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Alles über Rohkost - Raw Food im Trend
Bild: istockphoto.com

Rohe Zucchini-Spaghetti?!? Alles über Raw Food

Von Petra Orzech

Lieber an einer rohen Karotte knabbern, statt sich einen Teller Pasta zu gönnen? Die Sängerin Nena macht es. Denn nach ihrer Ansicht ist gekochtes Essen giftig, da beim Kochvorgang für die Verdauung wichtige Enzyme zerstört würden. Auch Demi Moore, Katie Holmes und viele andere Stars schwören schon seit längerem auf Rohkost und verdanken dieser Ernährungsweise nach eigenen Angaben ihre wohlgeformten Körper, ihre Jugendlichkeit und ihre Gesundheit.

Was ist dran an der Ernährungsform Rohkost? Sind unerhitzte Lebensmittel besser für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden?

Was ist Rohkost genau?

Was sich so einfach anhört, ist im Detail doch etwas komplexer. Der Begriff Rohkost wird unterschiedlich verwendet, und bezeichnet zum einen Lebensmittel, die ohne vorherige Hitzeeinwirkung wie Kochen, Braten oder Backen verzehrt werden, zum anderen auch Nahrung, die völlig unverarbeitet im Naturzustand gegessen wird. So kann eine 100-prozentige Rohkost vegan, vegetarisch oder omnivor (Allesfresser – also auch Fleisch) sein. Entscheidend ist, dass die Nahrung nicht hitzebehandelt wird.

So ernährt sich der vegane Rohköstler von Obst, Gemüse, Kräutern, Ölen, Nüssen, Samen, Pilzen und milchsauer vergorenen Lebensmitteln, wie etwa rohes Sauerkraut, das nicht pasteurisiert wurde. Als Hauptgrundlage gilt bei der veganen Rohkost das in Blattgemüse enthaltene Chlorophyll. Rohmilchprodukte, wie beispielsweise Rohmilchkäse und Eier, kann der vegetarische Rohköstler zusätzlich auf seine Speisekarte setzen. Bei der nicht-vegetarischen Rohkosternährung (genannt Instinctotherapie) dürfen auch roher Fisch und rohes Fleisch verzehrt.

Aber egal, für welche Variante man sich entscheidet, grundsätzlich gilt bei der Raw-Food-Ernährung, dass sämtliche Lebensmittel nur roh oder maximal auf 48 Grad Celsius erwärmt verzehrt werden dürfen. Das bedeutet: kein Brot, keine Nudeln, kein Kuchen, keine Konserven, keine Softdrinks und gekaufte Säfte, keine Milch, kein Zucker, kein Kaffee und noch einiges mehr. Die Konsequenzen, die sich daraus für den Alltag geben, sind dramatischer, als man wahrscheinlich zunächst vermutet. Es bedeutet eine radikale Umstellung, sodass es auch schwierig wird, „Vollblut-Rohköstler“ zu finden, die dieses Ernährungskonzept 100 Prozent Tag für Tag leben.

Der Gesundheit zuliebe?

Aber warum essen Rohkostanhänger keine gekochte Nahrung? Für sie ist gekochtes Essen „tot“. Ihre Idee dahinter: Man gebe eine rohe und eine gekochte Kartoffel in die Erde. Nur eine keimt, pflanzt sich fort und steckt voller Leben. Enzyme, Spurenelemente und vor allem hitzeempfindliche Vitamine bleiben demnach bei der Rohkost erhalten und können ihre volle Wirkung entfalten, während diese Vitalstoffe durch das Kochen deutlich verringert werden. Auch die sogenannten Verdauungsleukozytose (das ist die vermehrte Ausschüttung von weißen Blutkörperchen nach dem Verzehr von gekochter Nahrung), die als unnötige Belastungen des Immunsystems betrachtet wird, soll durch die rohe Ernährungsweise vermieden werden. Rohkost-Befürworter sind einheitlich der Ansicht, dass sich der menschliche Körper im Laufe der Evolution noch nicht an gekochte Kost angepasst hat, was zivilisationsbedingte Krankheiten zur Folge hat, die sich aber im Umkehrschluss durch Rohkost heilen lassen sollen.

Ganz ohne Risiken?

Rohkost ist zwar ein aktuelles, aber kein neues Thema. Es wurde schon 1996 in der in Fachkreisen bekannten Gießener Rohkoststudie auf Vor- und Nachteile untersucht. Unter Leitung des bekannten Ernährungswissenschaftlers Professor Leitzmann starteten 700 Studienteilnehmer mit der Bedingung, sich zu mindestens 70 Prozent von Rohkost zu ernähren. Ziel dieser Studie war es, die verschiedenen Richtungen der Rohkost in Deutschland zu erfassen, sowie das Ernährungsverhalten und den Gesundheitsstatus von Rohköstlern zu untersuchen. Nach zwei Studienjahren waren es nur noch um die 200 Teilnehmer, die anderen sind vorzeitig ausgestiegen, da sie die 70%-Regel nicht einhalten konnten. Das Studienergebnis: 57 Prozent der Teilnehmer hatten Untergewicht, etwa ein Drittel der Frauen unter 45 Jahren hatten keine Menstruation mehr. Die Zufuhr vieler Vitamine (zum Beispiel A, C, E, B1, B6) war überoptimal, lag also über den empfohlenen Richtwerten. Während unter anderem bei Calcium, Zink, Jod und Vitamin B12 ein Mangel festgestellt wurde. Professor Leitzmann leitete aus den Studienergebnissen den Schluss, dass eine fast ausschließliche Rohkosternährung aus gesundheitlichen Gründen nicht empfehlenswert ist.

Bei Rohköstlern stießen die Studienergebnisse auf Kritik, die sicher teilweise auch begründet ist: Ein Problem der Schlussfolgerungen und Empfehlungen – wie auch bei vielen anderen Untersuchungen – ist, dass für die gemessenen Stoffe bzw. Parameter Normwerte als Vergleich herangezogen wurden (zum Beispiel Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft der Ernährung), die anhand der Empfehlungen für die Durchschnittsbevölkerung gilt. Zu bedenken ist, das Menschen, die sich extrem bewusst ernähren, wie etwa Rohköstler, seltener an Krankheiten leiden, die üblicherweise mit den Abweichungen von Normwerten in Verbindung gebracht werden. Damit bleibt die Frage offen, ob die bei den Rohköstlern beobachteten Abweichungen tatsächlich als Mangelzustände zu sehen sind.

Was bleibt als Fazit?

Die Ernährung zu großen Teilen auf Rohkost umzustellen, ist ein Trend, der inzwischen viele Menschen anspricht. In einer Zeit der globalisierten Lebensmittelindustrie, in der es für den Einzelnen immer weniger transparent ist, welche Inhaltsstoffe er mit seiner Nahrung zu sich nimmt, wächst das Bedürfnis nach einer frischen und natürlichen Ernährung, die die Vitalität steigert. Das ist nur zu gut verständlich. Beruft man sich auf die Wissenschaft, ist es tatsächlich so, dass Obst und Gemüse im rohen Zustand eine hohe Dichte an Vitaminen und Mineralstoffen, die bereits bei einem Garvorgang mit Temperaturen über 40 Grad Celsius zum größten Teil verloren gehen. Insbesondere wichtige sekundäre Pflanzenstoffe, wie etwa die im Kohl enthaltenen Glucosinolate, werden beim Kochen weitgehend zerstört und können dadurch nicht ihre Schutzfunktion vor Infektionen und Krebs voll entfalten. Andere Nährstoffe hingegen werden beim Kochen erst gelöst, beispielsweise das Lykopin in Tomaten oder das Betakarotin aus grünem und gelbem Gemüse. Auch Lebensmittel wie zum Beispiel Reis, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und einige Pilzarten werden durch Kochen leichter verdaulich oder überhaupt erst genießbar. Und nicht zu vergessen: Durch das Kochen werden möglicherweise in der Nahrung vorhandene Krankheitserreger wie Bakterien und Parasiten abgetötet.

Insgesamt spricht nichts dagegen eine Ernährung mit reichlich rohem Obst und Gemüse, sowie Nüssen, Keimen und Ölen anzureichern. Doch wer dauerhaft auf 100 Prozent Rohkosternährung umsteigen will, sollte sich fundiert mit Nahrungsmitteln und deren Kombinationsmöglichkeiten plus Zubereitungsarten auseinandersetzen. Denn nur so ist gewährleistet, dass es dem Köper nicht an notwendigen Mineralstoffe, Vitaminen, Fett- und Aminosäuren fehlt. Wichtig vor allem: Der Körper muss alles gut vertragen und verdauen können.

Neugierig? Petra Orzech hat ein paar tolle Rezepte für einen Rohkost-Tag zusammengetragen – du findest sie hier.

Perlen aus dem YogaEasy.de-Archiv: Dieser Artikel erschien zuerst am 12. Juli 2012.

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