Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Large yoga ahimsa tierschutz
Bildquelle: Istockphoto.com

Ahimsa: Ist ein Fellkragen an der Winterjacke ok?

Von Kristin Rübesamen

Yogalehrerin mit Echtfell-Bommel

Vor einigen Monaten bekamen wir Post von einer Frau. Die Frau regte sich auf, weil in einem Video eine Lehrerin eine Mütze trägt mit einem Bommel aus... Echtfell. Huch, das war uns gar nicht aufgefallen. Das Video gibt es schon lange, viele Leute mögen es, ihnen ist es auch nicht aufgefallen. Genau das ist das Problem, sagt Kathrin Dörbaum, die uns geschrieben hat. Die Leute wissen nicht Bescheid. Sie wissen nicht, dass Pelz kein „Abfallprodukt“ ist, welches scheinbar moralisch weniger Anlass zur Kritik gibt: Denn das Tier ist schon tot, oder  dass es Pelztierzuchtfarmen gibt, in denen die Tiere nur wegen ihres Pelz getötet werden.

Pelz: Trotz weniger Akzeptanz boomt die Industrie

Aufgepasst, jetzt kommt es (liebe Frau Dörbaum, mit ihrer Genehmigung zitieren wir):

„2012 haben 73 % der Bevölkerung das Tragen von Pelz als Modeartikel abgelehnt, 2016 waren 80 % der Deutschen für ein Verbot von Pelztierzuchtfarmen in Deutschland (Quelle: www.pelz-war-leben.info). Die Menschen, die gegen das Tragen von Pelz sind, bekommen nicht mit, was unter ihren Augen geschieht. Man sieht seit Jahren keine ganzen Mäntel mehr, stattdessen ist eine Kragen- und Bommelmode aktuell geworden. Die echten Pelze fallen unter den vielen unechten Pelzbesätzen kaum auf, erst wenn man einen Blick dafür bekommt, echten Pelz von unechten unterscheiden lernt, kann man sie erkennen. Vor kurzem ist mir eine Gruppe von etwa 20 Kindern mit ihren Betreuern entgegengekommen, ein Viertel der Kinder hatte einen kleinen Echtfellbommel an ihrer Mütze."

Und es scheint, als ob sich dieser Trend durchsetzt: „Zwischen dem Jahr 2000 und 2012 steigerte sich der Umsatz der Pelzindustrie um 70 % (!). Zwischen 2001 und 2011 gab es ein Umsatzplus von 42 %, das bedeutet 31,5 Millionen mehr Tiere, die dafür umgebracht wurden, insgesamt pro Jahr weltweit 100 Millionen.“

Die Ursachen des Echtfell-Problems

Es handelt sich also, Achtung, wir schalten uns wieder ein, um zwei Probleme.

Erstens gibt es Menschen, die Tiere töten, um ihnen das Fell abzuziehen und zu verkaufen, obwohl es längst hübsche Alternativen gibt, an denen kein Blut klebt.

Zweitens tritt dieses Problem nur verdeckt in Erscheinung. Niemand läuft in ein Bärenfell gewickelt herum, und wenn, dann unter Beifall der Chefin der US Vogue, Anna Wintour, oder der Designerin Donatella Versace, ebenfalls Pelzjunkie. Wer echten Pelz trägt, hat doch meistens das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen und tut es damit, dass es ein Erbstück ist.

Wer dagegen einen Pelzkragen trägt oder jenen „Echtpelzbommel“ an der Mütze, der muss nicht rechtfertigen. Die Dimensionen scheinen zu läppisch, der Pelz zu winzig. Nun, nicht für die Industrie, siehe oben. Und schon gar nicht für die Tiere.


Schüttel-Meditationsprogramm
Unser 7-tätiges Meditationsprogramm mit Madhavi Guemoes von Kaerlighed.de. Für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet.
JETZT ANMELDEN

Was das mit Yoga zu tun hat?

Im Hinduismus werden Tiere verehrt und viele Götter als Tiergestalten abgebildet. Ein bekanntes Beispiel ist der Elefantengott Ganesha, der als halb Mensch und halb Tier in jedem anständigen Yogahaushalt auf dem Altar von Buxtehude bis Altötting steht. Bekannt ist auch die heilige Kuh, die unverdrossen durch Delhi läuft, nicht angebunden und auch nicht getötet werden darf.

Wir alle kennen das schöne Sanskrit Wort „Ahimsa“. Es heißt Gewaltlosigkeit und ist eine der Kardinaltugenden in jeder, nicht nur der hinduistischen Religion. Gewaltlosigkeit ist für uns Yogis ein wichtiges Gebot. Wir chanten problemlos „Shanti“ (Frieden) und rennen hinterher mit der Echtfellbommelmütze nach Hause. Wir sollten die berühmte Achtsamkeit, die wir uns selbst angedeihen lassen, auch den Tieren zugute kommen lassen.

Echt-Pelz ist aktueller günstiger zu produzieren als guter Kunstpelz. Na, kommt euch das vertraut vor? Eine Packung Tofu kostet im Vergleich zu den „Delikatess Rohschinken-Würfel“ das Doppelte. Wenigstens die Weihnachtsente solltet ihr unbedingt beim Bio-Bauern direkt kaufen. Dann fällt immerhin der Tatbestand der Massentierhaltung weg. Ob sich aber die Ente suizidal selbst ins Messer stürzte? Hmm.

Lösung: Echt-Fell erkennen - und am besten gar keinen Fellbesatz

Das letzte Wort gehört Frau Dörbaum: „Ich würde übrigens auch keinen unechten Pelz tragen, da so das Bild von Pelz in der Öffentlichkeit bleibt und man auch damit indirekt Werbung für echten Pelz macht. Wichtig ist aber auch, dass Menschen unterscheiden lernen: Auf der Internetseite www.gelabelt.de wird genau erklärt, woran man echtes Fell erkennt.