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Yoga für mehr Kreativität
Bild: Shutterstock

Yoga für mehr Kreativität

Von Kristin Rübesamen

Es ist auffällig, wie viele Yogis in kreativen Berufen arbeiten. Jede dritte kommt aus der Film-, Musik-, Literaturbranche, der Rest würde gerne. Wenn Kreativität bedeutet, etwas zu Eigenes herzustellen, dann dient die Matte als idealer Übungsplatz dafür. Warum?

Erst im Fallen findet man den Boden

Weil die Yogapraxis nicht nur eine Technik ist, eigene Stärken zu entwickeln, Träume zu entfalten, Herausforderungen zu suchen, sondern weil sie auch einen Platz markiert, einen Rückzug auf das Eigentliche, eine Leere, die nicht automatisch definiert ist. Ohne diese Leere, das Gefühl, ins Nichts zu schauen, kann sich keine Kreativität entfalten. Deswegen sind Leute, die etwas Großes schaffen, sich ihrer Ängste meistens wohl bewusst. Wer dagegen jede Herausforderung meidet, jedes Scheitern von vornherein umschifft, wird ein gemäßigtes und feines Leben haben, herrlich. Aber um etwas zu schaffen, muss man ein Gefühl der Bodenlosigkeit zulassen. Erst im Fallen, wie mir der berühmte amerikanische Lehrer Rodney Yee mal erzählte (da steckte er gerade mitten in der Scheidung, findet man den Boden). Wie es mit ihm weiterging, kann man sich anschauen, wenn man sich seine Entwicklung danach anschaut. Heute ist er ein Superstar.

Ich hasse den Baum, deshalb: Her damit.

Aber Superstar hin und her, unzählige Comebacks großer Künstler belegen die immense Energie, die Krisen in sich tragen. Auf unsere Praxis übertragen heißt das: Ich hasse Hüftöffner, deshalb: Her damit. Ich hasse den Baum, da mache ich nie eine gute Figur, deshalb: Her damit. Dabei geht es, versteht mich nicht falsch, weniger darum, zu siegen, sondern darum, Möglichkeiten zu finden, Wege zu skizzieren, ja selbst Visionen (auch wenn sich das Wort recht abgenutzt anhört) zu entwickeln, wie es gehen könnte.

Yoga ist immer die Möglichkeit, etwas anders zu machen.

Und das hat Yoga mit Kreativität gemeinsam. Indem wir Energie oder Prana, ganz wie ihr wollt, durch Körper und Geist lenken, wecken wir ihn auf. Warum haben wir nach Yoga und Meditation oft die besten Ideen? Weil wir Ballast zur Seite geschafft haben, den Kopf geklärt und den Körper geschmeidig gemacht haben. Weil wir die ewiggleichen Gedankenschlaufen verlassen haben, den Teufelskreis aus Erwartung und Enttäuschung. Dieses Erlebnis steht auch für Anfänger schon parat. Niemand muss dafür einen Level 3 Kurs besuchen.

Hier vier Varianten, in denen du Kreativität üben kannst:

  • Handy aus, Mediation an: Sobald du still wirst, wirst du deine innere Stimme hören. Hör gut zu.

  • Gerate aus dem Gleichgewicht: Nur Streber behalten immer die Ruhe. Mache eine schwierige Balanceübung und beobachte dich dabei genau. Wenn du anfängst zu lachen, bist du auf dem richtigen Weg.

  • Trage eine Hose, die nicht passt: Übe in Klamotten, die zu klein oder zu groß sind. Akzeptiere, dass du nicht perfekt bist. Große Kunstwerke sind nie perfekt, sonst wären sie langweilig.

  • Stelle Schönheit her: Schönheit steht in unserer Yogapraxis leider im Verdacht, oberflächlich zu sein. Was für ein Unsinn. Übe einmal im Gefühl, schön und wild und aufregend zu sein. Am besten mit Publikum. Danach ist dir nichts mehr peinlich.

Die serbische Performancekünstlerin, in deren Arbeiten es immer um Schmerz ging, saß 2010 drei Monate lang Tag für Tag in ihrer Performance The Artist is Present im Museum of Modern Art auf einem Stuhl, um 1565 Besuchern in die Augen zu blicken. Sie verriet mir damals, wie sie es körperlich schaffte: "Yoga".

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