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Bild: iStockphoto.com

High ohne Heels: Die Freuden der Barfuß-Existenz

Von Kristin Rübesamen

Oben tragen sie ein leichtes Lächeln auf den Lippen und unten tragen sie nichts. Jetzt im Sommer sieht man plötzlich Menschen ohne Schuhe durch den Wald laufen - auch wenn es nur ein ganz normaler deutscher Mischwald ist und in der Nähe eine Autobahn rauscht, fühlen wir uns automatisch in die Steinzeit zurückversetzt. Wir brauchen nichts, sagt das Lächeln der Jogger, uns trägt die Erde, wir spüren, was wir tun, wir haben Vertrauen, wir sind eins mit der Welt.

 

Auf Schuhe zu verzichten, verlangt Mut. Sicher, wer keine Schuhe trägt, braucht auch kein Schuhregal, er muss nicht zu Ikea fahren, und hängt vielleicht generell weniger am Eigentum als mit Schuhen. Aber Schuhe sind ja nie einfach Schuhe, Schuhe sind immer ein Statement, das Fundament unserer öffentlichen Darstellung, wir geben ein Vermögen aus für Schuhe, um gut da zu stehen. Zieht man zum ersten Mal die Schuhe aus, steht man erst mal nicht gut da. Man ist meist in der Minderheit, die Füße sind blass und empört, und im Raum steht die Riesenfrage, was die Zivilisation eigentlich hervorgebracht hat, wenn nicht Schuhe, Lackschuhe, Pumps, elegante Stiefel, zierliche Ballerinas, hochmütige Loafer. Was bleibt?

 

Ganz einfach, die Verbindung zur Erde, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dass wir diese Verbindung suchen, zeigt sich an der guten Laune, die schlagartig einsetzt, wenn Menschen am Meer die Schuhe ausziehen. Sofort ist sie da, die Sehnsucht nach einem wärmeren, leichteren Leben, in dem wir uns die Dinge nicht zu sehr zu Herzen nehmen.

 

Barfuß laufen, Barfuß-Schuhe, was bei uns in Deutschland gerade erst als Markt entdeckt wird, verkauft die Reisebranche schon seit einigen Jahren als „barefoot luxury“. Sich locker und von allen Zwängen der Zivilgesellschaft befreit zu erholen, barfuß eben, zusammen mit größtem Luxus an exotischen Orten: Das heißt, auf kleinen Inseln auf den Malediven tragen die Angestellten Sandalen, während sich die Gäste unten ohne Hummer servieren lassen. Was bei den Einheimischen Armut bedeutet, ist für die Reichen Luxus.

 

Barfuß suggeriert Gleichheit. Falsch: Als Sir Edmund Hillary 1953 als Erster den Mount Everest bestieg, trugen seine Sherpas kaum Schuhe, nicht mal jenseits der Schneegrenze. Weil sie es so gewohnt waren, und weil sie sich keine Schuhe leisten konnten. Ein Fünftel der Weltbevölkerung läuft auch heute ohne Schuhe herum, und auch wenn dieser Teil vermutlich nicht die Spreiz- und Senkfüße und schwache Knöchel hat wie die anderen vier Fünftel, sollten sich die Menschen überall auf der Welt entscheiden können, ob sie Schuhe tragen wollen oder nicht.

 

Auch wenn der Barfuß-Trend bei Joggern längst vorbei sein wird, wird es für uns Yogis immer noch natürlich sein, barfuß zu laufen. Wir tragen keine Turnschuhe im Yoga, wir wollen unsere Füße sehen und spüren, unsere Füße verändern sich sogar im Laufe der Praxis. Man könnte sagen, sie werden selbstbewusster. Das Irre ist, das spürt dann auch der Kopf.

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