Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.

Erlebe deine Lieblingslehrer beim Allstars Retreat auf Korfu vom 29.09. bis 06.10.2018!  >> Hier mehr erfahren...

Large mag yogalehrer shutterstock 311459837
Bild: Shutterstock.com

Traumberuf Yogalehrer? Jein.

Von Kristin Rübesamen

Der Beruf des Yogalehrers ist ein Mysterium. Einerseits ist er nicht geschützt, das heißt, jeder, der möchte, kann sich Yogalehrer nennen. Andrerseits spielt die sogenannte „Lineage“, die Tradition und das Wissen, das von Lehrer zu Lehrer weitergereicht wird, immer noch eine große Rolle, da wir es dieser Vermittlung verdanken, wie wir heute Yoga üben. Hier eine Checkliste für alle, die es sich gerade überlegen.

1. Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Eine mehrjährige Yogapraxis, in der Regel ein Mindestalter von 25 Jahren und eine bestimmte persönliche Reife. Dazu ein spirituelles Grundinteresse. Grundsätzlich ist Yoga kein Handwerk, das schnell erarbeitet werden kann, sondern verlangt eine tiefe innere Haltung. Und doch gibt es Techniken und Standards, die man sehr wohl lernen und üben kann und muss.

2. Was sollte ich in einer guten Ausbildung lernen?

Asanas: anatomisch präzise Ausrichtung und grundlegendes Verständnis der Asanas

Pranayama: Verständnis der wichtigsten Atem-Techniken und des Konzepts von Pranayama

Meditation: Wie unterrichte ich Meditation? Yoga Nidra?

Anatomie: praxisbezogene Grundkenntnis des Körpers

Didaktik: Unterrichtsdidaktik und Sequencing. Wie unterrichte ich sicher und sinnvoll? Gebrauch von Hilfsmitteln?

Psychologie: Was kann Yoga und was nicht? Wie helfe ich meinen Schülern? Wo sind meine Grenzen als Lehrer, und worin liegt meine Verantwortung?

Philosophie: Die Grundlagen des Yoga und das Studium zentraler Quellentexte wie des Yoga Sutra, der Bhagavad Gita und der Hatha Yoga Pradipika.

Zusätzlich: Therapeutisches Yoga: Einblick in die Vielfalt des therapeutischen Yogas

Oft werden für Fachgebiete wie Anatomie oder Philosophie Experten eingeladen, deren Namen und Qualität für die Qualität der gesamten Ausbildung einstehen. Die Szene ist noch überschaubar in Deutschland, und oft kannst du schon an den Veröffentlichungen der Experten oder ihren sonstigen Engagements erkennen, wieviel Erfahrung sie haben.

Eine Leseliste der Bücher, die in vielen Schulen verpflichtend ist, wird übrigens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit folgende Titel enthalten.


Dein Online-Yogastudio zu Hause
Für Anfänger und Fortgeschrittene. Trainiere mit den besten Yogalehrern unter 3 € die Woche (jederzeit kündbar).
JETZT MITGLIED WERDEN

3. Woher weiß ich, ob die Ausbildung gut ist?

Sobald eine der folgenden Abkürzungen hinter der Ausbildung steht: BDY/EYU, BYV (Yoga Vidya), 3HO (Kundalini), IYVD (Iyengar), SKA (Kneipp), SYVZ (Sivananda Yoga Vedanta). Aber auch Jivamukti Yoga, Spirit Yoga, Vishnus Couch bieten exzellente Yogalehrer-Ausbildungen an, ohne einem Verband anzugehören.

Informiere dich bei deinen Lehrern, wo sie ausgebildet wurden, welche Lehrer und Schulen sie empfehlen, zögere auch nicht, frischausgebildete Lehrer nach ihren Erfahrungen zu fragen.

Vor allem aber solltest du die Lehrer kennen, bei denen du dann schließlich die Ausbildung machst, und vorher mindestens einen intensiven Workshop bei ihnen gemacht haben.

Eine gute Ausbildung erkennst Du außerdem daran, dass sie dir nicht hinterhergeworfen wird, sondern mit viel Arbeit und Aufwand einher geht. Du wirst schriftliche Hausaufgaben ebenso machen müssen wie praktische Lehrübungen, und am Ende musst du eine Prüfung, in der Regel Theorie und Praxis, ablegen, bevor du ein Zertifikat erhälst.

4. Wieviel Zeit muss ich investieren?

Es gibt diverse Ausbildungsmodelle. Generell raten wir von dubiosen Kursen, die „in 10 Tagen zum Yogalehrer“ versprechen, ab. Eine solide Ausbildung dauert wenigstens 200 Zeitstunden, der BDY (Berufsverband der Yoga-Lehrenden in Deutschland) besteht auf 720 Unterrichtseinheiten, die sich über vier Jahre strecken können. Einige Intensivausbildungen schaffen die 200 Stunden auch in vier Wochen (wie Jivamukti Yoga, Yoga Vidya oder Bikram)

Ob du deine Ausbildung konzentriert machst, weg von zu Hause oder aber in dein Berufs- und Familienleben integrierst, hängt davon ab, was besser passt für dich. Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile. Alles, was du konzentriert lernst, mag kompakt sein und einen tiefen Eindruck hinterlassen, kann dich aber auch überwältigen. Alles, was du über einen längeren Zeitraum lernst, kann sich setzen, aber natürlich auch Gefahr laufen, nur einen flüchtigen Eindruck zu hinterlassen oder im Chaos des Alltags unterzugehen.

Es gibt Ausbildungen in 6 Wochen, 6 Monaten, über 2 bis 3 Jahre, Ausbildungen im Ausland, vor allem Indien, Spezial- und Zusatzausbildungen wie Yoga für Kinder, für Schwangere, für Dicke, für Menschen mit Depressionen und so weiter.

Informiere dich bei deinem Lehrer oder bei Gastlehrern, die dir gefallen. Je bereitwilliger sie dir Auskunft auch über die möglichen Nachteile der Ausbildung (zu viele Schüler, zu wenig Anatomie, zu viel Gruppendruck) geben, umso glaubwürdiger ist ihre Auskunft. Jede Ausbildung, auch die beste, hat Nachteile (manchmal nur geographisch, weil in Puerto Rico...), die aber nicht weiter ins Gewicht fallen müssen, wenn die Grundausrichtung stimmt.

Du solltest außerdem bei der Überlegung, wieviel Zeit du brauchst, dazu addieren, dass mit der tatsächlichen Ausbildung noch nichts gewonnen ist. Erst die Praxis wird dich zu einem guten Lehrer machen, und das kann Jahre dauern.

5. Wieviel Geld muss ich investieren?

Yoga-Ausbildungen sind teuer und können bis zu 10.000 Euro kosten. Solltest du vorhaben, ausschließlich als Yogalehrer zu arbeiten, musst du dich zusätzlich auf eine finanzielle lange Durststrecke einstellen, bis du so etabliert bist, dass du von Yoga tatsächlich leben kannst.

6. Was werde ich verdienen?

Da Yogalehrer kein geschützter Beruf ist, gibt es keine Bezahlung nach festem Tarif. In der Regel aber gilt: Wenn du nicht zu den wenigen Starlehrern gehörst, wirst du unter Umständen sehr viel weniger verdienen als in deinem alten Beruf. Viele kleine Yogastudios, aber auch Fitness-Center zahlen oft nicht mehr als 25 bis 30 Euro pro Stunde (90 Minuten). Du kommst also, selbst wenn du an 6 Tagen jeweils 3 Stunden (3 x 90 Min. plus 60 Min. eigene Praxis plus Fahrwege, Vorbereitung) unterrichtest, im Monat nur auf 2.160 Euro brutto, die du mit 19 % Mehrwertsteuer versteuern musst. Zudem solltest du eine Haftpflichtversicherung abschließen und dich darüber informieren, ob du eine Rentenversicherung bezahlen musst (Du bist in der Regel versicherungspflichtig, sobald du über 450 Euro im Monat verdienst).

Dazu kommen Kosten für eine Webpage, und alles, was für den kaufmännischen Bereich im Leben eines selbstständigen Yogalehrers anfällt.

Wir wollen keine Spielverderber sein, aber du solltest auch Geld zurücklegen für die Tage, an denen du krank bist, in Ferien fahren willst, und natürlich für deine Altersversorgung.

Wenn es dir ernst ist, mache zusätzlich einen Kurs beim Arbeitsamt oder der Handelskammer, um herauszufinden, welche Kosten auf dich zu kommen, wie die Rechtslage ist, und welche Versicherungen du brauchst.

7. Warum will ich Yogalehrer werden?

Um deine Praxis zu vertiefen. Das ist für viele Menschen, die eine Yogalehrerausbildung machen, tatsächlich der erste, auch sehr ehrenwerte Grund, den sie nennen, manchmal aber auch nur ein Vorwand sich selbst oder der Umwelt gegenüber. Tatsächlich kommen viele im Verlauf der Ausbildung auf den Geschmack und wollen doch unterrichten. Höre also genau in dich hinein. Wenn du nur mehr Yoga willst, könntest du auch einfach mehr üben, Retreats besuchen und gute Yogabücher lesen. So bleibt es ein Hobby oder eine Herzensangelegenheit, ohne dass es gleich zum Beruf werden muss. Eine intensive Auseinandersetzung mit Yoga, wie sie eine Ausbildung bildet, ist allerdings eine großartige Gelegenheit, nicht nur über Yoga, sondern auch über dich selbst etwas zu erfahren. Sich diese Zeit zu nehmen, ohne danach zu unterrichten, ist ein legitimer Anlass und keinesfalls schlechter als der Wunsch nach einer neuen Karriere.

Um etwas Sinnvolles zu tun. Auch das ist ein ehrenwerter und seriöser Grund. Ein Großteil der Gesellschaft kommt immer noch nicht in den Genuss von Yoga, weil es zu teuer oder gedanklich zu fern ist: Hier wartet jede Menge Arbeit auf uns, und du könntest im Prinzip loslegen. Solange du nicht erwartest, dass dir dafür ein Orden verliehen wird. Es gibt nichts Besseres, als Menschen Gutes zu tun, und tatsächlich kannst und wirst du Menschen als Yogalehrer helfen. Aber du wirst es auch mit ignoranten Schülern, geizigen Studiobesitzern und neidischen Kollegen zu tun bekommen. Erwarte also nicht, dass die Yogawelt so viel besser ist als die, aus der du vielleicht so dringend weg willst. Auch Yogis sind nur Menschen. Denk an die Botschaft der Bhagavad Gita: Handle aus Liebe, und schiele nicht danach, was es dir bringt.

Um berühmt und reich zu werden. Auch wenn das niemand zugeben würde, das Bild berühmter Yogalehrer, denen alle zu Füßen liegen, mag heimlich ausschlagend sein für einige, ebenfalls diesen Berufsweg einzuschlagen. Achtung – außer du bist Marketingspezialist oder stellst jemanden an, der eine solche PR-Strategie für dich entwickelt, dürfte das schwierig werden. Es gibt bereits jede Menge Yogalehrer, und niemand hat auf dich gewartet. 

8. Woher weiß ich, ob es das Richtige für mich ist?

Geht es dir darum, deine Asanapraxis zu vertiefen, genügt es auch, einfach mehr zu üben.

Geht es darum, tiefer in die Philosophie einzusteigen, genügt es, die richtigen Bücher zu lesen und vielleicht einen Gesprächskreis (Satsang) zu gründen oder einem beizutreten, um relevante Fragen zu diskutieren.

Geht es darum, keine Wutanfälle mehr zu haben, nicht mehr ins Büro gehen zu müssen oder zehn Kilo abzunehmen, bist du vielleicht mit einer Psychotherapie oder einem langen Gespräch mit einer guten Freundin besser beraten.

Nur wenn du bereits einige Jahre aktive Yogapraxis hinter dir hast, und dein Ziel darin besteht, deinen Schülern auf ihrem Yogaweg zu helfen, solltest du diesen Beruf ergreifen. Dann ist es ein wunderbarer Beruf, der dich sehr glücklich machen kann.