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Einsam an Weihnachten? Du bist nicht allein
Bildquelle: Shutterstock.com

Einsam an Weihnachten? Du bist nicht allein

Von Kristin Rübesamen

Feiertage und allen voran Weihnachten sind Tage, die man mit seiner Familie und geliebten Menschen verbringt und im Idealfall auch verbringen möchte. Wie sehr dieses Bedürfnis tatsächlich in uns steckt, wie sehr es uns durch Tradition und Erziehung zur Gewohnheit geworden ist, spielt kaum eine Rolle. Tatsache ist, dass Menschen, die diesem Brauch nicht folgen, in Erklärungsnot geraten, nicht nur der Gesellschaft gegenüber, sondern auch sich selbst. An Weihnachten alleine zu sein, bedeutet für diejenigen, die nicht freiwillig allein sind, soviel wie ein Offenbarungseid: sie haben das Gefühl, gescheitert zu sein. Mit diesem Unsinn sollten wir als erstes aufräumen.

Frau Müller allein zu Haus

Betroffen sind längst nicht nur alte Leute, auch junge Leute, auf den ersten Blick gut eingebettet in ihren sozialen Netzwerken, fühlen sich laut einer britischen Studie, die im Zusammenhang mit der Aktion „ A Life less lonely“ (Ein Leben weniger einsam) entstand, isoliert. Sie sehnen sich nach "echten" Begegnungen, und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

An Weihnachten alleine zu sein, wäre vermutlich viel leichter zu ertragen, wenn dahinter nicht eine grundlegendere Erfahrung von Isolation stecken würde. Wer das ganze Jahr mit Freunden und Familie in Kontakt steht, kann ein paar Tage in Ruhe gut wegstecken. Wer das ganze Jahr über nicht weiß, wen er anrufen soll, wenn es ihm schlecht geht, der wird die leergefegten Straßen und die Stille in der Stadt nicht als erholsam, sondern als zutiefst bedrückend empfinden. Eine andere Studie der Brunel University kam wiederum zu dem Ergebnis, dass die Einsamkeit an Weihnachten halb so wild, und als weniger schmerzhaft empfunden würde als zum Beispiel im Sommer, wenn die Tage lang sind und alle auf der Straße. In jedem Fall gilt: Einsam sein tut weh. Und, falls einen das dann noch interessiert: Ist ungesund.

Einsamkeit ist so ungesund wie 15 Zigaretten täglich

Es sind nicht nur die Dauerstimulation und der faktische Stress in der Großstadt, der die Menschen verändert und anfällig macht für psychische Krankheiten. Mazda Adli, Leiter des Forschungsbereiches Affektive Störungen an der Berliner Charité und Chefarzt der Fliedner-Klinik, sagte vor einiger Zeit dem Spiegel, dass „Stress dann gesundheitsrelevant wird, wenn der Einzelne sich nicht nur räumlich eingeengt und zugleich isoliert fühlt, sondern auch das Gefühl hat, seine Umgebung nicht kontrollieren zu können. Das ist die toxische Mischung.“ Vermutlich deshalb würden beispielsweise "Migranten, die in einem sozial schwächeren Viertel zusammen lebten, seltener psychisch krank als solche, die allein in einer besser gestellten Umgebung wohnten." Die Rechnung, dass Einsamkeit so ungesund sei wie 15 Zigaretten täglich, war dann natürlich eine schöne Schlagzeile und eine willkommene Gelegenheit, um sich über Gesundheitsapostel lustig zu machen. Die Frage ist, wie sinnvoll diese Aufrechnung ist, und ob sie nicht von den eigentlichen Ursachen ablenkt.

Psychisch krank durch Ausgrenzung

Dabei muss man genau hinsehen. Frau Müller wird an Weihnachten vielleicht von ihrem Neffen auf einen Eierlikör besucht und darf sich glücklich schätzen, auf der Straße nicht abfällig angeschaut zu werden. Welche Folgen dagegen die aktive soziale Ausgrenzung von Einwanderern für deren Gesundheit hat, ahnt der Direktor der Charité-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Andreas Heinz, in einem Interview mit Spiegelredakteur Jörg Blech: „Wenn zu viele gewachsene, soziale Strukturen weggespart werden, reißt das Auffangnetz irgendwann.“ Ob eingewandert oder alteingesessen: durch die Gentrifizierung von Straßen und ganzen Stadtvierteln fallen die Anlaufstellen weg, an denen sich Menschen treffen und austauschen können.

Klar, Yoga verbindet: aber manchmal ist ein Topf Spaghetti wichtiger

Was heißt das für uns Yogis, die wir schließlich Experten darin sein wollen, Körper und Geist zu verbinden, Experten in Wahrnehmung und Achtsamkeit, die hastig ins Yogastudio rennen, ohne nach links und rechts zu schauen? Was würde es bedeuten, die Sinne einmal nicht nach innen zu ziehen?

Ganz einfach: Reden wir mit unsern Nachbarn. Reden wir nicht nur mit den Nachbarn, die wir kennen, sondern auch mit denen, die wir nicht kennen. Laden wir an Weihnachten jemanden ein, der allein ist. Haben wir keine Scheu davor, eine Abfuhr zu kassieren. Vergessen wir nicht, dass jeder gerne eingeladen wird, selbst wenn er die Einladung ablehnt, wird er sich besser fühlen. Denken wir nicht, wir sind fein heraus, nur weil wir im Kreis unserer Liebsten eine fette Gans zersäbeln und das Weihnachtsoratorium besonders laut aufdrehen, um nicht die Stille von nebenan zu hören. Nächstenliebe heißt, die Tür aufzumachen, nicht zu.

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