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Sarah Wilson: „Warum ich keinen Zucker mehr esse”

Sarah Wilson: „Warum ich keinen Zucker mehr esse”

Von Sarah Wilson

Ich versteckte mich hinter sogenannten „gesunden Zuckern” wie Honig, dunkler Schokolade und Obst. Das machte die Sache noch schwieriger, weil ich erst erkennen musste, dass ich mir etwas vormachte. Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Meine Familie ernährte sich zum großen Teil von Selbstangebautem. Wir aßen sehr natürlich. Mein Hang zu Zucker entwickelte sich, nachdem ich als Jugendliche in die Stadt zog. Ein Cocktail aus Teenagerhormonen, dem leichten Zugang zu Einkaufszentren und Lebensmittelläden und einer kindlichen Freude an Lebensmitteln, die ich vorher nicht bekommen hatte, führte dazu, dass ich ganz verrückt nach Zucker wurde.

Ich erinnere mich, dass ich an der Universität einfach nicht funktionierte, wenn ich nicht um zehn Uhr vormittags meine Zimtschnecke bekam. Besonders liebte ich den Klecks aus Zuckerglasur in der Mitte. Ich redete mir ein, dass die Rosinen darin das Gebäck gesund machten.

Bald reichte mir das aber nicht mehr. Ich aß nach dem Mittagessen ein Stück Apfelkuchen. Und dann noch etwas Schokolade. Schließlich befand ich mich auf  einer fürchterlichen Achterbahn aus Zuckerhöhen und -tiefen. Ich überaß mich, bekam Schuldgefühle und hungerte den Rest des Tages.

Kurze Zeit nach dem Beginn dieses reaktiven Essverhaltens wurde ich krank – sehr krank. Zunächst litt ich unter Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Schließlich bekam ich Probleme mit der Nebenniere und meine erste Autoimmunkrankheit: die Basedow- Krankheit oder Schilddrüsenüberfunktion. Seitdem hatte ich immer Magenprobleme und eine schlechte Darmfunktion. Ich bekam noch weitere Autoimmunerkrankungen, zuletzt Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronische Entzündung der Schilddrüse.

Im Laufe der Zeit tauschte ich meine industriell hergestellten Zuckerkohlenhydrate gegen „gesunde” süße Leckereien. Und ja, insgesamt aß ich weniger Zucker. Aber alle Symptome blieben. Ich schob es nicht allein auf den Zucker, aber ich wusste, dass dieser eine große Rolle dabei spielte.

In den darauffolgenden Jahren habe ich mich im Allgemeinen gesund ernährt, aber ich aß noch immer jeden Tag Zucker. Nach jeder Mahlzeit. Ich war noch immer abhängig.

An einem normalen Tag aß ich ungefähr 25 Teelöffel Zucker

Ich aß an einem Tag drei Stück Obst, eine Handvoll Trockenfrüchte, einen oder zwei Teelöffel Honig im Tee, einen kleinen Riegel (35 g) dunkle Schokolade nach dem Mittagessen und nach dem Abendessen über Joghurt geträufelten Honig oder ein Dessert (wenn ich außer Haus aß).

An einem normalen Tag verzehrte ich so nur durch die oben aufgeführten Snacks ungefähr 25 Teelöffel Zucker. Und da ist noch nicht einmal der versteckte Zucker mitgerechnet, der sich zum Beispiel in Tomatensauce und den meisten Brotsorten verbirgt. Ich sagte mir, dass ich „guten” Zucker äße, und redete mir ein, dass ich kein Problem hätte.

Aber Zucker ist Zucker!

Sicher, manchmal waren die anderen Zutaten – zum Beispiel in einem Müsliriegel – gut für mich. Aber die chemische Zusammensetzung von Zucker, ob er sich in Schokolade oder einer Mango befindet, bleibt dieselbe. Und diese macht süchtig.

Zuckerfrei Schokolade Obst

Es war Zeit, sich den Tatsachen zu stellen.

5 Gründe, warum ich dringend aufhören musste, Zucker zu essen

Tatsache 1: Ich nahm viel mehr Zucker zu mir, als die Natur vorgesehen hat.

Obwohl ich kaum Junkfood aß und viele sagen würden, dass meine Ernährung sehr gesund aussah, enthielt sie noch immer zu viel Zucker. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, dass von der täglichen Energiezufuhr nicht mehr als fünf Prozent Zucker sein sollten. Wenn man von einem Energiebedarf von durchschnittlich 1.900 Kilokalorien bei Frauen und etwa 2.400 Kilokalorien bei Männern ausgeht, sind das ungefähr sechs beziehungsweise acht Teelöffel Zucker pro Tag, einschließlich aller verborgenen Zucker.

Australische Richtlinien sind unterschiedlich und undeutlich in der Definition von „zugesetztem Zucker”. Die empfohlenen Mengen variieren zwischen 85 und 110 Gramm am Tag, was bis zu 26 Teelöffeln entspricht. Diejenigen Stellen, die empfehlen, Zucker in dem Maß zu verzehren, wie wir es vor der „Erfindung des Zuckers” taten, schlagen etwa 20 Gramm (fünf Teelöffel) am Tag als Maximum vor. Und das ist nicht viel.

Tatsache 2: Ich war abhängig.

Und das auf sehr würdelose Weise. Wenn mir jemand einen Käsekuchen oder eine Tafel Schokolade in Familiengröße vor die Augen legte und ich gerade einen schwachen Moment hatte, aß ich alles auf. Sobald ich den ersten Bissen schmeckte, hatte ich mich nicht mehr unter Kontrolle.

Tatsache 3: Autoimmunerkrankungen (oder Nebennierenprobleme oder eine leicht erregbare Persönlichkeit) + Zucker = schlecht.

Ich vermute, dass zwischen meiner Autoimmunerkrankung und meinem lebenslangen hohen Zuckerkonsum ein Zusammenhang besteht. Und ganz sicher verschlimmert Zucker die Erkrankung. Jemand mit gefährdeter Gesundheit kann es sich einfach nicht leisten, dass Zucker seine Stresshormone (Adrenalin und Cortisol), seinen Neurotransmitter (Dopamin-) oder seinen Insulinspiegel durcheinanderbringt. Das ist eine harte, kalte, aber ziemlich motivierende Tatsache!

Tatsache 4: Ich wollte abnehmen.

Durch meine Schilddrüsenerkrankung vor ein paar Jahren hatte ich zugenommen (12 kg) und schaffte es nicht, die Pfunde wieder loszuwerden. Das Abnehmen stand nicht im Vordergrund, aber es beschäftigte mich. Ich war sehr gespannt, ob der Verzicht auf Zucker helfen würde.

Tatsache 5: Ich hatte es satt.

Ich hatte genug von der Achterbahn der Zuckerhöhen und -tiefen und von meinem zwanghaften Verlangen nach der nächsten sü.en Leckerei. Ich fand es war an der Zeit, wenigstens zu versuchen, den Zucker wegzulassen. Nur um zu sehen, was passierte. Am Anfang wollte ich es „nur ausprobieren”. Doch nach zwei Wochen fühlte ich mich so viel klarer und reiner, dass ich weitermachte. Ich zwang mich nicht dazu, ich war einfach weiter neugierig...

Das ist ein Prinzip, das ich in vielen Bereichen anwende. Wie beim Sport. Ich habe mich verpflichtet, jeden Tag 20 Minuten Sport zu machen. Die Vorstellung von 20 Minuten löst bei mir keinen Widerstand aus, also mache ich es ohne Gejammer. Wenn ich erst einmal 20 Minuten gejoggt oder geschwommen bin, macht es mir Spaß, und ich bleibe unweigerlich dabei. Denselben psychologischen Trick wende ich beim Weglassen von Zucker an. Er funktioniert!

Wichtig: Ich versuche meinen Zuckerkonsum so gering wie möglich zu halten. Fünf bis neun Teelöffel Zucker pro Tag sind mein persönliches Limit.

Zuckerfrei in 8 WochenDieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Goodbye Zucker – zuckerfrei glücklich in 8 Wochen” von Sarah Wilson.

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