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Yoga auf Bali - Oase der Erkenntnis

Von Katharina Goßmann

Bis vor kurzem hatte ich eine radikale These: Glückliche Menschen brauchen kein Yoga. Nur wir armen modernen Großstadt-Menschen, die wir uns, weit weg von familiären und kulturellen Wurzeln, zwischen Karriere, Familie und Ego aufreiben, müssen regelmässig auf die Matte.

Deshalb mache ich auch fast nie Yoga, wenn ich auf Reisen bin. Wozu auch? Mein Geist ist entspannt, weil ihn keine Alltagsforderungen zermürben, und gleichzeitig angeregt von der neuen Umgebung. Und mein Körper erstrahlt nach wenigen Tagen sowieso in verloren geglaubtem Glanz, weil er schlafen, essen und sich bewegen darf, wie es ihm gefällt, und zudem den ganzen Tag in der Natur ist.

Kürzlich war ich mit meinem frischgebackenen Ehemann in Flitterwochen auf Bali. Dieser wunderbare Mann, diese traumhafte Insel, das Meer, die Sonne, der Strand, die Tempel – ich hätte nicht glücklicher sein können. Dann entdeckten wir einen Flyer, auf dem die “Power of Now Oasis” beworben wurde: Neben dem Bild einer Bambushütte am Strand wurden da Yoga-Stunden angepriesen. Das machte uns dann doch neugierig.

Einige Tage später standen wir vor der Strand-Oase. Die Bambus-Hütte war noch schöner als auf dem Flyer und der Yogaraum im zweiten Stock hatte nur zwei Wände, so dass der warme Abendwind sanft durch die Hütte strich, während wir den Blick auf den Strand genossen. Die grazile balinesische Lehrerin strahlte eine völlig ungekünstelte Ruhe aus. In gebrochenem Englisch sagte sie zunächst mehrere Atemübungen an. Dann begann im Haus nebenan ein alter Mann (wenigstens klang er alt) balinesische Volkslieder zu singen. Während uns die Lehrerin durch eine Reihe klassischer Hatha Yoga-Positionen führte, ging die Sonne unter, ein Eichhörnchen kletterte an einem Baumstamm hinter der Lehrerin hoch und von allen Seiten her begann es nach balinesischem Abendessen zu riechen. Mit einem Wort: Es war traumhaft.

Eine Sache allerdings irrtierte mich. Im Gegensatz zu meiner gewöhnlichen, sehr dynamischen Power Yoga-Praxis kam ich – bei dieser vergleichsweise einfachen Klasse – nicht gut mit. Etliche unsportliche Yoga-Anfänger sahen in verschiedenen Haltungen deutlich entspannter aus als ich. Ich war verwirrt.

Einige Tage arbeitete es in mir. Warum war ich so starr und steif? Und das in den Flitterwochen! Bei 30 Grad! Konnte es sein, dass ich auch beim Yoga meine harte, abweisende Seite stärkte, aber nicht meine weiche, offene, annehmende Seite? Dass all mein angestrengtes Bemühen “ein besserer Mensch” zu werden nur erschöpfender Perfektionismus und mangelnde Selbstakzeptanz war? Es stimmt schon, ich gehe das Leben oft mit einem eher humorlosen “Ich muss” an, wo ein entspanntes „Ich will“ viel angenehmer wäre. Und ich bin nie wirklich aus vollem Herzen zufrieden mit meinem (erstaunlich tollen!) Leben – schließlich könnte ja alles noch viel besser sein, wenn ich mich nur mehr anstrengen würde!!!

In kurz: Diese simple Hatha Yoga-Stunde brachte einiges bei mir ins Rollen. Deshalb habe ich jetzt eine neue radikale These: Sogar die glücklichsten Menschen können von Yoga profitieren. Denn auch wenn es uns gerade gut geht und alles super läuft – Yoga zeigt Dir, was da noch alles im verborgenen liegt. Vielleicht besonders dann, wenn wir glücklich sind. Weil wir dann beim Yoga nicht nur den gröbsten Alltagsstress beseitigen und die schrecklichen Rückenschmerzen lindern, sondern noch tiefer in den Porzesse der Selbsterkenntnis einsteigen können.

Also, Ihr vom Schicksal geküssten, auf zum Yoga – auf dass Ihr noch glücklicher werden möget!

The Power of Now Oasis
Sanur Beachfront (nahe Mercure Hotel)
Bali
Probestunde/Einzelstunde: 100.000 Indonesische Rupien (gut 9 Euro)

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