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Erleuchtung in Berlin
Bildquelle: Ricardia Bramley

Ayuasca Asana: Yoga in Berlin

Von Ricardia Bramley

 

Auf dem Karussel der Erleuchtung

Ricardia Bramley, Gründerin von yungsyoga.com und bekannte Berliner Yogalehrerin wird schwindlig.

Wer gerade in den Großstädten in der Yogaszene unterwegs ist, hat die Qual der Wahl. Ob auf facebook, in Blogs, beim Yoga Studio um die Ecke; jeden Abend und vor allem am Wochenende gibt es so viele Angebote, dass einem schwindelig werden könnte. „Will ich jetzt Kakao trinken und tanzen?“ „Jetzt haben schon alle Ayuasca gemacht, müsste ich da nicht irgendwie mal langsam..?“ „Und meine Gebärmutter wurde auch noch nicht gesegnet!“

Ich liebe diese Vielfalt, dass es für jede/n von uns etwas gibt, mit dem sie sich weiter entwickeln, erforschen, austoben und verbinden kann. Was für ein Glück wir haben, in dieser Zeit zu leben und gerade auch durchs Internet so viele Abenteuer quasi per Mausklick erleben zu können!

Aber, du ahnst es, hier kommt das große ABER: So ein ganz kleines bisschen drängt sich der Verdacht auf, dass mir das bekannt vorkommt. Weißt du noch früher, als du noch ganz viel ausgegangen bist? Da gab es einen noch geheimen Club in einem alten Bunker, hier ein Rave und dieser DJ, der so oft auf Ibiza auflegt, ist auch noch in der Stadt! Wo sollen wir denn jetzt hin?

Diese Dynamik hat sowas von „anschaffen“. Der nächste Kick, der neueste Trend, das muss alles jetzt! Das Dilemma, das sich in allen Dingen Yoga dabei auftut, ist eigentlich ein Dreifaches:

Zum Einen, entstehen so viele Events so schnell, dass man gar nicht mehr bei der Recherche hinterher kommt, was das Level von Erfahrung oder Ausbildung der Leute ist, die diese Workshops, Circles, etc. veranstalten. Sind das jetzt gute Yogalehrer, weil sie zwei Wochen lang in Goa in einem Ashram unterrichtet wurden? Kann der Schamane aus dem Raum Stuttgart mich bei Ayuasca gut begleiten, weil er das mal in Mexiko gemacht hat? Dass das evtl. nicht ganz ungefährlich ist, kann man sich denken und doch pilgern wir (ja ich muss mich hier einschließen!) alle zu diesen Events, in der Hoffnung etwas über uns selbst zu lernen, was wir nicht schon wissen.

Zweitens wird es ganz schön teuer auf Dauer. Neulich im Women’s Circle (Take 15) war ich erst mal €50 los und fühlte mich danach so dermaßen exponiert und von der Gruppe nicht getragen, dass ich auch nackt hätte auf die Straße gehen und den Leuten meine innersten Ängste hätte entgegenrufen können! Es war ein ganz und gar unangenehmes Erlebnis, weil zwar viel geredet aber kaum Führung gegeben wurde... und das Geld hätte ich auch lieber für einen Handstand Workshop ausgegeben. Den kann ich nämlich immer noch nicht richtig.

Tja, und drittens, wo bleibt die Erleuchtung? Ich renne hier zu allen möglichen Workshops, weil die Kollegin sagt, tolle Veranstaltung, der Raum wird voll gehalten und ich komme in meine Kraft. Klar, dass ich mich anmelde, oder? Da sitze ich also, atme mir die Seele aus dem Leib (oh je, hoffentlich nicht!) und ja, es wirkt bis zu einem gewissen Grad kathartisch. Geweint habe ich auch, wenn ich auch nicht weiß warum, das stört mich nicht...aber dann bin ich wieder zu Hause in meiner Wohnung. Ich frage mich, was nehme ich mit? Was habe ich heute Abend gelernt? Ach, ich frage mich lieber morgen früh nochmal. Doch auch am nächsten Morgen, ist es mir noch nicht klar, was meine Reisen auf dem Karussell der spirituellen Erfahrungen mir aufzeigen wollen. Was ich wohl merke ist eben dies: Es ist tatsächlich wie ein Karussell: Ich drehe mich im Kreis, bin so damit beschäftigt, das alles mal „mitzunehmen“, dass ich nicht immer abwarte, was es jetzt gerade denn wirklich braucht.

Ich entscheide, zukünftig etwas selektiver vorzugehen, mir Fragen zu stellen, wie: Wo stockt es in meiner Praxis/in meinem Leben gerade? Was tut mir jetzt gut? Geht vielleicht auch einfach mal Schallplatten hören (nee echt jetzt) oder was Schönes schreiben, und die ganzen dicken Bücher lesen sich auch nicht von alleine.

Manno, eigentlich wissen wir es ja auch: Veränderung passiert genau hier. In mir, ganz allmählich. Keine Shortcuts. Dafür ist es nicht ganz so teuer und ich muss bei dem blöden Wetter nicht nochmal quer durch die Stadt. Geiler Event. I like. Interested. Going!

Wer mehr über Ricardia wissen möchte, bitte hier entlang: http://yungsyoga.com

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