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Fake Yoga? Ja, das gibt's.
Bild: Shutterstock

Fake Yoga? Ja, das gibt’s.

Von Kristin Rübesamen

Darf ich sie kurz beschreiben? Die Yogalehrerin, die mich dazu brachte, über Fake Yoga nachzudenken. Ausgestattet vom vielzitierten amerikanischen Luxuslabel, das auf Öko macht, schwebte sie durch den Raum: eine Yogafee, eine Fake-Fee, eine Computersimulation, perfekt bis auf den schleppenden Singsang, mit dem sie uns herumschubste. Nur logisch, dass ich mir nach einer gewissen Zeit dachte im Zeitalter von Wahrheit und Lüge: Ist das überhaupt Yoga, was hier unterrichtet wird, oder ist das Fake?

Yoga kann viel sein, auch Fake

Yoga soll so vieles sein. Es gibt keinen seriösen, einheitlichen Begriff. Eine Definition scheitert schon im Rahmen des überlieferten Materials, aber auch zeitgenössische Konzepte unterscheiden sich krass voneinander und kommen zu keiner Einigung. Yoga ist vieles – und ich höre euch applaudieren, denn was gibt es schon gegen Vielfalt zu sagen? Wenn Yoga aber vieles sein kann, wie können wir dann mit Sicherheit sagen, welches das richtige und welches das falsche Yoga ist?

Porno Yoga

Eine bewährte Kategorie ist unser Gefühl. Das Yoga, das die Yoga-Fee unterrichtete, fühlte sich so an, als habe sie es vor der Kamera einstudiert. Es sah aus, als habe sie jeden Schwung ihrer glattgeföhnten Haare geprobt, jede Wimper spirituell korrekt gebürstet und jedes langgezogene „Jaaaaa“, mit dem sie uns regelmäßig aufmunterte, so liebevoll und erotisch, dass man unweigerlich einen putzigen Porno-Hintergrund dazu assoziierte.

Fehlerfrei und trotzdem Fake

Gefühl allein aber darf nicht den Ausschlag geben, sonst unterscheiden wir uns nicht von den Parteien, die Emotionen nutzen statt Argumente. Es muss also sachliche Kriterien geben für einen ehrlichen Yoga-Unterricht. Zum Beispiel: Aufbau und Inhalt der Stunde. Hat die Yoga-Fee etwas falsch gemacht? Vielleicht, wenn man sehr pedantisch ist, könnte man sagen: Sie hat zu viele Asanas in die Stunde gepackt, kurz vor Ende der Stunde die Energie noch mal hoch gefahren und während Savasana noch mal mit Pornostimme gesagt, was wir jetzt fühlen sollen. Aber sonst war es eine durchweg solide Stunde. Niemand hat sich verletzt, niemand ist zu Schaden gekommen, jedermann verließ in besserer Laune den Raum, als er ihn betreten hat. Jemand gratulierte ihr sogar noch zu ihrer „Authentizität“. Gut, ein Standardkompliment. Aber immerhin.

McDonalds Yoga. Das denke aber nur ich.

Die Yoga-Fee war womöglich nur für mich Fake. Nur ich habe vor meinem inneren Auge in dieser Stunde klebriges Lipgloss vor mir gesehen, das McDonald's-Logo, Rosa und alberne Sektkelche. Nur für mich wurde diese Stunde zur harten Prüfung, nur ich musste im Falschen das Wahre suchen, nur ich war mit meiner Feindseligkeit konfrontiert. Nur ich... und so weiter. Ich habe in dieser zuckrigen Yogastunde mehr über mich gelernt als bei vielen geliebten Kollegen, die auf meiner Wellenlänge schwimmen.

Fazit: Ja, es gibt Fake Yoga. Es gibt Lehrer, die sich nur an der Oberfläche orientieren, die nach Likes und Leistung schielen, die ihre Schüler vernachlässigen und eine Show abziehen. Die Zuckerfee war keine Fake-Fee, sie hat sich redlich Mühe gegeben. Sie war nur nicht mein Fall. Mit Wahrheit und Lüge hat das nichts zu tun.

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