizer Ärztin, die mit der Schwimmnudel schon frühmorgens ins Meer springt, und tatsächlich keinen Kurs auslässt, die beiden eleganten Damen aus Österreich, die abends noch bis spät tanzen, die Schwestern, die schon zum zweiten Mal kommen und abends zu unserem Vergnügen zum Dinner schreiten, als wären wir im Plaza in N.Y.C., Mütter mit ihren erwachsenen Töchtern, die die Nähe genießen und das Schwitzen teilen, ein berühmter Schauspieler, der sich inkognito und geduldig beim Salat anstellt, ein Paar aus München, das erst ganz kurz Yoga übt und abends die Erfolge des Tages bei einem Glas Rotwein feiert, dazwischen Yogalehrer von überall her, die sich Notizen machen, alles mischt sich, alles redet, freut sich, hört sich zu. Auch wenn der Sozialismus gescheitert ist, beim Allstars Retreat kennen wir keine Klassenunterschiede.

Sing, sing, sing, sing...

Hier auf Korfu unterrichten Schulter an Schulter die besten deutschsprachigen Lehrer und zeigen ihren Schülern das, woran sie gerade arbeiten. Aktueller und frischer sind Lehrinhalte nicht zu bekommen. Längsfaszien ausstreichen mit Ronald, den Kopfloop finden mit Veronika, Sicherheit fühlen mit Patrick, Flow mit LuNa, Yoga Nidra mit Irina und Yin Yoga mit Claudia. Oder mit Anna Trökes die Halswirbelsäule entdecken, Nacken und Schultern entspannen lernen und die Brustwirbelsäule strecken (ich prophezeie: verknöcherte Brustwirbelsäulen werden das Krankheitsbild der Zukunft sein). Mit Valentin Mut tanken, mit Timo Kraft und Dehnung kombinieren, mit Ronald die Asthanga-Innovation im Mysore erleben, über Yogatherapie lernen, Dschungelarme bekommen, das „Python-Feeling“ fühlen, Handstand wagen und sich bei all dem daran zu erinnern, was Yoga ist: Atem, Bandha, Drishti. Und abends Kirtan mit Timo im Zelt bei Kerzenschein und vielleicht ein bisschen weinen. Oder das Gegenteil: Ausflippen mit Valentin und Irina und spüren, wie viel Kraft in einer Gruppe schlummert, wenn sogar zwei zierliche Frauen einen Mann hochheben können: Weil sie alle unterstützen.

 


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Wahre Gastfreundschaft

Der Ausflug auf die wilde Insel Vidos, der Spaziergang durch den Pinienwald, auf dem wir zwischendurch meditieren und eine Geschichte von Odysseus hören, bringt ein wichtiges Motiv zum Vorschein. Auch Odysseus war ein Zwangsnomade, behaupte ich, ein Flüchtling. Schon in der Odyssee ging es um Asylanträge und Gastfreundschaft. Dass darüber jetzt nachgedacht wird, während ich erzähle, wie Odysseus auf Korfu, der Insel der Phaiaken, gestrandet ist, freut mich. Unser Ausflug endet bei einem seltsamen Baum mit großen gelben Früchten, die ein bisschen wie Handgranaten aussehen. Es ist ein Brotfruchtbaum, der zur Gattung der Maulbeergewächse gehört, angeblich haben ihn die Venezier importiert. Wissen ist immer interessant, aber oft bleibt es auf Wikipedia-Niveau. Wenn Wissen dagegen direkt weitergegeben wird, wird es lebendig, und wenn dieser Transfer klappt, spüren das auch alle, die dabei sind.

Eine große Koalition, die klappt

Hier auf Korfu gab es sie, die große Koalition der Lehrer, die ihr Wissen in den Dienst der Schüler gestellt haben. Hier, zehn Minuten von der Altstadt von Korfu, in die ausbüchsen kann, wer einen Lagerkoller bekommt, erinnern diese Lehrer daran, dass wir nicht nur unsere Atmung kultivieren müssen, sondern auch unsere Freundlichkeit. Damit wir die viel zitierten leisen Töne hören, womit auch gemeint ist: das, was die anderen sagen.

Viel Spaß, wenig Cortisol

Es ist erwiesen, dass die Anwesenheit von Freunden die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol dämpft, man fühlt sich weniger ängstlich und unruhig. Auch das Selbstwertgefühl ist höher in Ländern, in denen man viel Zeit mit Freunden verbringt. Vielleicht wachsen uns auch aus diesem Grund die Schüler, Gäste, falsch, Weggefährten mit jedem Jahr mehr ans Herz: weil wir alle von diesem Gefühl profitieren.

Yoga heißt Verbindung schaffen, nicht nur Körper, Atem, Sinne und Geist, sondern auch Verbindung innerhalb der Szene, mit der Tür immer offen für Neuankömmlinge und Außenseiter. Und das ist dem YogaEasy Allstars Retreat 2017 gelungen.

P.S. Das YogaEasy Allstars Retreat 2018 findet vom 29.9. bis zum 6.10.2018 statt und die unverbindliche Voranmeldungen über retreat@yogaeasy.de ist jetzt schon möglich!

 

P.P.S. Danke an die tüchtige Christiane Eitle, ohne die es die Veranstaltung nicht gegeben hätte!

Bildquelle: Focus on Yoga / Simone Leuschner

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