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Osho Sannyasin Bhagwan Rajneesh
Bild: Sangeet Duchane via unsplash

Osho: Seine Lehre – und das Leben als Sannyasin

Von Christiane Eitle

Die Meinungen seiner Kritiker und Bewunderer könnten nicht weiter auseinander gehen. Die einen sehen Osho als Sex-Guru, die anderen als inspirierenden Philosophen. Er wurde als Sektenführer bezeichnet, als spiritueller Meister, gern auch als Rolls-Royce-Guru, Reformist, Mystiker oder Erleuchteter. In den USA wurde er verhaftet, die evangelische Kirche betitelte ihn als „Droge Bhagwan” und bis 1980 distanzierten sich die meisten Inder noch vehement von ihm – heute jedoch stehen seine Bücher in der Bibliothek des indischen Parlaments neben denen von Mahatma Gandhi.

Experiment Osho: Utopie oder der Weg zur Wahrheit?

Osho war all das und nichts davon. Er war widersprüchlich wie seine Worte und inspirierte durch ein unfassbar breitgefächertes Wissen. Er forderte seine Anhänger heraus, sie lachten, weinten, schrien, tanzten und schüttelten sich die rigiden Strukturen der Gesellschaft aus dem Kopf. In der Kommune wurde die freie Liebe praktiziert, das Leben in vollen Zügen genossen und nach und nach gesellschaftliche Grenzen und Konzepte gesprengt.

Ob es eine Methode hinter all dem Chaos gab? Schockieren, die Menschen zum Nachdenken anregen, um ihre eigene Wahrheit zu finden? Was sicher ist: Osho traf den Nerv der Zeit. Die 1970er- und 80er-Jahre waren geprägt von sozialem Umbruch. Die junge Generation war wegen des Vietnamkriegs und der Atomkraft in Aufruhr, Hippies, sexuelle Revolution und Friedensbewegungen beherrschten die öffentliche Diskussion. Viele suchten ihre Identität, Antworten auf die großen Fragen – nicht wenige davon landeten bei Osho. Das Unberechenbare des Gurus war für die Jugend reizvoll, für die Medien und älteren Generationen stellte es eine Gefahr dar. Gerüchte und Vorwürfe über Vergewaltigungen, Ausbeutung, Gehirnwäsche, Gewalt und Kindertraumatisierung stehen auch heute noch im Raum. Dennoch, sein größtes Vermächtnis für uns im Westen: Er machte Spiritualität für die vom dogmatischen Christentum geprägten Köpfe verständlich, zugänglich und erfahrbar.

Es gibt unzählige Perspektiven auf die „Ära Osho”. Abgesehen von den älteren Generationen, Medien, Politikern und Religionsvertretern, haben auch die Sannyasins – so nannten sich die Schüler Oshos – im Ashram und den vielen weltweit verstreuten Kommunen und Meditationszentren individuell sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Für diesen Artikel habe ich die Eindrücke zweier ehemaliger Sannyasins, Stephan (später Pujan) und Betty, einfließen lassen. Pujan ist heute Vedanta- und Meditationslehrer und Betty Yogalehrerin. Von 1983 bis 1990 waren sie Sannyasins und verbrachten den größten Teil des Jahres in der Kommune in Oregon in den USA sowie im Ashram im indischen Pune. Ihre Sichtweise ist eine von vielen, und sie können sicherlich nicht für jeden Sannyasin sprechen. Dennoch sind solche individuellen Einblicke in ein Leben mit Osho wertvoll, um den Einfluss des umstrittenen Gurus besser zu verstehen.


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Osho: Warum er der richtige Guru zur richtigen Zeit war

Osho war im Laufe seines Lebens unter vielen Namen bekannt: Geboren 1931 als „Rajneesh“ Chandra Mohan Jain, nannte er sich auch Acharya Rajneesh, Bhagwan Shree Rajneesh und später Osho. Schon als junger Mann war er außerordentlich belesen und scheute sich nicht, seine politische Meinung über den Sozialismus, Gandhi oder den orthodoxen, heuchlerischen Hinduismus zu äußern. Er befürwortete Kapitalismus, Wissenschaft und Fortschritt und war besorgt über die ungesunde Unterdrückung von Sexualität in der indischen Gesellschaft. Der junge Rajneesh führte in Indien viele kontroverse Diskussionen und hielt mitreißende Vorträge.

So wurde er mehr und mehr zu einem gefragten spirituellen Lebensberater, der die Menschen mit seiner hypnotischen, verführerischen Ausstrahlung einnahm. Zu Beginn waren seine Anhänger vornehmlich Inder, jedoch kamen mit der Zeit immer mehr Menschen aus dem Westen zu ihm. Anfang der 70er zog er in den Ashram in Pune und initiierte die ersten Sannyasins, die fortan an orangefarbener und rötlicher Kleidung und einer Mala mit seinem Bild zu erkennen waren. Es waren keine traditionellen, zölibatären Sannyasins, sondern lebensbejahende Menschen, die entweder Antworten finden und spirituell wachsen wollten.

„Osho war genau der richtige Guru für die Zeit, denn er baute auf der Protest- und Hippiebewegung der 60er auf. Die ehemaligen Hippies wendeten sich entweder den Drogen oder der Spiritualität zu.”

Pujan

Pujan stolperte wie viele Studenten in dieser Zeit zufällig über Osho. Er studierte 1975 Psychologie in München und interessierte sich für Spiritualität. Neben angesagten Philosophen und Psychologen dieser Zeit, wie Erich Fromm und Krishnamurti, entdeckte er in einem Buchladen das Osho-Buch „Hammer on the Rock”. Die Bilder der glücklichen Sannyasins faszinierten ihn. Kurze Zeit später wanderte er nach Australien aus und klopfte an die Tür des Osho-Zentrums in Perth. Um Sannyasin zu werden, schrieb einen offiziellen Brief nach Pune und erhielt einige Wochen später die Zusage von Osho per Brief mit den Worten „I want you to be a declaration of bliss” – „Ich möchte, dass du eine Erklärung der Glückseligkeit bist” – und seinem neuen Namen: „Swami Satyam Pujan” („Wahre Anbetung”).

Ähnlich lief es für seine Frau Betty, die er später in Sydney kennenlernte. Sie war ebenfalls aus Deutschland nach Australien gekommen und freundete sich am Nacktstrand mit den offenherzigen, partylustigen Sannyasins an. Ihr Name wurde damals zu „Ma Satyam Nirav” („Wahre Stille”). Osho unterstützte die Kernelemente der Hippiebewegung: lange Haare, körperliche Nähe und gemeinsames Leben in der Gemeinschaft oder Kommune. Nicht zuletzt durch die Verbindung von Sexualität und Spiritualität war er ideal für die Generation.

„Er nahm die traditionellen Kriyas der alten indischen Texte und modelte sie für den westlichen Markt um. Asketische Yogabewegungen wurden für Hippies zugänglich, die populären aktiven Meditation wie dynamische Meditation und Kundalini-Meditation entstand aus Pranayama Kriyas wie Bhastrika.”

Betty

Spiritualität war durch Osho plötzlich nicht mehr asketisch und dogmatisch, sondern wurde sexy, lebendig und zu einem Fest. Gerne sprach er von „Sorbas der Buddha”. Sorbas war die Hauptfigur aus dem Film „Sorbas der Grieche”. Sorbas liebte es, das Leben zu zelebrieren, auch wenn um ihn herum alles zusammenbrach. Osho glaubte, dass unser spirituelles Wesen nur vollständig zum Ausdruck kommen kann, wenn wir auch das „materielle Leben” in seiner Fülle zelebrieren, Körper, Sexualität, Emotionen und Beziehungen in Harmonie mit der Umwelt leben und genießen. Als Fundament für unseren inneren Buddha und den spirituellen Weg.

Oshos Lehre: Alles und nichts, um die Wahrheit zu finden

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Osho hatte nicht die „eine Lehre, Doktrin und Wahrheit”. Seine Lehre setzt sich aus verschiedenen Philosophien, Sichtweisen, Mystik und Religionen zusammen. Dabei war sein Ziel nicht, ein rigides, dogmatisches Glaubenssystem zu erschaffen, sondern einen Weg zu offenbaren, die Wahrheit hinter allen von Menschen geschaffenen Konzepten zu finden und alle Perspektiven, Widersprüche und Facetten der menschlichen Erfahrung auf dieser Welt zu vereinen.

Tausende Sannyasins lauschten täglich seinen Darshans (hier: spirituelle Vorträge in der Gemeinschaft), in denen er über viele spirituelle Richtungen und Persönlichkeiten wie Jesus, Nietzsche, Mahavira, Buddha, das Judentum und zum Ende hin auch Zen-Buddhismus sprach. Mit seiner provokanten, humorvollen Art, spirituelle Texte zu kommentieren, machte er Spiritualität für sein Publikum verständlich. Er distanzierte sich vom steifen Dogma der Weltreligionen und Traditionen. Jeder Mensch, egal ob mit oder ohne Religion, kann religiöse, spirituelle Erfahrungen machen und zu einer tieferen Erkenntnis gelangen.

„Oshos großer Beitrag war, Spiritualität mit einfachen Worten verständlich zu machen. Für jeden, der sich spirituell öffnen wollte, war es genau das Richtige. In den 70ern gab es kein Google, und Informationen waren nicht so leicht zu beschaffen wie heute. Spiritualität wurde durch ihn erfahrbar und nicht etwas, worüber man nur lesen konnte.”

Pujan

Seine Lehren waren inspiriert von einem bunten Mix diverser geistiger Strömungen und Ideen wie der humanistischen Psychologie, Karma-Lehre, Sufismus oder Tantra. Dabei widersprachen sich seine Äußerungen oft, denn sein Ziel war nicht, eine schlüssige Lehre zu entwickeln, sondern seine Schüler zu befähigen, jenseits der Worte ihre Wahrheit zu finden: „Wer die Wahrheit sucht, muss den Sprung ins Unbekannte wagen.”

„Ich versuche euch zu helfen, zu meinem Fenster zu kommen, um den Himmel zu sehen, die Wahrheit zu sehen. Diese Wahrheit kann nicht beschrieben werden. Und aus dieser Wahrheit kann kein Dogma gemacht werden, und diese Wahrheit vereint alle Widersprüche in sich – weil sie so riesig ist. Also fahre ich fort, euch flüchtige Einblicke, Perspektiven von ihr zu geben: Eine Perspektive ist widersprüchlich zu einer anderen. Aber in der ganzen Wahrheit treffen sich alle Perspektiven und vermischen sich und sind eins.“

Osho

Diverse Religionssoziologen kritisierten ihn für die in ihren Augen widersprüchlichen, oberflächlichen oder sogar falschen Aussagen über philosophisches und religiöses Gedankengut. Dennoch gab es zugleich theologische Fakultäten, die ganze Seminare über seine Lehre veranstalteten und fasziniert waren von der spirituellen Offenheit der Sannyasins.

„Die Kritik ist durchaus berechtigt, jedoch etwas aus dem historischen Kontext gerissen. Jetzt, 30 Jahre später, stimmt das. Mit meinem Wissen von heute, würde ich keine Bücher mehr von Osho lesen. Zu dieser Zeit jedoch war die westliche Spiritualität so vom Christentum unterdrückt, dass wir ja keine Ahnung hatten. Es war nicht wichtig, ob der Inhalt exakt nach Lehrbuch wiedergegeben wurde. Uns wurden die Augen geöffnet, das war es, was zählte.”

Pujan

Die Osho-Therapien und -Meditationen

Im Osho-Ashram wurden keine religiösen Rituale durchgeführt, sondern verschiedene experimentelle Therapieformen angeboten. Im Westen wuchs damals das Interesse an modernen Therapieansätzen in der Psychologie. Seit den 60ern rückte im Rahmen des „Human Potential Movements” die individuelle Potenzialentwicklung und seelische Gesundheit der Patienten immer mehr in den Fokus. Viele Therapeuten kamen daher zu ihm, um die westliche Psychologie mit Meditation zu kombinieren. Am Ende waren es fast 80 verschiedene Therapieformen und Meditationen, mit bunten Bezeichnungen wie „Open the Heart”, „Surrender to the Now”, „Mystic Rose”, „Encounter”, „Primal” und „Enlightenment Intensive”.

„Ganz früher riet Osho dir persönlich zu der passenden Therapie. Später dann bist du zu einem Schalter gegangen, und eine Person, wie Pujan damals, hat dich beraten, welche Therapie für dich gut wäre. Die Therapien fanden immer in Gruppen statt und dauerten von einigen Tagen bis zu einem Monat und waren nicht günstig.”

Betty

Vor allem in der Zeit des Pune-Ashrams in den 70ern, bevor die Gemeinschaft in die USA ging, eskalierten diese Therapien zum Teil auf ekstatische und gewaltsame Weise. Um (sexuelle) Blockaden zu lösen und zu seinem innersten wahren Wesen durchzudringen, wurde in Tantra-Gruppen Sex mit verschiedenen Partnern empfohlen. In den Encounter-Therapien ging es um authentische Konfrontationen, und dabei kam es teilweise zu Knochenbrüchen und vermutlich Vergewaltigungen. Der Hintergedanke dieser Ansätze war „Schattenarbeit” als Therapiekonzept. Durch Bloßstellung und Konfrontation sollten sich die Teilnehmer mit ihren „dunklen Emotionen” auseinandersetzen und dadurch zu mehr Bewusstsein und Klarheit gelangen. „Wir experimentieren hier mit allen Möglichkeiten, die das menschliche Bewusstsein heil machen und einen Menschen bereichern können“, so Osho.

Das Herzstück aller Meditationen war die berüchtigte „dynamische Meditation”, die von allen jeden Morgen eine Stunde lang praktiziert wurde. Sie ist eine aktive Meditationstechnik, die Osho für den westlichen Menschen entwickelte. Die dynamische Meditation führt durch verschiedene Phasen, mit intensiver Bewegung und holotroper Atmung, in eine befreiende Katharsis. Das Unbewusste wird befreit, der Körper geht in einen unkontrollierten Zustand von Schreien, Weinen oder Lachen. Das Ziel der Anstrengung ist, das eigene Ego zu überwinden, die Konditionierung loszulassen und so zu Ruhe und Stille zu finden. Diese Meditationstechnik wird auch heute noch in Psychotherapien eingesetzt. Weitere Osho-Meditationen sind die Kundalini-Schüttelmeditation oder „Mystic Rose”, bei der drei Wochen lang jeden Tag drei Stunden gelacht, geweint und in Stille verweilt wurde.

„Das Spannende ist, dass man zu diesen Workshops nicht unbedingt ging, weil man ein Problem hatte, sondern weil man erforschen wollte, ob ein Problem vorhanden ist. Es war keine schwere Arbeit. Es wurde vielmehr erwartet, dass wir Spaß hatten und uns verbinden. Die Therapien konnten sehr tief gehen und Einblicke in das Selbst ermöglichen. Sie basierten auf klinischer Psychologie und wurden mit Oshos spirituellem Verständnis kombiniert”

Pujan

Wenn du gerne mal eine Schüttelmeditation ausprobieren möchtest, empfehlen wir dir unser Video von Madhavi Guemoes (du musst auch nichts Orangefarbenes tragen...):

Yoga Video SchüttelmeditationYogaEasy-Video abspielen

Ein Leben mit Osho – Kommunen und Ashrams

Das Leben als Sannyasin zu beschreiben, ist eine höchst subjektive Geschichte. Wie Oshos Anhänger die Zeit mit ihm erlebt haben, kommt nicht nur auf die individuelle Situation und Persönlichkeit an, sondern auch auf den Zeitpunkt und Ort. Allgemein gab es den Ashram in Indien, die Zeit in den USA, die Jahre nach den USA und diverse Kommunen und Osho-Zentren auf der ganzen Welt.

„Wir wurden damals entweder als manipuliert und dumm bezeichnet oder bewundert und beneidet. Meine Eltern haben mich sogar einem Exorzismus unterzogen.”

Betty

Von 1974 bis 1981 wuchs der Ashram in Pune rasant, und Zigtausende Menschen pilgerten nach Indien. Schnell entwickelte sich eine ganze Infrastruktur mit Bäckereien, einem Gesundheitszentrum, eigener Schneiderei für die Roben und diversen Geschäften. Die Anhänger arbeiteten viele Stunden am Tag umsonst und kreierten gemeinsam ihre eigene neue Gesellschaft.

In den 70ern war der persönliche Kontakt zu Osho noch relativ oft möglich. Er kannte seine Anhänger und führte sie auf ihrem Weg, in dem er Therapien empfahl oder Sex mit bestimmten oder verschiedenen Partnern anregte, um Blockaden zu lösen. Seine Fähigkeit, die Menschen zu hören, sehen und fühlen, war sehr stark ausgeprägt. Osho wurde als Meister in Shaktipat gesehen – die Übertragung von göttlicher Energie durch den Meister an den Schüler, wobei der Meister nur als Kanal dienen sollte, wenn das Ego überwunden wurde. Die Empfänger mussten nichts tun, sondern nur empfangen, leer werden und sich komplett der einfließenden Energie überlassen. Gegen Ende der 70er-Jahre wurden die „Shaktipat-Orgien” immer größer und wilder. Die Sannyasins erfuhren dabei heftige emotionale und physische Reaktionen, fühlten sich trunken vor Glückseligkeit, lachten, zitterten unkontrolliert bis hin zur Ohnmacht.

„Schon in seinem Umfeld einfach nur zu sitzen, hat mich betrunken gemacht. Ich war berauscht, habe vor Freude geweint und getanzt.”

Betty

Der Tagesablauf im Ashram war geprägt von Arbeit, Meditation, Therapien, Darshan und freier Liebe. Ein Irren- und Freudenhaus zugleich, das einen zunehmend schlechten Ruf in den weltweiten Medien erhielt.

1981 bis 1985 bauten die Sannyasins unter der Leitung von Oshos Sekretärin Sheela eine Kommune in den USA auf. Das Projekt „Rajneeshpuram” auf der Big Muddy Ranch war und ist bis heute sehr umstritten. Da Osho sich zu dieser Zeit in einer mehrjährigen Schweigephase befand, wurde die riesige Kommune von Sheela geleitetet. Ihr wurde kriminelles Verhalten und Manipulation vorgeworfen, um ihren Willen durchzusetzen und sowohl intern als auch extern gab es vielfältige Krisen. Die sechsteilige Netflix-Dokumentation „Wild Wild Country” widmet sich ausführlich den Hintergründen und Geschehnissen dieser Zeit. Nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Kommune wurden sowohl Sheela als auch Osho 1985 verhaftet und erhielten mehrjährige Bewährungsstrafen. 1987 kehrte Osho nach Indien zurück, und das Leben im Ashram in Pune wurde wieder aufgenommen. Sheela lebt bis heute in der Schweiz.

Pujan und Betty abschließend über ihre Zeit in den USA und Pune:

„Es gab unglaublich viele schöne und glückliche Menschen. Für jeden gab es etwas zu tun. Die Darshans in der Buddha-Halle mit 10.000 oder mehr Menschen waren wundervoll. Top-indische Musiker kamen zu Besuch und in unseren weltweiten Clubs, den „Far Out Discos”, gab es das beste drogenfreie und sauberste Clubbing überhaupt. Die Leute waren high vor Glück. Auch die vegetarischen Restaurants der Sannyasins wurden in vielen Städten bald zum populären Mainstream. Jedes Jahr lebten wir für viele Monate mit und ohne unsere Kinder im Ashram, den Rest der Zeit waren wir in Australien. Das war der große Unterschied zu den Osho-Sannyasins, die in den Kommunen lebten: Wir waren frei und hatten immer noch unser Leben zu Hause in unserem Haus. Sannyasins in den weltweiten Kommunen schenkten ihr gesamtes Leben der Gemeinschaft, hatten keinen Besitz mehr und durften auch ihre Kinder nicht mitbringen. Osho liebte Kinder, jedoch hatte er in den Anfangszeiten von Pune festgestellt, dass frei herumrennende Kinder zu sehr vom spirituellen Pfad und Meditation ablenkten. Deswegen empfahl er den Frauen auch Sterilisation, da oft zu viele Abtreibungen stattfanden. Es wurde jedoch niemand gezwungen. Im Ashram waren Kinder unter zwölf Jahren nicht erlaubt, und auf diese passten Frauen wie Betty tagsüber in der „Kids-Community” auf. Die Kinder haben es geliebt und wurden unzertrennlich. Sie waren frei, offen und sehr glücklich.

Zu unserer Zeit waren persönliche Gespräche und Kontakt zu Osho kaum noch möglich. Wir hatten das große Glück, dass Osho auf seiner täglichen Runde im Rolls-Royce an uns vorbeifuhr, als wir unsere Hochzeit in Amerika feierten. Wir waren inmitten von Schnee und so schön angezogen mit Kleid, Anzug und Blumenkränzen. Da stieg er plötzlich aus, gab uns Shaktipat und tanzte ein wenig mit uns auf der Straße. Ein Hochzeitssegen von Osho, wahrscheinlich der Grund, warum wir schon über 40 Jahre glücklich verheiratet sind.

Natürlich war nicht alles einfach und glückselig. Wie auch im normalen Leben haben viele Leute auch gelitten und gezweifelt. Der Ashram war keine Sekte, denn wir waren frei zu kommen und zu gehen, wie wir wollten. Wir wurden nicht gezwungen dort zu sein, sondern mussten sogar eingeladen werden. Es wurde nach Geld gefragt, jedoch waren Spenden freiwillig. Es war jedoch auch kein traditioneller Ashram, in dem man sein Leben bis zum Tod hin verbringen konnte. Wenn man ernsthaft krank oder alt wurde, dann gab es keine Versorgung.”

Oshos Lebensende und Vermächtnis

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Osho hatte keine Partnerin im traditionellen Sinne. Jedoch war seine langjährige Begleiterin, Freundin, Pflegerin und Gefährtin Vivek die inoffizielle Frau an seiner Seite. Er war überzeugt, dass Vivek seine wiedergeborene Jugendliebe Shashi sei. Sie starb Ende 1989, vermutlich an Selbstmord. Der Gesundheitszustand von Osho war schon seit längerer Zeit kritisch, sodass er nur kurze Zeit später, im Januar 1990, ebenfalls diese Welt verließ. Seine Asche befindet sich im Ashram mit einem Zitat von Meher Babas: „Never Born, Never Died: Only Visited this Planet Earth between Dec 11 1931 – Jan 19 1990.“ Sein Tod wurde so zelebriert, wie er es sich gewünscht hatte: mit feiernden und tanzenden Sannyasins auf der ganzen Welt.

Für viele von ihnen brach jedoch zugleich auch eine Welt zusammen. Ihr ganzes Dasein drehte sich um Osho, und viele erlebten Gefühle von Verlorenheit und Orientierungslosgkeit. Nach vielen Jahren als Sannyasin hatten sie keine Ausbildung im traditionellen Sinne und waren nur das Leben in der Kommune gewohnt. Einige machten sich auf die Suche nach einem neuen Meister und fanden ihn zum Beispiel im indischen Advaita-Vedanta-Guru Papaji. In Deutschland gab es damals 30.000 bis 40.000 Sannyasins, die zum großen Teil aus einer höheren Bildungs- und Einkommensschicht kamen.

Auch heute noch ist Oshos Vermächtnis von großer Bedeutung für die spirituelle Szene. Jedoch bei Weitem nicht mehr so kontrovers und provokant wie zu seinen Lebzeiten. Therapien und Meditationen werden in verschiedenen Formen überall auf der Welt und in den etwa 300 Osho-Meditationszentren praktiziert. In einer veränderten Gesellschaft ist der schockierende Osho ist salonfähig geworden. Esoterik, spirituelle Praktiken, Yoga und Meditation werden nicht mehr misstrauisch beäugt, sondern dankbar in den stressigen Alltag integriert. Der Meister wird immer noch in Darshans verehrt, auch wenn er nicht mehr als zentrales Oberhaupt agiert. Die Inhalte seiner Vorträge und Bücher scheinen zeitlos, visionär und heute noch genau so relevant wie damals. In Zeiten von globalen Krisen und Transformation auf allen Ebenen ist der Weg zu einem neuen Bewusstsein vielleicht sogar wichtiger denn je zuvor.

Pujan und Bettys Leben wurde durch die Zeit bei Osho in klare Bahnen gelenkt. Es war der Beginn einer lebenslangen spirituellen Reise durch verschiedene Traditionen. Heute leben sie in Thailand und lassen ihre Schüler in ihren Yogalehrerausbildungen an ihrem breitgefächerten Philosophie- und Yoga-Wissen teilhaben.

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