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Yoga Vidya – wirklich gemeinnützig?
Bilder: Yoga Vidya

Yoga Vidya – wirklich gemeinnützig?

Von Kristin Rübesamen

„Dunkles Geschäft, Seelenfänger, Yogaboom...“, der Reporter des Handelsblatt lässt kein Klischee aus, um das brave Bad Meinberg als Tatort für einen neuen Yogaskandal auszustatten. Am Sonntag knöpfte er sich in einem kontroversen Artikel Volker alias Sukadev Bretz und seinen Yoga Vidya e.V., Europas größte Yogaschule in Bad Meinberg mit vielen Seminarhäusern, vor. Seine These, dass Volker Bretz, mit seiner Seelenfängerei durch spirituelles Gehabe in die eigene Tasche wirtschaftet, kann er jedoch nicht beweisen. Das Geschäftsgebaren von Yoga Vidya, als gemeinnütziger Verein keine Steuer zahlen zu wollen, mag einen Missbrauch durch ein eigennütziges Interesse von Bretz nahelegen, aber bis dieser bewiesen ist, gilt in einem Rechtstaat wie unserem die Unschuldsvermutung. Tatsächlich ist die Gemeinnützigkeit von Vereinen wie Yoga Vidya fragwürdig, weil dem Bund dadurch Steuern entgehen, während der Bürgermeister sich über die Kurtaxe freut und sich den Verein weiterhin steuerfrei wünscht. Deshalb ist Bretz’ Ansinnen, die Wissenschaft des Yoga durch seine Vereinsarbeit zu verbreiten, aber nicht von vornherein diskreditiert. Es ist wie mit dem Weltfrieden. Obwohl in seinem Namen unzählige Verbrechen geschehen, wird er immer ein ehrenwertes Ziel bleiben.

Einiges, was der Reporter als Belege für seine These aufzählt, sind zwar keine Beweise, aber gefallen tut es uns auch nicht.

Warum bekommen die Mitarbeiter nur etwa 300 Euro Taschengeld im Monat bei freier Kost und Logis für 40 Stunden Arbeit in der Woche? Auch wenn für einige, die es auf dem normalen Arbeitsmarkt schwer haben, ein solches Leben in Gemeinschaft vermutlich attraktiv ist, muss die Frage erlaubt sein, ob hier die Fürsorge von Bretz oder sein heimliches Gewinnstreben die Oberhand haben? Er behauptet, laut Reporter, die Mitarbeiter stimmten selbst über ihren „Lohn“ ab. Das klingt tatsächlich suspekt und im Wissen um die spezielle Dynamik zwischen Guru und Jünger nach einem ungesunden Abhängigkeitsverhältnis.

Was uns allerdings auch gestört hat, ist die Selbstgerechtigkeit des Reporters, der sich über Menschen lustig macht, die auf der Suche nach einem Leben jenseits der im Handelsblatt vertretenen Inhalte sind. Dünkelhaft sucht er nach Indizien für eine Kultur, die weit unter seiner steht. Selbst die Reismilch, mit der die armen Teilnehmer, desavouiert durch ihre  „Trainingsanzüge aus Ballonseide“, die den Reporter ästhetisch herausfordern, eine „Schamanenaustreibung“ im „Keller“ (weiteres Indiz für das untere Ende des sozialen Spektrums) vornehmen, wird so zum Teufelsutensil und Beleg einer gefährlichen Sektenkultur. Als ob, würden wir hier gerne einwerfen und diese „Sekte“ in ihrem harmlosem kamillenteehaften Gelb in Schutz nehmen.

Wir haben Sukadev (alias Volker Bretz) und seine Frau vor einigen Jahren bei Dreharbeiten kennengelernt und in Bad Meinberg den Eindruck gewonnen, dass es ihnen und ihren Mitarbeitern wirklich um die Sache geht. Sie machten tatsächlich einen sehr bescheidenen, ernsthaften und zurückhaltenden Eindruck. Haben wir in der Scheune einen Jaguar gefunden und einen Heliport auf dem Dach? Nein! Finden wir trotzdem, dass YogaVidya als größte Wirtschaftsmacht im deutschen Yoga deutlich transparenter vorgehen sollten, und die oben angeführten Fragen offen diskutieren sollten? Ja, unbedingt.

Vor allem die zentrale Frage, ob Yoga Vidya gemeinnützig ist? Wenn der Vereinszweck die Verbreitung der „Yoga-Religion“ ist, dann wäre jedes Yogastudio gemeinnützig (ähem und wir auch). Alle anderen zahlen aber genau wie wir brav Steuern. Richtig oder falsch? Jetzt seid, wie es im Morning Briefing des Handelsblatt immer so schön heißt, Ihr dran. Was meint Ihr?

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