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Mc Yoga - Das Erbe von Shri K. Patthabi Jois
Bildquelle: Shutterstock.com

Mc Yoga - Das Erbe von Shri K. Patthabi Jois

Von Kristin Rübesamen

Nach dem Tod von Shri Krischna Patthabis Jois am 18. Mai 2009, dem Gründer von Ashtanga Yoga, seinen Schülern als „Guruji“ ans Herz gewachsen, entstand ein Vakuum, eine Leerstelle, die der Enkel Sharat mit der legendären Shala im südindischsen Mysore und seinem Charisma allein nicht füllen konnte.

Der Auftritt einer reichen Amerikanerin, die zusammen mit Sharat nun das Erbe seines Großvaters in eine Art Yoga-Kettenstudios mit angeschlossener Boutique überführen möchte, sorgt in der Szene für unyogischen Widerstand. Sonia Jones, verheiratet mit einem der reichsten Hedge-Fund-Manager der Welt, und leidenschaftliche Ashtanga-Yogini seit 1999, versteht die Aufregung nicht. Der amerikanischen Zeitschrift „Vanity Fair“ sagte sie: „Ich würde das nicht tun, glauben Sie mir, wenn mich Guruji nicht gebeten hätte, Yogaschulen in der ganzen Welt zu eröffnen!“

Ashtanga, einer der traditionellsten und physisch herausfordernsten Disziplinen, zu deren Erklärung oder besser Verklärung die Journalisten immer die Namen prominenter Ashtanga-Fans wie Donna Karan, Gwyneth Paltrow, Madonna, Sting, Mike D von den Beastie Boys, oder berühmter Banker herunterspulen, ist keine Spaß-Disziplin. Im Unterschied zu Yogamethoden, die sich den Bedürfnissen unserer Zeit nach Abwechslung, Musik, generellem Trost anpassen, basiert Ashtanga stets auf derselben, knochenharten Sequenz, die mit rhythmischer Atmung für sich selbst geübt eine Qualität von Klarheit und Schlichtheit besitzt, die süchtig machen kann. Diese Qualität nun, in den letzten Jahrzehnten in Hinterhöfen, muffigen Räumen, in denen sich das herausgeschwitzte Leiden der westlichen Zivilisationsopfer staute, einfachen Pavillions mit Zementboden mit allen Sinnen spürbar gewesen, ist in Gefahr, finden Sonja Jones Gegner, wegparfümiert und mit hübscher Innendekoration verfälscht zu werden.

Jois Yoga, wie die Ashtangakette heißen soll, wäre nicht die erste, nach Regeln der modernen Marktwirktschaft designte Yogamarke. Vergleichbar in etwa mit einer Mischung aus dem sehr erfolgreichen Yogalabels „Lululemon“ und der aus Kalifornien stammenden Yogastudiokette „Yogaworks“ könnte Jois Yoga als Markenartikel wunderbar funktionieren. Doch vielen der alteingesessenen Lehrer, die ihren Unmut zwar leise, aber um so eindringlicher in der sehr eng vernetzten Ashtanga-Szene äußern, gefällt das nicht. Sie fürchten dabei nicht nur um das Erbe ihres geliebten Gurujis und die für den Erfolg von Ashtanga so entscheidende Aura und Authentizität, sondern auch um ihre eigene, dem Yoga auf allen, materiellen bis spirituellen Ebenen gewidmeten Zukunft.

Es geht wie in jedem Generationenkonflikt um mangelnden Respekt, Neid, die Nähe zur Jois-Familie, den Streit um die Deutungshoheit über Jois’ Philosophie und letztlich auch um Geld, das in der Yogaszene immer noch grösste Tabuthema. Der seinerseits schon legendäre Ashtanga-Lehrer Lino Miele sagt: „Ich glaube, es geht dabei um Macht, und ich möchte daran nicht beteiligt sein.“

Obwohl die Absichten von Sonia Jones, die betont jeden Schritt nur in Absprache mit der Jois Familie unternimmt, altuistisch und moralisch unangreifbar wirken, wird ihr mangelnde Sensiblität gegenüber der Ashtanga-Gemeinschaft nachgesagt. Die Eröffnung eines angeblich 1 Mio US$ teuren Jois-Studio gleich um die Ecke der alten Yogaschule des Ashtanga-Lehrers Tim Miller, einem Yogi der ersten Stunde, in Kalifornien mag dafür verantwortlich sein.

Möglicherweise wird sich die Ashtanga-Gemeinde spalten, und möglicherweise wird der Wandel, das so immer so leicht dahin gepredigte Mantra von uns Yogis, schmerzhaft sein. Letztendlich wird Yoga auch diese Turbulenzen überleben und weitergetragen werden, an jedem Tag, an dem jemand auf der Welt seine Matte ausrollt, egal ob es eine pinke Designermatte ist, wie sie Sonia In Mysore ausrollte, oder eine olle, alte Gummimatte.

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