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Bild: iStockphoto.com

Kinderyoga – anders als mit Erwachsenen

Von Romana Lorenz-Zapf

Wenn man Kinder beim Spielen zuschaut, kann man deren Fähigkeit beobachten, sich ganz in das Spiel hineinzubegeben und vollständig im Hier und Jetzt zu sein. Die Begeisterung, die Kinder für neue Situationen aufbringen können, die Neugierde, mit der Kinder ihre Welt entdecken und die Freude an Kleinigkeiten, wie einen Marienkäfer zu beobachten, kann uns Erwachsenen sehr viel lehren.

Warum sollten Kinder also Yoga machen, wenn sie doch sowieso fest im Hier und Jetzt verankert sind? Was bringt Yoga Kindern überhaupt, wo sie doch sowieso beim Spielen im Fersensitz sitzen, über den Boden robben  oder durch den Wald rennen?

Leider fordert das Computerzeitalter seinen Tribut: Immer mehr Kinder verbringen ihre Freizeit vor dem Computer, mit dem Handy oder Videospielen. Dazu kommt noch der Leistungsdruck in der Schule und der Vergleich mit gleichaltrigen Kindern. Auch der immer schneller werdende Informationsfluss und die zahlreichen außerschulischen Aktivitäten, die Eltern ihren Kindern aufhalsen, erstickt die Phantasie und untergräbt die Fähigkeit der Kinder, sich selbst zu erfahren und zu entdecken. Kinder verlernen, sich selbst kleine Ruhe-Inseln zu schaffen. Sie wissen nicht, wie sie mit ihren Emotionen umgehen sollen, die sich während des vollgestopften Alltags ansammeln.

Auf welche Weise profitieren Kinder von Yoga?

Yoga bringt Kinder wieder in einen Zustand des „Kind-sein-könnens“. Sie können ihrer Phantasie freien Lauf lassen und sich in eine neue Welt hineinbegeben. Eine Welt, die ihnen ermöglicht, sich ohne Leistungsdruck und Vergleich spielerisch mit sich und ihrem Körper zu beschäftigen. Viele Kinder lernen hier erstmals, wie sie den inneren „Druck“ loswerden können und dass sie auch mal schreien oder wütend sein dürfen. Das Yoga gibt ihnen die Möglichkeit,  ihre Aufmerksamkeit nach innen zu lenken aber auch mal laut und stark zu sein. Sie können erfahren wie es ist, sich selbst zurückzuziehen und sich auf der anderen Seite auch einmal mutig wie ein Löwe zu fühlen.

Die Wirkung von Yoga auf Kinder ist nachhaltig und umfassend wissenschaftlich belegt. Neben der Verbesserung der muskulären Leistungskraft beruhigt Yoga bei Kindern nachweisbar die Atmung, baut Spannungen ab, verbessert die Koordinationsfähigkeit sowie die Konzentration und wirkt positiv bei Kindern mit ADS und ADHS.  Auch konnten positive Effekte auf das visuelle Erinnerungsvermögen und positive Veränderungen in Wohlbefinden, psychischer Stabilität sowie ein verbessertes Sozialverhalten nachgewiesen werden.

Wie unterscheidet sich Kinderyoga von Erwachsenenyoga?

Der gravierendste Unterschied ist die Art und Weise der Vermittlung. Während in einem Yogakurs mit Erwachsenen die Haltungen erklärt werden, sind Kinder die Übung selbst. Macht ein Erwachsener einen herabschauenden Hund, erklärt der Lehrer die Fuß- und Handposition. Kleinkinder (und auch Schulkinder bis zu einem gewissen Alter) springen dagegen direkt in den Hund und bellen laut! Während ein Erwachsener also genau das macht, was der Lehrer sagt und vorzeigt, verinnerlichen Kinder eine Übung in ihrem ganzen Sein und empfinden das Gefühl, das mit der Übung mitschwingt.

Das erleichtert in gewisser Weise das Anleiten der Übungen, da man hier nicht wie in einem Kurs mit Erwachsenen auf die Ausrichtung des Körpers eingeht, sondern eher das Thema der Übung, also das Tier oder deren Eigenschaften in den Vordergrund stellt. Aber es ist auch eine kreative Herausforderung: Kinder freuen sich nämlich sehr über schöne Geschichten zu den Yogaübungen, gestalten oftmals die Geschichte oder die Übungen mit - und sind alles andere als ruhig dabei! Kinder brauchen die Bewegung, genießen das „Kind-sein-können“ und  gerade auch das „nichts-müssen“ im Yoga sehr.

Das Yoga mit Kindern ist also ganz anders als mit Erwachsenen und sehr im „Hier und Jetzt“ verwurzelt. Immer spannend, immer aufregend und vor allem neu. Keine Stunde ist gleich, sondern wie die Kinder selbst – voller Überraschungen!

Ab welchem Alter sind Kinderyoga-Stunden sinnvoll?

Grundsätzlich können schon die Kleinsten Yoga machen. Das Yoga sollte sich jedoch dem Alter anpassen. Kleinere Kinder bis 4 Jahre machen zwar mal einen Hund oder eine Katze, können sich jedoch noch nicht lange konzentrieren. Hier ist spielerisches Herangehen gefragt. Längere Yoga-Einheiten sind erst ab fünf Jahren sinnvoll. Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren, also im Kindergartenalter, brauchen dabei eher einen Wechsel zwischen Yoga-Übungen, Geschichten und Spielen brauchen. Grundschulkinder möchten dann schon ernsthafter Yoga üben. Ab dem Alter von 10 bis 14 Jahren wollen die Präpubertierenden dann schon wie Erwachsene Yoga üben, wobei man hier auch noch dem Alter entsprechend bestimmte Übungen einbauen kann, die Themen der Jugendlichen aufgreifen.

6 Tipps, wie Eltern ihr Kind am besten an Yoga heranführen können

1. Vormachen, vorlesen, Yoga-Karten

Am Besten macht man selbst Yoga. Meist werden die Kleinen dann sofort neugierig und machen die Übungen einfach nach. Gut funktionieren auch Yoga-Geschichten, in denen viele Tiere vorkommen und die man dann jeden Tag ein Stück weiter erzählen kann. Dann bleibt die Lust und Spannung erhalten. Diese Tiere kann man dann zusammen nachmachen.

Es gibt auch schöne Bücher mit Yoga-Geschichten. Dadurch kann man Vorlesen mit Yoga-Übungen verbinden und damit zwei Aspekte zusammenbringen, die Kleinkindern Freude machen. Sina und die Yoga-Katze von Ursula Karven eignet sich perfekt für 4 bis 7-Jährige.

Für Schulkinder eignen sich Yoga-Karten sehr gut, auf denen die Wirkungen stehen. Dann können die Kinder selbst Karten nach dem Zufallsprinzip ziehen (Kinder freuen sich sehr, wenn das Thema zufällig zu ihrem Leben passt!). Oder einfach Übungen auswählen, auf die sie gerade Lust haben. Wer nicht selbst Karten basteln möchte, findet in Fröhliche Verse zum Kinder-Yoga von Elke Gulden und Bettina Scheer Asana-Anleitungen in Form von bildhaften Versen sowie Entspannungsgeschichten (geeignet für Kinder von 4 bis 10 Jahren).

2. Selbst unterrichten lassen

Kinder spüren intuitiv, was ihnen gut tut und was nicht. Wenn ein Kind mal eine Übung vorführen möchte, kann man das ruhig zulassen und mitmachen. Das stärkt das Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

3. Viel erklären

Während Erwachsene einfach oft das machen, was der Yogalehrer sagt, interessiert Kinder brennend, warum man etwas macht und wozu es gut ist. Das hilft ihnen, die Übungen auch mal alleine zu machen. Ein Beispiel: Wie ein Löwe in ein Kissen brüllen hilft sehr gut, wenn man wütend ist (Erklärung für die Eltern: die verlängerte Ausatmung wirkt beruhigend).

4. Auf keinen Fall zum Yoga „schicken“!

Wenn ein Kind eigentlich Fußball spielen möchte, sollte man in dem Fall lieber dem Fußball zustimmen, als das Kind in einem Yoga-Kurs anzumelden. Die Chance, dass die Kinder dann freiwillig doch mal eine Übung probieren möchten, weil die Mutter immer so gute Laune danach hat, ist weit größer...

5. Alles kann – nichts muss

Yoga wirkt bei Kindern sehr gut, weil sie dort loslassen können. Das funktioniert nur, wenn sie nichts müssen. Korrekturen sind im Kinderyoga nicht empfehlenswert. Wichtig ist, dass die Kinder sich in die Tiere hineinfühlen, dass sie in Kontakt mit ihrem Gefühlen kommen. Also viel loben und üben, solange es Spaß macht. Die Zeit ist hier nicht so wichtig, denn bei Kindern wirken die Übungen viel schneller, da Kinder noch sehr offen und ohne Vorurteile sind.

Zum Vergleich: Eine Minute Entspannung wirkt bei Kindern in etwa wie zehn Minuten Entspannung bei einem Erwachsenen.

6. Krönender Abschluss

Am Ende des Yoga sollte immer eine kleine „Belohnung“ stehen: Ein toller Abschluss ist es, ein Yoga-Bild zu malen oder einer Entspannungs-Geschichte zu lauschen.

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