Du verwendest einen veralteteten Browser (Other 0.0) mit Sicherheitsschwachstellen und kannst nicht alle Funktionen dieser Webseite nutzen. Hier erfährst du, wie einfach du deinen Browser aktualisieren kannst.

Gratismonat sichern

 

Large yogaconf
Bild: www.YogaConference.de

Bericht: Yoga Conference Germany 2013

Von Kristin Rübesamen

Toll, Köln Messestadt. Man könnte zur Fachmesse für Kabel, Breitband und Satellit fahren, oder zur Messe für Pferdesport oder zum Symposium für ambitionierte Köche und solche, die es werden wollen. Einmal für zehn Euro soviel essen wie man möchte und die Sponsorentüte mit den Flyern unauffällig in der U-Bahn stehen lassen.

Stattdessen trollt man sich zur Yoga Conference Germany im Pullman Hotel und rollt in einem Konferenzsaal von der Größe einer Lagerhalle seine Matte auf einem psychodelisch gemusterten Teppich aus. Rund herum mal große Wiedersehensfreude, mal große Neugier, manche sind auch ganz alleine da. Nicole Bongartz, Mit-Initiatorin der Yoga Conference (der man übrigens auch eine Rockkarriere zutraut) eröffnet die Konferenz am Freitag abend zusammen mit DJ Timmi und einer ziemlich rockigen Sequenz. Hilfe, am Anfang müssen wir uns dem unbekannten Yogi neben uns vorstellen. Nachdem die Peinlichkeit überstanden ist - es mag ein simpler Trick sein, aber er funktioniert garantiert immer - fühlt sich alles trotz eisiger Klimaanlage deutlich wärmer an.

Was ist schon Zeit für uns Yogis, die wie immer im Augenblick leben? Am Samstag ist die sehr frühe Morgenmeditation bei Patrick Broome, YogaEasy.de-Lehrer und Jivamukti-Chefprediger aus München, sehr gut besucht. Erstaunlich viele bleiben auch zum nachfolgenden Workshop, den Patrick effektsicher als „Gottesdienst“ ankündigt. Wie üblich im kundenfreundlichen Yogaambiente wird dann nicht verhandelt, welcher Gott der richtige ist, was so ein Titel auf der Yogakonferenz soll, ob Krishna seine Hände im Spiel hat, oder wer schon im Dom war.

Stattdessen lautet die Message: Alles ist möglich, jede Deutung voll o.k., niemand bekommt die Leviten gelesen. Nur wenn du zuviel um „dich, dich dich“ und „deinen, deinen, deinen Körper“ kreist, findet Patrick das bedenklich. Leicht erschöpft und zufrieden sinken wir in Savasana, das Paradox, dass wir alles Körperyoga-Junkies sind und trotzdem mehr wollen von der Praxis, balancieren wir easy aus. Patrick, vor vielen Jahren mal als Mischung von „Johnny Cash und Gisele Bündchen“ beschrieben, ist auch in seiner Wiedergeburt als Sigmund Freund/Margot Käßmann ein Bestseller.

Patricia Thielemann, souverän und herzlich, erklärt später einem rappelvollen Saal, wie man eine Yogaschule eröffnet, und uns später im Interview, wie man Konflikte yogisch löst.

Cameron Shayne ist alles, was manche Leute an Amerika entsetzlich finden: zu laut, zu schnell, zu viele Pointen, zu viel Angeberei. Er ist aber auch alles, was man an Amerika lieben muss: die Kraft, die Bedingungslosigkeit, den hohen Unterhaltungswert. Er fliegt durch die Lüfte, spricht vom Schultergürtel und von Sex. Alle Augen leuchten, und wenn am Ende tatsächlich ein paar Füße mehr die Erde verlassen als zu Beginn der Stunde, dann weil seine Rhetorik wirklich ansteckend ist, man könnte sogar von Pädagogik sprechen.

Der Programm ist komplex, das „Line-up“, wie viele Profis kommentieren, auch dieses Jahr wieder eine geschickte Mischung aus alten Freunden und Neuzugängen. Überhaupt die Unterhaltung. Man konnte sich so treiben lassen: Kirtanworkshop mit Petros Haffenrichter. Singen, Schütteln und ein bisschen Westcoastfeeling mit Gurmukh. Qbi klingt vielleicht nach Physikunterrichtet, ist aber in Wahrheit eine mitreißende, kluge Lehrerin mit viel Erfahrung. Richard Hackenberg, der Karl Valentin der Szene und Anatomie-Spezialist, könnte jeden Stammtisch aufmischen, seine Ausführungen zum Thema Prävention und Yogaverletzungen, die trotz der niederziehenden Nüchternheit des Themas den großen Saal füllten, und zwar auch immer wieder mit Gelächter, machen betroffen: Wer von den Yogalehrern bekommt eigentlich kein schlechtes Gewissen, wenn er mehr als den Quadroceps lokalisieren soll? Und was machen eigentlich die Schulterblattspitzen im nach unten schauenden Hund??

Zuhören, schwitzen, nachdenken, tanzen, wie lange so ein Tag auf der Yoga Conference sein kann! Lalla und Vilas, Kino MacGregor, viel Tanz nachmittags bei Gurmukh, Frank Schuler, "Sexual Healing“ bei Bryan Kest, mehr Yoga, mehr Lehrer, mehr Workshops, mehr Singen im Kirtan abends bei Petros, und überall die emsigen, niedlichen "Couchies". So nennen sich Lehrer und Schüler der veranstaltenden Yoga-Studios Lord Vishnus Couch.

Was wohl passiert wäre, wenn der Rhein über die Ufer getreten wäre und wir ebenfalls Stromausfall gehabt hätten und nasse Füße wie unsere Brüder und Schwestern in Bayern? So war es einfach ein Bad in der Menge liebender Yogis. Und dann noch der Sonntag: Neben mehr Yoga, mehr Kirtan und mehr Klimaanlage munkelt die Gerüchteküche von Gruppensex, Massentaufe und einer einbeinige Bakasana auf der Domspitze... Wir haben noch keinen der Überlebenden getroffen. Was auf alle Fälle bleibt ist neue Inspiration, neue Menschen und neue Kraft.

 

 

Unser Video mit Impressionen von der Yoga Conference 2013 findest Du hier!