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10 Fragen an Dr. Ronald Steiner
Titel: Nela König, Profil-Bild: Gabriel Aszalos

10 Fragen an Dr. Ronald Steiner

Von Kristin Rübesamen

Ist er wirklich von dieser Welt? Er hat noch nie Kaffee getrunken, kennt jeden Knochen im Körper und hat die Gabe, allen Menschen, alt und jung, krank und gesund, Yoga zu vermitteln. Wie schafft er das nur? Ganz einfach: Ronald Steiner ist Yogi durch und durch. Und obendrein noch Arzt, Sportmediziner und Wissenschaflter. Was sind wir froh, ihn auf unserer Seite zu haben und mit ihm in die großartige Welt des Ashtanga Yoga eintauchen zu können. Hier unsere erbarmungslosen zehn Fragen an den Erfinder der AYInnovation-Methode:

1. Auf einer Skala zwischen 1 und 10: Wie glücklich bist du jetzt gerade?

Ich glaube nicht, dass sich Glück auf einer Skala messen lässt.

2. Wie war dein erster Kontakt mit Yoga?

Meine Mutter war bereits Yogalehrerin. So kam ich schon als kleines Kind mit Yoga in Kontakt. Mich faszinierten damals vor allem die Philosophie und Meditation. Körperübungen wurden für mich erst später interessant.

Als ich im Studium war, nutzte ich meine Semesterferien – und manchmal etwas mehr –, um in Indien die Tradition direkt zu erleben. So verbrachte ich insgesamt über zwei Jahre bei meinen beiden indischen Lehrern Sri K. Pattabhi Jois und BNS Iyengar.

3. Wie ehrgeizig bist du? Leidest du unter den Ansprüchen, die du dir selbst stellst?

Ich würde sagen, ich bin sportlich. Ich liebe Herausforderungen und gehe sie gern an. Wenn etwas nicht gelingt, dann probiere ich es einfach wieder. Ob ich die Herausforderung meistere oder nicht, ist nicht entscheidend, wichtiger ist, wie viel Freude ich dabei habe, sie zu anzunehmen.

4. Warum hast du dich entschieden, Yoga auch zu unterrichten? Was ist das Besondere an deinem Unterricht?

Es ist für mich ein magisches Erlebnis, Yoga zu praktizieren, einzutauchen in eine raum- und zeitlose Wahrnehmung. Ich unterrichte auch gerne, denn, wie sagt man so schön, geteilte Freude ist doppelte Freude.

Mein Unterricht basiert auf meiner eigenen Erfahrung. Ich möchte meinen Schülern einen Zugang zu körperlicher und geistiger Harmonie ermöglichen. Daher versuche ich, jeden Menschen dort abzuholen, wo er steht. Für den einen ist ein sanfter, therapeutischer Zugang der richtige. Ein anderer braucht die physische Herausforderung von akrobatisch anmutenden Haltungen. Ich möchte den Raum für beides schaffen.

Das scheint auf den ersten Blick im Widerspruch zu stehen zum traditionellen Ashtanga Yoga. Doch die festen Übungsserien ermöglichen es, tief in eine vom Atem getragene bewegte Meditation einzutauchen.

Passen wir diese Serien für den einzelnen an, so haben wir das Beste aus zwei Welten. Einerseits eine individuell maßgeschneiderte Praxis, anderseits das Meditative einer vom Atem geführten Bewegung. Ashtanga Yoga wird dann zu einem Musikstück, das für ein Instrument angepasst wird. Hier begegnen sich Tradition und Innovation.


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5. Welchen irdischen Besitz schätzt du am meisten?

Den Löffel meines Großvaters. Mein Großvater hat ihn mir geschenkt und mir seine Geschichte erzählt. Er hatte auch einen Löffel von seinem Großvater bekommen. Einen wertvollen silbernen.

Dann kam der schreckliche Krieg, und er nahm diesen Löffel mit. Als er fassungslos vor einem brennenden Haus stand, schenkte er diesen silbernen Löffel der Familie, der das Haus gehörte und die nun nichts mehr besaß. Es ist eine lange Geschichte, die an dieser Stelle hier sicher den Rahmen sprengt. Mein Großvater trug fortan einen militärischen Blechlöffel mit sich. Er erinnerte ihn an das Leid des Kriegs und daran, wie wichtig Frieden ist. Diesen Löffel nahm er auch wieder mit nach Hause und schenkte ihn viele Jahre später mir. Es ist für mich nicht nur praktisch, immer einen Löffel dabei zu haben, sondern auch für mich eine Erinnerung daran, wie wertvoll Frieden ist.

Frieden beginnt im Kleinen, bei unseren persönlichen Gedanken und Handlungen. Ich möchte diesen Frieden durch meine Yoga-Praxis in mir kultivieren und Menschen daran erinnern, das auch zu tun. Wenn alle Menschen friedlich sind, dann kann es keine Kriege mehr geben. Dann entsteht Weltfrieden.

Nicht der Löffel, sondern der Friede, den wir hier aktuell genießen dürfen, ist für mich der größte irdische Besitz!

6. Was bedeutet das erste Sutra aus Patanjalis Yoga Sutra, Atha Yoga-anushasanam, für dich?

Das Yoga Sutra von Patanjali ist für mich ein Text, den ich auf zwei Weisen sehe. Die eine ist die historische. Hier geht es mir darum, zu verstehen, wie das Yoga Sutra im damaligen Zeitkontext gemeint war und verstanden wurde. Die andere ist der Transfer in mein Leben und in unsere Zeit. Hier geht es mir nicht um historische Korrektheit, sondern um meine ganz persönlichen Inspirationen, die ich aus dem Text für mich ziehen kann.

In dieser persönlich interpretierenden Übersetzung übersetze ich diesen Satz mit:

„Jetzt ist der Augenblick, um in den Yoga einzutauchen.“

Ich erinnere mich an diesen Satz, wenn ich gerade ungeduldig auf etwas warte. Ein Moment kann achtlos an uns vorüberziehen, doch wenn wir in ihn eintauchen, wird er magisch schön. Jeder Eindruck ergibt eine Symphonie des Augenblicks. Der Yoga entfaltet sich so in jedem Augenblick.

7. Was hat Yoga mit Liebe zu tun (und warum sind Beziehungen manchmal so schwierig)?

Ich unterscheide zwei Aspekte von Yoga. Der eine ist die Yoga-Praxis (Sadhana). Also die Zeit, die wir bewusst mit Übungen zubringen. Der andere ist Yoga im Alltag: wie wir mit unserer Mitwelt und uns selbst umgehen.

Im Idealfall basieren diese beiden Aspekte aufeinander. Wir kultivieren in unserer Praxis Qualitäten, die wir mit in den Alltag nehmen. Erst wenn dieser Transfer gelingt, trägt die Praxis wirklich Früchte.

Genauso wie die Yoga-Praxis herausfordernd ist, so ist auch der Transfer in den Alltag herausfordernd. Deshalb übe ich Yoga, um mich immer wieder mich daran zu erinnern, diese Herausforderung anzunehmen. Auch Liebe lässt sich durch Bemühung kultivieren.

8. Wann bist du zuletzt vom Yogaweg abgekommen?

Ich verstehe Yoga als ein bewusstes Streben nach körperlicher und psychischer Harmonie und im weiteren Sinne auch als Streben nach Harmonie im Inneren und im Äußeren. Dieses Streben ist nach meinem Empfinden tief in uns Menschen angelegt.

Nach dieser Definition praktiziert jeder Mensch bewusst oder unbewusst eine Form von Yoga. Der Yogaweg ist daher so wie der Atem. Wir können ihn gar nicht verlassen. Wir können lediglich günstigere oder ungünstigere Schritte bei unserem Streben nach Harmonie wählen.

Meine persönlichen Schritte waren zum Glück nie zu sehr verworren. Ich kam schon als kleines Kind mit den Gedanken des Yoga in Kontakt. Die Art und Weise, wie ich diesen Yoga praktizierte, entwickelt sich natürlich stets weiter im Laufe meines Lebens.

9. Welche Tugend würdest du am liebsten besitzen?

Kann man eine Tugend besitzen? Ich denke, eine Tugend ist etwas, das wir beständig kultivieren. Ich nehme mir jeden Tag ein wenig Zeit, um in einer Meditation den Frieden und die Liebe in mir zu kultivieren. Das erscheinen mir wichtige Tugenden, die es wert sind, beständig zu kultivieren.

10. Was kann Yoga – und was kann Yoga nicht?

Für mich ist Yoga keine bestimmte Technik, sondern eine Vision. Die Vision nach innerer und äußerer Harmonie. Diese Vision kann jedes Handeln tragen. Alles wird dann zu Yoga.

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