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Bild: Wikipedia | Free Public Domain - Paramahansa Yogananda. Autobiography of a Yogi.

Tote Yogis leben länger: Parahamsa Yogananda

Von Kristin Rübesamen

Die „Los Angeles Times“ nannte ihn den ersten „Superstar Guru des 20. Jahrhunderts“. Es war angeblich das einzige Buch, das Steve Jobs auf seinem Rechner hatte: die „Autobiographie eines Yogi“ von Paramhansa Yogananda. Bis heute steht das 503 Seiten lange Buch auf den Leselisten der meisten Yogalehrer-Ausbildungen. Es gibt sogar ein Hörbuch, gelesen vom Schauspieler Robert Atzorn („Unser Lehrer Doktor Specht“). Selbst in der Gefängnisbibliothek von Guantanamo steht es in französischer Ausgabe. Viele Jahre vor Jobs füllte Yogananda überall in Amerika Auditorien und begeisterte seine Zuhörer mit, ja was eigentlich?

Der Steve Jobs der Sinnsucher

Er war nicht der Erste, der behauptete, es gebe eine Verbindung zwischen Körper und Geist. Das findet wir bereits bei Hippokrates, der griechischen Arzt (370 v.Chr.) Und auch nicht der erste, der behauptete, „die materielle Realität ist nicht die höchste Realität“. Auch das kann bereits beim griechischen Philosophen Platon nachlesen. Und doch verehrten ihn seine Anhänger wie einen Heiligen, also eine göttliche Inkarnation. Er gründete die Yogoda Satsanga Society of Yoga und die Self-Realization Fellowship und machte den Kriya Yoga im Westen populär. Weil er für die Sinnsucher das bereitstellte, was Henry Ford für das Auto getan hat? Sinnproduktion für die Massen?

War er vielleicht einfach nur charismatisch und zur rechten Zeit am rechten Platz?

Das spirituelle Wunderkind

Diejenigen, die den Mann, der von sich behauptete, bereits im Mutterleib bei vollem Bewusstsein gewesen zu sein, nicht leibhaftig erleben konnten, lasen sein Buch. Erstmals 1946 erschienen erzählt es die Lebensgeschichte eines „spirituellen Wunderkinds“, wie ihn Deepak Chopra nannte. Das Buch, das den Yogi mit weichen Locken und den freundlichen Augen auf dem Titel zeigt, gehörte zur Grundausstattung in jeder Hippie-Bibliothek neben Hermann Hesses „Siddharta“, Erich Fromms „Die Kunst des Liebens“ und Jack Kerouacs „Unterwegs“.

Aufgewachsen in der indischen Oberschicht

Auch Yogananda war unterwegs, aber er war kein Hippie. Im Gegenteil, er wuchs als Sohn eines hochrangigen Beamten der Oberschicht auf, durfte das Scottish Church College, das zur University von Kalkutta gehörte, besuchen und trat nach Abschluß einem hinduistischen Orden bei. 1917 gründete er die Yogoda Satsanga Society. Seinen Namen „Paramahansa“ bekam er zwanzig Jahre später wie einen Titel verliehen. Er bedeutet übersetzt so etwas wie „höchster Schwan“. Sein Guru Yukteswar Gir schickte ihn los, um den Westen zu bekehren, und gab ihm den Auftrag, Kriya Yoga bekannt zu machen. Obwohl er Indien nicht gerne verließ, folgte er 1920 einer Einladung, als indischer Delegierter am „Congress of Religious Liberals“ in Boston zu sprechen: sein Durchbruch als Guru.

Kriya Yoga: Die "Autobahn zum Glück"

Kriya Yoga bedeutet „Yoga des Handelns“, ist ein Zweig des Raja Yoga, also jener Wissenschaft von Patanjali, in der die meisten von uns heute üben, und hat seine Wurzeln in den Upanishaden. Ohne Yogananda, der die Methode vereinfachte und so verdichtete, dass sie sein amerikanisches Publikum sofort verstehen konnte, wäre Kriya Yoga vielleicht nie bekannt geworden bei uns. Yogananda aber war klug. Nach Jahren in Amerika, in denen die Resonanz auf seinen Vorträge zurückhaltend blieb, feilte er an einer Art Bühnenprogramm und nannte seine Technik, die im wesentlichen auf Atemübungen und Mantra bestand: „Schnellstraße zu Gott“. Mit diesem Bild (siehe Henry Ford) konnten die Amerikaner etwas anfangen.

Der Star der Hörsäle

Die 20er Jahre hießen nicht umsonst die „verrückten“ 20er Jahre. Sie waren gekennzeichnet durch den Bruch mit Tradition und den Einbruch der Moderne. Neue Technologie (Radio, Kino, schnelle Autos), ein starker Finanzmarkt an der Wall Street, der Sound von Jazz und das Entdecken von Celebrities (Stummfilmstars und Sportstars) schafften ein Klima, in dem die Leute plötzlich auch offen waren für einen Inder mit verrückten Ideen. Die Idee, auch spirituell wachsen zu können, traf auf den amerikanischen Abenteurergeist einer liberalen Oberschicht, die ihn mit Spenden unterstützte.

Yogananda reiste 1924 durch Nordamerika und füllte die Carnegie Hall in New York und das Philharmonic Auditorium in Los Angeles bis auf den letzten Platz wie heute Bono. 1925 gründete er in Los Angeles den Hauptsitz der SRF (Self Realisation Foundation) und baute sie aus. 1927 wurde er sogar vom amerikanischen Präsidenten Calvin Coolidge im Weißen Haus empfangen. 1935 reiste er durch Europa und noch einmal in seine Heimat Indien. Irgendwann in den 30er Jahren, zurück in Amerika, muss ihm der Rummel zu viel geworden sein und er zog sich zurück, um zu schreiben.

Wenn Du mehr über Kriya Yoga wissen willst:
http://www.babajiskriyayoga.net

Der Film 'Awake' handelt vom Leben und Einfluss Yoganandas: 


BIldnachweise:
Yogananda als 6-jähriger: wikimedia commons
Yogananda beim '1920 International Congress of Religious Liberals' in Boston: wikimedia commons