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Yoga bei Multipler Sklerose – mit Übungen

Von Christiane Eitle

MS (Multiple Sklerose) ist kein Muskelschwund, MS ist nicht vererbbar und nicht jeder der MS hat, landet gezwungenermaßen im Rollstuhl. Ärzte konnten bisher nicht herausfinden, worin die Ursachen für MS liegen. Deswegen ist MS bis heute nicht heilbar, aber behandelbar. In diesem Artikel erfahrt ihr, wie Yoga und Meditation den Verlauf einer MS positiv beeinflussen und unterstützen können.

Die Multiple Sklerose gehört zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem durch eine Fehlprogrammierung körpereigenes Gewebe angreift. Bei der MS wird dabei das zentrale Nervensystem in Gehirn und Rückenmark durch verstreut auftretende Entzündungen geschädigt. Daher wird die MS auch als Enzephalomyelitis disseminata bezeichnet. In Deutschland sind mehr als 200.000 Menschen von MS betroffen. 70 Prozent von ihnen sind Frauen mit einem Durchschnittsalter von 49,5 Jahren.

Was passiert bei der MS?

T-Lymphozyten sind wichtige körpereigene Abwehrzellen unseres Immunsystems. Bei einer MS-Erkrankung sind diese T-Zellen falsch programmiert. Sie überwinden auf bisher noch ungeklärte Weise die Blut-Hirn-Schranke und gelangen in das Gehirn oder Rückenmark. Indem sie das Myelin, die Isolierschicht der Nervenfasern, angreifen, wird das zentrale Nervensystem geschädigt. Nervenfasern sind verantwortlich dafür, dass Signale aus dem Gehirn an den Körper weitergeleitet werden. Diese Informationen sorgen dafür, dass wir z. B. Berührungen spüren, einen Gleichgewichtssinn haben und unsere Gliedmaßen bewegen können.

Durch den Angriff entstehen Entzündungen, sogenannte herdförmige Läsionen. Sie zeigen sich im MRT der betroffenen Areale in Form von weißen Flecken. Durch diese Entzündungsherde an Nervenfasern können die neurologischen Signale und Botschaften nicht mehr vollständig übertragen werden. Die Folge sind Ausfallerscheinungen wie Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Koordinationsprobleme. Wie bei einem elektrischen Kabel wird die Verbindung beschädigt und im schlimmsten Fall gekappt.

Verlauf und Therapie der Multiplen Sklerose

MS wird auch „Krankheit mit 1000 Gesichtern“ genannt. Die Beschwerden, der Verlauf und Therapieerfolge sind bei jedem Patienten sehr unterschiedlich. Betroffene können mit nur drei Läsionen im Rollstuhl sitzen und mit 100 Entzündungen ein relativ beschwerdefreies Leben führen. Manche MS-Patienten leiden regelmäßig unter Schüben, andere wiederum haben zehn Jahre lang Ruhe, bevor die MS wieder auffällig wird. Die Krankheit verläuft in vielen Fällen schubförmig, wobei sich Symptome nach jedem Schub – von selbst oder durch Kortison – zum großen Teil oder vollständig zurückbilden. Weitere Fälle verlaufen primär oder sekundär progredient, was eine kontinuierliche Verschlechterung bedeutet.

Viele MS-Patienten entscheiden sich für eine dauerhafte Basis-Therapie, um das Voranschreiten der Krankheit und die Schwere der Schübe zu vermindern und die Abstände zwischen Schüben zu verlängern. Je nach Schwere des MS-Verlaufs kommen Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen und Dosierungen in Form von Spritzen, Infusionen oder Tabletten zum Einsatz. Diese Medikamente regulieren auf verschiedene Weise das Immunsystem, um den MS-Verlauf günstig zu beeinflussen. Physiotherapie, Ergotherapie oder auch Psychotherapie werden eingesetzt, um die unterschiedlichen körperlichen und psychischen Symptome und Auswirkungen zu behandeln.

Wodurch wird MS ausgelöst und beeinflusst?

Bisher ist die Ursache von MS trotz intensiver Forschung nicht vollständig geklärt. Neben dem Immunsystem werden auch Umweltfaktoren, Infektionskrankheiten, Ernährung, Stress, Hormone und eine genetische Veranlagung (eine Prädisposition, keine Vererbung) in Betracht gezogen. Auch der Vitamin-D-Mangel in sonnenarmen Gebieten ist immer wieder im Gespräch. Denn weit nördlich und südlich des Äquators, in Richtung beider Pole, nimmt die Häufigkeit der MS-Erkrankten signifikant ab. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es eine Kombination diverser Faktoren, die zur Entwicklung einer MS und zum Ausbruch von Schüben führt.

Fakt ist jedoch, dass MS zwar behandelt, aber nicht geheilt werden kann. Daher ist es für den Verlauf und die Bewältigung der Krankheit sehr wichtig, den Körper und die Psyche so zu stärken, dass das Leben und der Alltag gut bewältigt werden können. Eine bewährte Methode dafür sind bei vielen Verläufen Yoga und Meditation.


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Yoga bei Multipler Sklerose: Wie Yoga und Meditation bei MS auf psychischer Ebene helfen

Man sagt, dass Yoga dabei helfen kann, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Das bedeutet nicht, dass Yoga MS heilen kann. Jedoch wirkt Yoga, im Gegensatz zu anderen Sportarten, ganzheitlich auf körperlicher und psychischer Ebene. Diese Kombination kann Betroffenen nachhaltig dabei helfen, mit der Krankheit umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Denn durch den mit der Krankheit einergehenden Kontrollverlust ist MS sowohl eine enorme psychische als auch körperliche Belastung.

Das Thema Akzeptanz ist allgegenwärtig bei MS-Betroffenen. Da MS nicht geheilt werden kann, bleibt den Patienten nur, den Verlauf so günstig wie möglich zu beeinflussen. Der erste schwere Schritt nach der Diagnose ist, die Krankheit anzunehmen. Betroffene erleben oft trauma-ähnliche Zustände und ohnmächtige Hilflosigkeit. Niemand kann vorhersagen, wie sich die Krankheit entwickeln wird. Ein Schub kann jederzeit geschehen, aber auch Jahre auf sich warten lassen. Es ist wichtig, nicht mit der Angst im Nacken zu leben und die ohnmächtige Opferrolle loszulassen. Yoga und Meditation helfen, Kontrolle über die Dinge zu gewinnen, die geändert werden können.

Ein ganz wichtiger Begriff ist in diesem Zusammenhang Achtsamkeit. Die MS darf nicht das Leben des Patienten bestimmen. Denn nichts macht unglücklicher als sich ständig zu grämen, ohne das tatsächlich etwas passiert. Achtsam zu sein bedeutet, sich völlig darüber bewusst zu sein, was in diesem Moment geschieht. Die Gedanken hängen nicht in der Vergangenheit oder blicken voll Sorge in die unsichere Zukunft. Es zählt nur was im Moment geschieht. Und wer weiß, vielleicht ist dieser Moment sehr lange sehr schön, trotz des Damoklesschwerts?

Yoga und Meditation helfen Betroffenen mentale Stärke aufzubauen. Sie erlernen nach und nach eine gesunde und positive Einstellung zu ihrer Erkrankung. Asana, Pranayama und Meditation zentrieren Körper und Geist, sodass die Patienten lernen, sich auf sich selbst zu besinnen. Die körperliche und meditative Praxis schenkt Selbstbewusstsein und gibt Vertrauen in die eigene Kraft. Es entstehen wertvolle innere Ruhe und Gelassenheit, die helfen, das Unveränderbare anzunehmen.

Mit Yoga und Meditation mehr Achtsamkeit für die eigenen Bedürfnisse

Yoga und Meditation stärken das intuitive Bauchgefühl. Oft wissen wir instinktiv, was uns gut tut, aber blenden diese innere Stimme aufgrund äußerer Umstände und Anforderungen aus. Eine Erkrankung wie MS unterstützt manchmal überraschenderweise dabei, einen gesunden Egoismus zu entwickeln. Denn ständig gegen die eigene Wahrheit zu leben macht auf Dauer unglücklich, depressiv und krank. Der Grundsatz „Krankheit als Chance“ kann so weit gehen, dass Menschen sich auf das Wesentliche besinnen und ihr Leben durch die MS von Grund auf verändern. Sie ernähren sich gesünder, beenden unglückliche Arbeitsverhältnisse, lösen sich von Menschen, die ihnen nicht gut tun, erkunden neue Leidenschaften und gehen ihren Weg.

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Wir wirkt sich Stress auf MS aus?

Distress, negativer Stress, resultiert langfristig in gesundheitlichen Beschwerden. Auch wenn der Zusammenhang von MS-Schüben und Stress noch nicht vollständig wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte, erleben viele MS-Patienten, dass längere Phasen mit Anspannung und negativem Stress das Risiko für einen Schub erhöhen. Symptome wie Fatigue oder motorische Einschränkungen treten dann intensiver auf. In einer Studie fand man jedoch heraus, dass Stress-Management den Verlauf von MS durchaus positiv beeinflusst. In stressfreien Phasen entwickelten die Studienteilnehmern bedeutend weniger neue MS-Läsionen im Gehirn.

Die entspannende Wirkung von Yoga-Übungen hilft, akuten Stress abzubauen und Kraft für den Alltag zu gewinnen. Körper und Geist lernen durch das Wechselspiel von An- und Entspannung auch langfristig runterzufahren. Betroffene gewinnen innere Ruhe und nehmen eine gelassenere Lebenseinstellung an. Allgemein wird das Wohlbefinden gesteigert und die Übenden fühlen sich ausgeglichen und weniger reizbar. Auf körperlicher Ebene entspannen sich die Muskeln, der Blutdruck sinkt und das Immunsystem wird gestärkt. Auch Funktionen wie Gleichgewichtssinn oder Koordinationsvermögen werden positiv beeinflusst. Beliebte Entspannungsübungen sind die progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Übungen aus dem Yin Yoga und Yoga Nidra.

Yoga Nidra mit Ranja Weis:

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Yin Yoga mit Claudia Uhrig:

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Wie Yoga bei MS auf den Körper wirkt

Sport wirkt sich erwiesenermaßen positiv auf den Verlauf einer MS und ihre verschiedenen Symptome aus. Bei starker Hitze können sich Symptome durch das sogenannte Uthoff-Phänomen verschlimmern. Diese bilden sich jedoch nach wenigen Stunden wieder zurück und sind nicht gefährlich. Durch Yoga und Bewegung kann das Fortschreiten der Krankheit günstig beeinflusst werden. Schübe treten weniger häufig oder intensiv auf und verschiedene Körperfunktionen werden erhalten. Yoga ist nicht wettbewerbsorientiert und stärkt die eigene Körperwahrnehmung. So ist es für die Betroffenen möglich, sich nicht zu überfordern und ihre individuelle Belastungsgrenze zu wahren.

Multiple Sklerose resultiert je nach Verlauf in funktionalen Körpereinschränkungen. Durch die Störungen im zentralen Nervensystem werden die entsprechenden Befehle aus dem Gehirn nicht mehr verlässlich übertragen. Gezielte, regelmäßige Übungen, die Beweglichkeit, Kraft und Koordination schulen, können Menschen mit MS dabei helfen, diese Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Yoga-Übungen wirken sich positiv aus auf:

  • Ausdauer und Leistungsfähigkeit
  • Muskelkraft und Körperstärke
  • Gleichgewichtssinn und Koordinationsfähigkeit
  • Flexibilität und Beweglichkeit
  • Fatigue und Erschöpfung
  • Konzentration und kognitive Fähigkeiten
  • Muskeldehnung- und Entspannung
  • Atmung und Sauerstoffversorgung
  • Durchblutung und Verdauung

Yoga-Übungen bei verschiedenen MS-Symptomen

Menschen mit MS können viele sanfte und fordernde Yoga-Übungen ausführen. Bei Einschränkungen wie Gleichgewichtsstörungen, Unbeweglichkeit und fehlende Kraft in Beinen oder Armen ist es möglich Asanas abzuändern oder Hilfsmitteln wie Blöcke, Gurte oder Stühle einzusetzen.

1. Yoga-Übungen bei Spastiken und Muskelspannung

Viele MS-Patienten leiden unter Spastiken bzw. einem erhöhten Muskeltonus. Ursache sind Entzündungen an entsprechenden Nervenbahnen, die sich um die Motorik im muskulären System kümmern. Die Folgen sind steife und verspannte Muskeln, Krämpfe und allgemeine Bewegungseinschränkungen. In dem Zusammenhang erleben einige Betroffene auch Gangstörungen, Schmerzen in Armen und Beinen, sowie in extremen Fällen Lähmungen. Dehnende Asanas helfen, diese Spastiken zu lindern und die Bewegungsfähigkeit zu steigern.

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2. Yoga-Übungen für verbesserte Muskelkraft

Wenn die MS eine verminderte Muskelkraft zur Folge hat, gib es viele kräftigende Asanas, um die Maximalkraft und allgemeine Kraftausdauer zu erhöhen. Bei geringerer Muskelkraft sind Übungen anstrengender, und einige Patienten tendieren dazu, sich weniger zu bewegen. Durch konsequenten Muskelaufbau kann der weitere Muskelabbau aufgehalten bzw. verlangsamt werden.

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3. Yoga-Übungen bei Bewegungsstörungen

Eine gestörte Bewegungskoordination beim Laufen ist ein klassisches MS-Symptom. Betroffene entwickeln einen schwankenden Gang oder haben belastende Schwindelgefühle. Hier ist es wichtig, Übungen mit langsamen, bewussten Bewegungsabläufen auszuführen. Im Yoga gibt es viele Asanas, mit denen die Kontrolle von Koordination und Balance gefördert werden.

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Anmerkung:

Die Autorin ist seit 10 Jahren von MS betroffen und schreibt zum Teil aus eigener Erfahrung. Aufgrund des stark differenzierten Krankheitsbilds der Multiplen Sklerose können keine allgemeingültigen Aussagen getroffen werden. Verläufe und Beschwerden unterscheiden sich sehr stark, und jeder Betroffene sollte mit seinem Neurologen, die besten Optionen für eine Therapie und begleitende Maßnahmen besprechen.

Weitere Tipps zum Thema Multiple Sklerose findet ihr auf dem Blog chronisch fabelhaft.