Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.
Large w rmetante magazin

Frostschutz für Leib und Seele

Von Petra Orzech

Manchmal hilft auch der wärmste Pullover, der fellgefütterte Schuh nicht. Immer irgendwie unterkühlt, quält sich mancher Zeitgenosse mühsam durch die dunklen Monate. Besonders Frauen frieren leicht, da sie durchschnittlich weniger Muskelmasse und einen anderen Stoffwechsel als Männer haben. Abhilfe schaffen Lebensmittel, die den Körper von innen auf Touren bringen. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) schwört auf die thermische Wirkung der Nahrungsmittel und teilt sie in heiß, neutral und kalt ein – je nachdem, wie sie auf unseren Organismus wirken. Wer leicht friert, leidet aus Sicht der TCM meistens an einer Energieblockade. Was bedeutet, dass nicht mehr alle Körperteile mit ausreichend Energie, sprich: Wärme versorgt werden. Abhilfe schaffen neben körperlicher Betätigung, wie beispielsweise Yoga, die geeigneten Lebensmittel. Der Energiefluss soll so, laut TCM, wieder von ganz selbst in Gang kommen.

Da die Traditionelle Chinesische Medizin eine Jahrtausende alte Erfahrungsmedizin ist, gibt es über die thermische Wirkung von Lebensmitteln keine wissenschaftlichen Studien. Das Wissen beruht vielmehr auf Beobachtungen und Vergleichen. Kalorien und Vitamingehalt haben in dieser Heilkultur auch nicht den Stellenwert wie in der westlichen Schulmedizin und Ernährungswissenschaft – es geht vielmehr um die innere Harmonie. Überraschend ist, dass die Küche der TCM sehr viel gemein hat mit den Rezepten unserer Urgroßeltern. Was damals je nach Erntesaison und –region auf den Tisch kam, hat nach TCM viel Gutes: zur Winterzeit also Suppen, Eintöpfe, Aufläufe, Kompott. Und nicht zu vergessen: mit wärmenden Gewürzen gespicktes Weihnachtsgebäck. Ob intuitiv, bewusst oder schlicht, weil es nichts anderes gab: unsere Ahnen machten in Ernährungsangelegenheiten einiges richtig.

Wärmende Lebensmittel bietet der Winter-Markt reichlich, von Gemüse und Fleisch über Getränke bis zu den Gewürzen. Rotes Fleisch wie Rind, Lamm, Wild und Ente zum Beispiel gehört dazu, Walnüsse, Maronen und Haselnüsse. Aber auch Getreide – Reis, Hirse oder Dinkel –, das in seiner Wirkung an sich neutral ist, kann durch Anrösten und anschließendes Kochen ein einheizender Effekt verliehen werden.

Eine besondere Bedeutung spielt in der Antifrost-Küche unser heimisches Wintergemüse. Dazu gehören Rote Bete, Kürbis, Pastinake, Fenchel, Süßkartoffeln und alle Zwiebelsorten sowie Kohlarten. Diese Gemüsesorten haben idealerweise auch gleich wichtige Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe im Gepäck, die das Immunsystem stärken. So ist Rote Bete reich an Eisen, Kalium und Folsäure (ein B-Vitamin, das bei Stress hilft). Im Kohl stecken üppig Folsäure, Calcium, wichtige Antioxidantien und Vitamin C. 100 g Kohl enthalten zirka 100 mg Vitamin C. In 100 g Orange sind es dagegen gerade einmal 50 mg.

Und übrigens: Orangen gehören, wie alle Südfrüchte, zu den kühlenden Lebensmitteln. Abzuraten ist daher, den Morgen mit Ananas, Orangen oder Kiwis zu beginnen, wenn es draußen kälter wird. Ganz ungünstig ist im Winter auch, Orangensaft aus dem Kühlschrank zu trinken. Der Grund: zusätzlich zur kühlenden Wirkung der Zitrusfrüchte wird das Verdauungssystem enorm gefordert, da es den Körper einiges an Kraft kostet, den Saft im Magen auf Körpertemperatur zu erwärmen. Die Folge sind: kalte Hände – denn die Energie geht im Verdauungssystem drauf, statt den Körper zu schützen. Einer Erkältung sind durch das fröstelnde Gefühl außerdem Tür und Tor geöffnet.

Ganz wichtig für die Winterküche sind natürlich Gewürze. Zimt, Ingwer, Chili, Kardamom, Pfeffer, Anis, Fenchel, Gewürznelken und Knoblauch sind hier die heißen Kandidaten. Seit Generationen tauchen diese Klassiker in den Rezepten für die kalte Jahreszeit auf – vom Weihnachtsplätzchen bis zum Glühwein. Dank der Gewürze tun Lebkuchen und Zimtsterne also sogar gut – und wir können ausnahmsweise mit gutem Gewissen naschen.

Gleiches gilt für heiße Tees. Mit wärmenden Gewürzen zubereitet, wie etwa Fenchel oder Ingwer, bringen sie den Organismus perfekt auf Touren. Wer dagegen glaubt, ein Pfefferminztee sei das Richtige für kalte Tage, irrt: Minze wirkt kühlend auf den Körper. Ideal für kalte Winterabende ist eher Yogi-Tee, der gleich eine Vielzahl wärmende Gewürze enthält. Und wer in der Vorweihnachtszeit draußen ist, trotz warmer Kleidung friert und Lust auf einen Glühwein hat, möge beherzt zugreifen. Alkohol erweitert die Blutgefäße, weshalb er eine „wärmende“ Wirkung hat, die durch die Glühwein-Gewürze verstärkt wird. Natürlich sollte auch warmer Alkohol nur in Maßen genossen werden – auch weil der besonders hohe Zuckergehalt umso stärker und schneller betrunken macht!

Ob ein Lebensmittel wärmend auf unseren Körper wirkt, hängt nicht nur von seinen thermischen Eigenschaften ab, sondern auch von der Zubereitungsart. Wer leicht friert, sollte auf Kochen in viel Wasser verzichten und sein Essen eher braten oder lange kochen. Braten, Schmorgerichten sowie Eintöpfen wird durch die lange Garzeiten Wärmeenergie zugeführt, die unserer Körper ideal nutzen kann. Ebenso wie die chinesische Medizin empfiehlt auch die indische Heilkunst Ayurveda fröstelnden Menschen, gekochte und warme Speisen zu essen, da sie das Verdauungsfeuer im Magen und im Darm anheizen. Wem schon morgens die nötige Wohlfühltemperatur fehlt, beginnt den Tag am Besten mit einem wärmenden Essen. Aktuell sehr empfehlenswert: ein Hirse- oder Haferflocken-Porridge mit selbst gemachtem Apfelkompott und Zimt.

*Wer mehr über Kälte vertreibende Rezepte wissen will, sollte das Buch Seelenwärmer von Katrin Hertzer und Peppi Kalteis (vgs-Verlag; 12,95 Euro) in Erwägung ziehen. Neben Rezepten für Frostbeulen – zum Beispiel herzhaftes Lammragout zu Granatapfel, eine scharfe Kokos-Ingwer-Suppe mit Curry oder fluffige Zimt-Muffins – enthält es eine Vielzahl an Infos und Tipps rund um das Thema „nie wieder frieren