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 Oh, nein....Vertretungsstunde Chance
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Oh, nein... Vertretungsstunde!

Von Kristin Rübesamen

Im Yoga geht es unter anderem darum, den Moment zu spüren, das vielgerühmte Hier und Jetzt. Es ist genau dieses Versprechen, für die Dauer der Praxis alle Sorgen und Kümmernisse ruhen zu lassen, das uns auf die Matte zieht. Warum fällt es uns Yogis dann so schwer, wenn etwas anders läuft als geplant?

Leute packen empört zusammen

Die Erklärung ist verblüffend einfach: weil wir Yoga lieben und weil wir Yoga brauchen. Für die meisten von uns ist Yoga eben nicht ein Zufallsgeschenk, wie wenn sich an einem Regentag plötzlich Sonnenstrahlen durch die Wolken stehlen. Sondern eine Verabredung, die wir mit uns selbst treffen, weil dort etwas Wichtiges geschieht. Eine knappe Inventur unseres körperlichen Zustands, ein milder Blick auf unsere Gedanken, eine kräftigende Praxis und am Schluss eine erleichterte, endlose Ausatmung in der Gewissheit, am Leben zu sein.

Risikofaktor Ilse

Kein kleines Unterfangen, würde man sagen. Deshalb ist es wichtig, dass uns dabei die Lehrerin begleitet, die uns garantiert, dass auch alles glatt geht.  Deshalb gehen wir zu einer Lehrerin, die wir kennen. Deshalb reagieren wir ungehalten, wenn uns der Zufall eine Vertretung vor die Nase setzt, die das ganze Unternehmen gefährdet. Egal, wer vertritt, wir sehen diejenige als Risikofaktor und begegnen ihr in der Regel misstrauisch. Wer prüfen will, wie weit er auf dem Weg der Erleuchtung gekommen ist, muss sich nur selbst über die Schulter schauen, wenn Ilse, Hannes oder Arjuna die Stunde statt in unseres geliebten liegenden Schmetterlings im Handstand beginnen. Es haben schon Leute empört zusammengepackt, sobald sich eine Vertretung zaghaft vor die Klasse gestellt hat.

Warum der Zufall eine Chance verdient

Und hier, ihr habt es schon geahnt, lauert die Chance. Wenn es uns gelingt, der Vertretung den Platz einzuräumen, den sie verdient, gewinnen wir nicht nur die Möglichkeit, unter Umständen neue Aspekte im Yoga kennenzulernen, sondern räumen auch dem Zufall im Leben wieder mehr Platz ein.

Ein aufgewärmter Eintopf

Zu plump? Von wegen. Wenn es uns gelingt, den Unwägbarkeiten des Lebens mit weniger Grimm zu begegnen, profitieren wir selbst am meisten davon. Wenn wir etwas gelassener, das Wort muss jetzt doch fallen, auf die im Grunde doch lächerlichen Widerstände in unserem privilegierten Leben reagieren, werden sich diese Widerstände nicht auflösen, aber wir können sie etwas klarer als das erkennen, was sie sind: nur der Zug, in dem die Heizung ausfällt, die Steuerprüfung, die uns piesackt, der lieblos aufgewärmte Eintopf, der versalzen ist. Ich plädiere nicht dafür, immun zu werden gegen Überraschungen. Das wäre zu viel verlangt, das kann nur in die Hose gehen. Aber wer keine wirklichen Probleme zu bewältigen hat, sollte sich keine Pseudoprobleme schaffen.

Ich weiß nicht, was heute an den Schulen gezeigt wird. YouTube-Videos? Ich erinnere mich jedoch, dass sie die Schwarz-Weiß-Dokumentation über Skischanzen, die wir uns damals reinziehen mussten, eine wunderbar einschläfernde Wirkung hatten und mich gegenüber Graupelschauer nicht immun, aber doch ganz milde gleichgültig gemacht hat.

Let’s give Ilse a chance.

Und, das muss jetzt doch noch gesagt werden – bei uns hier auf YogaEasy gibt es keine Vertretungsstunden.

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