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Bild: iStockphoto.com

Vergebung heilt: Anfang gut, alles gut

Von Kristin Rübesamen

Vergebung ist ein gutes Stichwort, um eine Story zu erzählen, in der Buddha zu Wort kommt. Aber fangen wir lieber mit den amerikanischen Soldaten an, die nach ihrem Einsatz in Afganistan und im Irak nach Hause kamen und krank wurden. Eine Studie des US Department of Veterans Affairs hat untersucht, dass die Zahl derjenigen, die nach ihrem Einsatz an der Front schwer traumatisiert waren und sich umbrachten, deutlich höher war als die derer, die während des Einsatzes starben. Diese Menschen starben buchstäblich an ihrer Schuld, die sie niemandem anvertrauen konnten. Wenn diese Soldaten nichts empfänden, sobald sie andere Menschen töten, würde man sie als Soziopathen bezeichnen. Dass sie es für sich behalten mussten, sorgte dafür, dass sie die Schuld dem Sprichwort folgend aufgegessen hat.

In diesem extremen Fall geht es um Selbstvergebung. Vergebung scheint generell oft unmöglich. Wenn wir uns am Endes dieses Jahres, in dem sich Katastrophen und Kriege häuften, vornehmen sollten, zu vergeben, scheint das denen gegenüber, die Flüchtlinge ertrinken lassen, die Frauen entführen und misshandeln, die aus Blödheit und Stumpfheit und Brutalität handeln, unmöglich. Sie müssten verfolgt und hart bestraft werden. Aber nur, wenn wir selbst dabei menschlich bleiben, sind wir ihnen überlegen.

Es scheint einfacher, einem anderen zu vergeben. In der Regel genügt es, sich die Umstände der Handlung zu vergegenwärtigen, den psychologischen Hintergrund und die Vorgeschichte dessen, der uns etwas angetan hat, und unsere eigene Befindlichkeit. Ich behaupte mal, jeder von uns hat genug Psychotipps und -tricks auf Lager, um das hinzukriegen. Oder es zumindest zu versuchen. Im Wege steht einem doch stets dasselbe: Man ist es so gewohnt, sich selbst als Opfer zu begreifen, dass man darüber vergisst, was man bei den Anderen anrichtet. Es geht auch in der Vergebung darum, genau hinzusehen. Ohne Erwartungen hinzusehen. Mit kühlem Verstand, ohne zu richten. Und dann loszulassen. Genau wie im Yoga.

So weit, so schwer, warum ist es jedoch so besonders hart, sobald wir uns selbst einen Fehler verzeihen sollen? In unserem narzisstischen Zeitalter haben wir eine genaue Vorstellung davon, wer wir sind und sein wollen. Davon abzurücken ist weitaus schwerer, als sich einzugestehen, dass der Aufreißer, dem man auf den Leim gegangen ist, schlimme Bindungsängste hat. Es ist, für alle Fans der legendären Serie „Breaking Bad“ der Stolz, der den Hauptdarsteller Walter White zum Monster werden lässt, die Verbitterung darüber, dass er nicht derjenige geworden ist, der er sein wollte, ein klassisches Ego-Problem.

Wir stimmen nicht in den üblichen Chor der Yogis ein, die das „Ego“ für alles verantwortlich machen. Im Gegenteil, um in der Welt zu bestehen und Dinge anzupacken, braucht man ein gesundes Selbstbewusstsein. Deswegen ist unsere Botschaft auch: Steckt Eure Ziele hoch, unternehmt Abenteuer, macht genau das, wovon Ihr heimlich träumt. Aber verdammt Euch nicht, wenn Ihr auf die Schnauze fallt. Einfach wieder aufstehen. Wie in der Fliegenden Krähe oder einer anderen Balanceübung. „Keep falling“, wie der amerikanische Superyogi Rodnee Yee mir mal auf den Arm geschrieben hat.

(Und für alle, denen jetzt partout kein großes Ziel einfallen will, und um nun doch mit Buddha zu enden: Wahres Mitgefühl zeigen wir nur, wenn wir im Stillen vergeben. Wenn sich der Schuldige nicht mal schuldig fühlt, nicht mal weiß, was er angerichtet haben, und wir ihm klammheimlich alles vergeben. Sagt Buddha.)