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Schulter, Nacken, Kopf: Eine Frage der Balance?

Von Katharina Maurer

Beschwerden im Schulter-, Nackenbereich, Rückenschmerzen oder auch Spannungskopfschmerz, stehen ganz oben auf der Liste der häufigen Beschwerden, die unserem modernen Lebenstil entspringen. Ob Stress, Fehlhaltungen oder -belastungen, die Schwachstellen werden früher oder später sichtbar, spürbar und lassen sich dann nicht mehr freundlich zur Tür heraus bitten. In vielen Fällen ziehen sie einen langen Leidensweg mit sich, ein vielfaches an verschiedenen Therapien und Versuchen, sich der Beschwerden zu entledigen.

Finde die Balance: muskuläre Dysbalance kann die Ursache für deine Kopfschmerzen sein

Oftmals werden die Stellen am Körper untersucht und behandelt, an denen der Schmerz zu Tage tritt. Es kann aber sein, dass die Ursache an einem ganz anderen Ort zu finden ist. Die Beschwerden sind oft auf eine langfristige, andauernde muskuläre Dysbalance zurückzuführen, das heißt aber auch, dass z.B. Nackenschmerzen die Folge eines Beckenschiefstandes sein können und die Therapie der Nackenregion lediglich kurzzeitige Erleichterung bringt. Die Ursache - nämlich ein verdrehtes Becken - wird nicht therapiert und so treten schon nach kurzer Zeit erneut Probleme auf.

Die Dysbalancen und ihre Auswirkungen lassen sich wie folgt erklären: Der ganze Körper, alle Muskeln, Sehnen, Bänder und die Nerven sind mit einander verbunden, spannen sich wie ein Netz um den Körper. In einem ganz fein austarierten System. In diesem System entsteht ein Ungleichgewicht, wenn manche Muskelgruppen dauerhaft besonders stark beansprucht werden und andere wiederum gar nicht.

Da ist es fast logisch, dass Yoga uns so gut tut. Eine gut sequenzierte Stunde bietet dem gesamten Körper eine Mischung aus Anspannung und Entspannung und hilft dem Körper sich neu zu sortieren, wenn etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Dysbalancen sind nicht immer leicht zu erkennen. Typische Beschwerden sind jedoch Kopfschmerzen, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, Migräne, verspannte und verkürzte Nackenmuskeln und dadurch entstehende Spannungskopfschmerzen, Schmerzen und Knacken im Kiefer, Kopfbewegungseinschränkungen, Beckenschiefstand, Bandscheibenvorfall und Hexenschuss, Schlaflosigkeit, veränderter Blutdruck, vermindertes Seh- und Hörvermögen, Konzentrationsstörungen und Orientierungsschwächen.

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Ursachen von muskulären Dysbalancen

Wie muskuläre Dysbalancen entstehen, kann nicht pauschal beantwortet werden. Es spielen viele Faktoren eine Rolle und sicherlich kann man sagen, dass kein Mensch frei von Dysbalancen ist, manche kommen vielleicht auch nie zum tragen, einige sind aber so intensiv, dass sie einen langen Leidensweg nach sich ziehen, ohne, dass man auf den ersten Blick erkennt, was die Ursache des Problems ist. Faktoren sind oftmals die üblichen Verdächtigen, wie Schon- und Fehlhaltungen, Verletzungsfolgen, angeborene Anomalien und einseitige Belastung.

Viele Sportarten konzentrieren sich zum Beispiel nur auf bestimmte Muskelgruppen und vernachlässigen wiederum andere, denken wir nur mal an Tennis. Aber auch im Alltag nutzen wir unsere Muskeln oft nur einseitig oder mit dem Schwerpunkt auf einer Körperseite. Dasselbe passiert, wenn der Körper bzw. die Knochenstruktur eine (angeborene) Asymmetrie aufweist - z.B. unterschiedlich lange Beine, ein schiefstehendes Becken oder Skoliosen. Generell kann man sagen, dass für schwach entwickelte Muskeln andere aus der Muskelgruppe einspringen, um das Defizit auszugleichen. Hier liegt der gefährliche Punkt. Daher ist es das Ziel möglichst viele unterschiedliche Muskelgruppen zu beanspruchen - vor allem auch die Gegenspieler der jeweiligen Bewegung - und außerdem eine ebenmäßige Beanspruchung zu erreichen.

Ein schmerzfeier, gesunder und starker Rücken ist nur mit symmetrischer Muskulatur möglich. Besonders hier macht sich eine Dysbalance aber auch schnell bemerkbar. Durch sie ergeben sich oft auch Fehlhaltungen im restlichen Bewegungsapparat. Sehnen und Bänder werden überlastet, Wirbel und Gelenke erfahren eine hohe Abnutzung aber auch die Koordination, die allgemeine Leistungsfähigkeit wird beeinträchtigt und die Verletzungsgefahr steigt.

Die Klassiker im Bereich der Wirbelsäule sind Hohlkreuz, Rundrücken, Geierhals und Wirbelsäulen-verkrümmungen. Diese, aus den Dysbalancen resultierenden Haltungsfehler, sind im Prinzip Muskeln, die zu stark, zu einseitig oder zu schwach beansprucht sind. Die Dysbalance hat zur Folge, dass andere Regionen übermäßig beansprucht und abgenutzt werden, auf Dauer wird diese Region so geschwächt, dass sie zur Schwachstelle Nummer eins wird und immer wieder Verletzungen in diesem Bereich auftreten können.

Besonders die Halswirbesäule und die dazugehörigen Muskeln und Bänder spielen hier eine Rolle. Sie bilden ein wichtiges Reflexzentrum für die Raumwahrnehmung und die Spannung der Haltemuskulatur (Tiefenmuskulatur). Dieses Reflexzentrum steuert ebenfalls den Bewegungapparat und ist für die Balance zuständig. Aber auch für den Schlaf ist ein entspannter Hals-Nacken-Bereich wichtig, denn Schlaf wird dadurch eingeleitet, dass sich die Halsmuskulatur entspannt. In diesem Zusammenhang sollte das Zervikalsyndrom oder auch HWS Syndrom genannt werden. Das sind Verspannungen im Nacken, die in den Schulterbereich oder auch in den Kopf in Form von Spannungskopfschmerz ausstrahlen. Ursachen sind wie so oft, das Leben selbst, eine ungesunde Haltung am Arbeitsplatz, monotone Bewegungen, emotionale Belastung, Übergewicht und Schwangerschaft.

Es gibt natürlich viele Methoden, wie man besonders Kopf- und auch Rückenschmerzen kurzzeitig lindern kann. Die Ursache - also das eigentliche Problem, bleibt jedoch.

Funktionsweise eines Muskels

Der Körper besteht aus über 600 Muskeln, die zumeist in Paaren vorhanden sind, jeweils rechts und links und die die Bewegung in Zusammenarbeit mit anderen Muskeln möglich machen. Auf schematischen Abbildungen des Körpers finden sich in der Regel gleichmäßig entwickelte Muskeln auf beiden Körperseiten. Das entspricht aber nur selten der Realität. Und hier liegt auch der Kern des Problems. Hier nämlich, ist das feine Zusammenspiel der verschiedenen Muskeln gestört, weil die beiden Körperseiten unterschiedlich ausgeprägt sind.

Hinzu kommt, dass Muskeln sich nur aus eigener Kraft zusammenziehen können, für die Dehnung benötigen sie einen Gegenspieler, der, indem er sich anspannt und somit verkürzt, den anderen Muskel in die Länge zieht, also dehnt. Das nennt man in der Fachsprache Agonist und Antagonist. Eine muskuläre Dysbalance ist also das Ungleichgewicht in diesem Verhältnis.

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Ein ganz häufiges Beispiel: Neben der Wirbelsäule und den Knochen wird der Körper von der Tiefenmuskulatur gehalten und gestützt. Diese ist jedoch oft verkümmert und birgt das Dilemma, dass sie willentlich nicht angesteuert werden und so nicht gezielt trainiert werden kann. Diese Schwäche im Bereich der Tiefenmuskulatur bildet also eine Dysbalance zu der oberflächlichen Muskulatur, die das Defizit ausgleichen muss, aber auf Dauer darauf mit Verspannung reagiert.

Die gute Nachricht: durch gezieltes Üben kannst du deine Muskulatur wieder in Balance bringen bzw. die Dysbalance ausgleichen.

Yoga zählt zu einer der effektivsten Formen, um Rücken und Nackenverspannungen und Beschwerden in diesem Bereich zu lösen. Ein großes Problem im Yoga ist es allerdings, dass immer leichtfertig eine schön intensive Dehnung empfohlen wird. Das ist bei derart beanspruchten Muskeln aber nicht das Beste. Eher im Gegenteil, es kann den Schmerz noch intensivieren. Die betroffenen Muskelgruppen brauchen eine moderate Belastung und Stärkung und Aufbau der Antagonisten.

Daher ist es besonders wichtig, sich mit den schmerzenauslösenden Dysbalancen in die Hände fachkundiger Bewegungstrainer oder Osteopathen zu begeben.

Das Beste ist aber natürlich, es erst gar nicht soweit kommen zu lassen. Mit einer ausgewogenen Praxis beugst du gängigen Beschwerden vor. Als Faustregel gilt: Deine Muskeln passen sich immer der Beanspuchung an. Im Umkehrschluss heißt das: Kenne deine Schwachstellen und tu’ regelmäßig etwas dagegen. In unseren Videos findest du dazu die passenden Sequenzen für vielerlei Arten von Beschwerden. Jetzt gibt es keine Ausrede mehr: Bringe die verkümmerten Areale auf Trab, jeden Tag ein bisschen.