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Bild: iStockphoto.com

Yoga: Kontrolle oder Freiheit?

Von Kristin Rübesamen

Angeblich sind es die Details, die den Ausschlag geben. Die Art, wie die Dame ihr Kleid über die Schulter rutschen lässt (nur ein paar Zentimeter), der alte Massai-Schmuck, in dem die Serviette steckt, die Prise Zimt im Gulasch, „the way you wear your hat“, all die Feinheiten, die das Leben reich machen, den Menschen unverwechselbar, die Geschichten einzigartig: ohne Details wäre das Leben lediglich eine Laune des Schicksals, dem Zufall überlassen.

Auch im Yoga gibt es ein weites Spektrum, am einen Ende stehen die Verteidiger der anatomisch richtig ausgeführten Asana, am anderen diejenigen, denen die äußere Form nichts bedeutet. Sind die einen Kleinkrämer oder Kontrollfreaks und die anderen einfach nur Spinner?

Die Detailversessenheit entspricht im Yoga der perfekten körperlichen Ausrichtung der Knochen. Sie ist faszinierend und entmutigend zugleich. Denn so wichtig die technische Ausrichtung ist, so trostlos ist auch ihr Ergebnis: wo bleibt der große Wurf, das Abenteuer, die wilde Zuversicht, die, obwohl in manchen, wenn nicht den meisten Fällen grundlos und naiv, dennoch etwas bewegen kann? Der Krieger 2 mit brutalem Hohlkreuz, eine Haltung von Selbstzufriedenheit, die wir immer wieder sehen im Studio, mag die Lendenwirbel arg zusammendrücken, aber wenn es sich so verdammt gut anfühlt, ist es dann wirklich schlecht? Ein schiefer Baum, mit schiefem Becken, krumm und verwegen mit breitem Grinsen, eine yogische Sünde oder ok?

In Wahrheit gibt es kein Richtig oder Falsch. Was richtig oder falsch ist, muss der Einzelne selbst entscheiden. Niemand kann ihm diese Verantwortung abnehmen. Das kann zum Beispiel heißen, dass jemand, der noch nie eine Minute zu spät ins Büro gekommen, im Yoga vielleicht mal nicht seine Atmung mit dem Metronom messen sollte und den Winkel zwischen Knie und Wadenbein genauso wenig. Wohingegen derjenige, der stets hochfliegende Pläne hatte und sich doch selten zur Realisierung durchringt, sehr genau seine Fußgewölbe platziert in Tadasana oder die Stellung seiner Hände im Kopfstand.

Jeder spürt im Innersten, wo es eng ist, und wo Weite und Platz hineinmuss. Jeder ist sein eigener Lehrer. Die besten Lehrer sind die, die ihre Schüler dazu auffordern, selber genau hinzuschauen.