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Baby Blues: Was du für dich tun kannst
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Baby Blues: Was du für dich tun kannst

Von Katharina Goßmann

Baby Blues, Heultage, Postpartum Blues

Es gibt viele Namen für das verbreitete Phänomen: In den ersten drei bis fünf Tagen nach der Geburt sind viele Mütter hochsensibel, ihre Stimmung schwankt stark, sie fühlen sich erschöpft, manchmal auch traurig, und die Tränen fließen eimerweise. Das klingt erst mal dramatischer, als es ist. Klassischerweise dauert der Baby Blues eben nur ein paar Tage, und dann verschwindet er auch wieder von selbst. Wenn du während deiner Periode normalerweise stark unter dem prämenstruellen Syndrom (PMS) leidest, kennst du den Zustand in abgeschwächter Form ja auch schon.

Trotzdem gibt es aber einiges, das du während der – unglaublich schönen, aber auch wahnsinnig intensiven – Transformation zur Mutter für dich tun kannst. Katharina Goßmann mit den wichtigsten Fakten zum Baby Blues, wie du dich in dieser Phase unterstützen kannst – und wie du die deutlich gefährlichere Schwestererkrankung, die postnatale Depression, erkennst.

Ursachen des Baby Blues

Genau wie beim PMS ist eine Ursache des Baby Blues die dramatische Hormon-Umstellung in deinem Körper nach der Geburt. So wie es deinen Hormonhaushalt durcheinanderwirbelt, wirbelt es auch deine Emotionen durcheinander.

Wenn du eine schöne, natürliche Geburt hattest, ist es allerdings deutlich unwahrscheinlicher, dass du stark unter Baby Blues leiden wirst – ganz im Gegenteil kann es sein, dass du direkt nach der Geburt und auch in den Tagen danach auf einem hormonell bedingten Stimmungshoch segelst. Denn wenn Mütter das Gefühl haben, dass sie bei der Geburt „versagt” haben, erhöht das die Wahrscheinlichkeit der Heultage. Nicht, dass Frauen bei einer Geburt versagen können – ganz ehrlich, wenn am Ende Mutter und Kind wohlauf sind, ist das in jedem Fall eine perfekte Geburt! Trotzdem scheinen viele Frauen sehr konkrete Erwartungen an sich zu haben in Hinsicht auf die Geburt, und wenn sie die nicht erfüllen, wirkt sich das negativ auf ihr Befinden nach der Geburt aus. Aber dazu später mehr (s. Perfektion ist out).

Ein weiterer Faktor für den Postpartum Blues ist schlicht die körperliche Erschöpfung: Je nachdem, wie deine Schwangerschaft war, wie lang und schwierig die Geburt, je nachdem, wie dein neugeborener Schatz drauf ist (Stichwort: Schreibaby) fällt die unterschiedlich aus und beeinflusst so den Baby Blues. Wenn du eine entspannte Schwangerschaft hattest, eine einfache Geburt und dein Baby seine Tage mit Schlafen verbringt, reduziert das deine Erschöpfung und damit dein Risiko für Heultage beträchtlich.


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Was du für dich tun kannst nach der Geburt

Wie gesagt, der Baby Blues ist ziemlich verbreitet (und damit im wahrsten Sinne des Wortes normal) und verschwindet meist so schnell wie er gekommen ist. Wenn es dich also erwischt hat, dann kuschele mit deinem kleinen Schatz und heul dich aus. Du hast gerade ein Kind auf die Welt gebracht – wenn du jetzt nicht sentimental und erschöpft sein darfst, wann denn dann, bitteschön! 

Es gibt aber einiges, was du in den Tagen nach der Geburt für dich tun kannst. Die folgenden Tipps verhindern bzw. lindern den Postpartum Blues und sorgen dafür, dass es dir und deinem kleinen Schatz nicht nur während der ersten Tage nach der Geburt, sondern während des gesamten ersten Jahrs gut geht!

1. Organisiere Unterstützung

Die Zeit nach der Geburt ist auf allen Ebenen ein großes Abenteuer: Dein Körper erholt sich von Schwangerschaft und Geburt, stellt deinen kompletten Hormonhaushalt um, produziert Muttermilch. Dein Geist muss sich, wenigstens beim ersten Kind, in einer komplett neuen Lebenssituation zurechtfinden. Und dein Herz und deine Seele müssen verstehen und akzeptieren, dass hier eine Liebe ohne doppelten Boden wächst, eine lebenslange Liebe, eine Liebe, wie du sie – wenigstens beim ersten Kind – noch nie erlebt hast (was sich übrigens auch mal daran zeigen kann, dass du erst mal wenig bis gar nichts fühlst für dein Kind). Ganz schön starker Tobak! 

Deshalb ist es essenziell, dass du in den Tagen nach der Geburt NICHTS anderes tust, als im Bett/auf der Couch zu liegen, dich zu erholen und dein Kind kennenzulernen. Das Wochenbett heißt Wochenbett, weil du wochenlang im Bett liegen sollst! Konkret bedeutet das, dass der Haushalt, das Einkaufen und Kochen und die Versorgung älterer Kinder in dieser Zeit nicht in deiner Verantwortung liegen dürfen.

Wenn du das nicht vor der Geburt schon alles geregelt hast: Bitte deinen Partner oder deine beste Freundin darum, alle Aspekte des Alltags zu organisieren und die Aufgaben gegebenenfalls im Familien- und Freundeskreis zu verteilen. Falls dein Partner dazu spontan, eventuell auch gegen Widerstände beim Arbeitgeber, einen wochenlangen Urlaub oder eine Elternzeit durchsetzen muss – dann ist das eben so. Falls du kaum oder keine familiäre Unterstützung hast, bitte deine nettesten Nachbarn für dich einzukaufen, und rufe deine Krankenkasse an, damit sie dir eine kostenlose Haushaltshilfe besorgt. Wenn du dir Sorgen um dich oder dein Kind machst, Stillprobleme hast etc. und nicht von einer Wochenbetthebamme betreut wirst, kannst du auch deswegen bei der Krankenkasse nachfragen bzw. die nächste Elternschule kontaktieren und dich dort beraten lassen. 

2. Sorge gut für dich

Indem du dir Hilfe holst, hast du schon mal den wichtigsten Schritt in Richtung Selbstfürsorge gemacht. Denn Selbstfürsorge ist für Mütter essenziell: Wenn du erschöpft, krank oder unglücklich bist, kannst du dein Kind nicht gut versorgen. Denke an die Sicherheitsanweisungen bei Flugreisen: Dort wird explizit darauf hingewiesen, dass du zuerst dir die Sauerstoffmaske aufsetzen musst – und dann erst deinem Kind! 

Also sei ein gutes Vorbild für dein Kind und sorge dafür, dass du körperlich und seelisch in so gutem Zustand bist, dass dir das Leben mit deinem Baby Spaß macht:

  • Auf körperlicher Ebene solltest du dafür sorgen, dass du ausreichend Wasser und Kräutertee trinkst (Achtung: Falls du stillst, bitte keine milchhemmenden Kräuter wie Salbei und nichts Entwässerndes wie Brennessel!) sowie vollwertig und in Ruhe isst. Wenn du merkst, dass du im Baby-Trubel weder ans Essen noch ans Trinken denkst, stelle dir den Handywecker. Lass dir nahrhafte, leicht verdaubare Mahlzeiten vorkochen, die dann nur noch schnell aufwärmen musst. 
  • Spezial-Tipp: In der traditionell chinesischen Medizin (TCM) wird für die Zeit nach der Geburt zum Kraftaufbau eine kräftigende, sehr lang gekochte Hühnerbrühe empfohlen. Falls dir das zu exotisch ist – die Suppe ist auch ohne chinesische Kräuter sehr effektiv. Vegetarierinnen/Veganerinnen können das Huhn einfach durch mehr Karotten, Brokkoli und Rote Bete und eine großzügige Dekoration mit Petersilie ersetzen. 
  • Das andere große Thema ist Schlaf: Bis dein Baby nachts durchschläft, wird es wahrscheinlich noch eine Weile dauern. Also schlaf am besten immer dann, wenn dein Baby auch schläft. Schicke Oma/Opa/Tante/Onkel/FreundIn mit dem Baby auf Spazierfahrt und hole dann Schlaf nach. Wenn du stillst, lass den Baby-Papa nachts das Wickeln übernehmen. Wenn du mit Flasche fütterst, könnt ihr euch bei den nächsten sogar abwechseln.
  • Manche frischgebackene Mutter will ihr Baby keine Sekunde aus den Augen lassen und jedes Bedürfnis des kleinen Kerlchens sofort erfüllen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Wenn du aber merkst, dass du nicht mal zehn Minuten in Ruhe duschen kannst, weil du deinen Schatz niemand anderem anvertrauen kannst, ist es Zeit, einen inneren Perspektivenwechsel einzuleiten. Der Papa, die Großeltern, die Patentanten und -onkels freuen sich auch über Quality Time mit dem neuen Erdenbürger – und du hast dadurch Zeit, mal in Ruhe einen Tee zu trinken, durch eine Zeitschrift zu blättern oder eben in Ruhe zu duschen.

3. Perfektion ist out

Unsere moderne Gesellschaft hat viele Vorteile, für frischgebackene Mütter aber auch einige Nachteile: Kaum eine Neu-Mama wird heutzutage noch von einem großen Familienverband unterstützt. Die meisten haben auch vor ihrer Geburt noch nie eine Frau im Wochenbett miterlebt. Gleichzeitig wird durch die sozialen Medien nur die fotogene Seite des Mutterseins transportiert.

Das alles sorgt dafür, dass viele Neu-Mamas eine eher unrealistische Vorstellung von der Zeit nach der Geburt haben und sich völlig überfordern. Das ist schade, denn wenn du diese Zeit als das akzeptierst, was sie ist – ein einzigartiger, ziemlich intensiver Ausnahmezustand – und ihn in allen Aspekten annimmst, dann wirst du eine herrliche, transformierende Phase der überbordenden Emotionen, des liebevollen Kennenlernens und eine völlig neue Körperlichkeit erleben.

Unser Tipp: Entspanne dich und nimm alles, wie es kommt. Staune, wie lange dein Bauch noch so groß bleibt, wie stark die postnatalen Blutungen sind, akzeptiere, falls du für eine kurze Zeit inkontinent bist. Erfreue dich an deinen riesigen Brüsten, und daran, dass du so viel Muttermilch produzierst, dass dein T-Shirt innerhalb von Minuten durchnässt – oder eben daran, dass du kein Riesenbusen-Milch-Wunder bist und ganz ohne Still-BH in deine normalen T-Shirts passt und bequem mit Flasche füttern kannst! Genieße einfach die Wochen und Monate nach der Geburt, auch wenn sie ausschließlich mit Stillen, Wickeln, Babyschmusen/-tragen/-schieben und Schlafen ausgefüllt sind.

Ach, und meide die sozialen Medien. Denn es ist völlig egal, wie fit, schlank, gepflegt andere Frauen nach der Geburt sind, wie schnell sie wieder in ihr Berufsleben einsteigen oder wie entspannt sie ihre 14 älteren Kinder versorgen. Das einzige, was zählt, ist, dass du deinen Alltag so gestaltest, dass es dir, deinem Baby und deiner Familie gut geht.

Baby Blues – oder postnatale Depression?

Im Gegensatz zum Baby Blues ist die postnatale Depression, auch Wochenbettdepression oder Postpartum-Depression genannt, eine ernstzunehmende Erkrankung, die auch mit Suizidalität einhergehen kann. Deshalb solltest du jedes Anzeichen ernst nehmen – speziell wenn du in einer schwierigen familiären oder sozialen Situation lebst oder durch psychische Vorerkrankungen bzw. traumatische Kindheitserfahrungen belastet bist. 

Achtung: Die postnatale Depression beginnt oft schleichend und entwickelt sich nicht immer direkt nach der Geburt, sondern kann im gesamten ersten Jahr nach der Geburt entstehen.

Symptome der Postpartum-Depression

Die grundlegenden Symptome sind oft ganz allgemeiner Art – Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrations- und Schlafprobleme und eine erhöhte Reizbarkeit. Bei vielen Frauen zeigt sich zudem ein allgemeines Desinteresse: Sie interessieren sich weder für ihr Kind noch für sich, ihre Familie oder Hobbys etc., die ihnen früher wichtig waren.

Ansonsten können folgende Symptome auftreten:

  • Freudlosigkeit oder Leeregefühle
  • Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld
  • Energie- und Hoffnungslosigkeit
  • Taubheitsgefühle und Zittern
  • Ängste und Panikattacken
  • ambivalente Gefühle gegenüber dem Kind

Was du bei Verdacht auf postnatale Depression tun kannst

Wenn du vermutest, dass du betroffen sein könntest, sprich so schnell wie möglich mit einem Menschen, dem du vertraust und leite mit dessen Hilfe sofort weitere Schritte ein: Setze unbedingt in deinem Alltag unsere drei Tipps für den Baby Blues um (s.o.), suche dir einen vertrauenswürdigen Arzt, der sich mit dem Thema auskennt und besprich mit ihm das weitere Vorgehen. Oftmals reichen ein paar Termine bei einem erfahrenen Psychotherapeuten, um die Welt (und das Leben mit Baby) in ganz anderem Licht zu sehen. Aber auch Selbsthilfegruppen bzw. offene Sprechstunden bei Elternschulen etc. können helfen.

Bei schweren Fällen kann eine medikamentöse Behandlung oder eine Einweisung in eine psychosomatische Klinik nötig sein. Hab bitte keine Angst vor solchen Maßnahmen! Weder wirst du ewig Psychopharmaka schlucken müssen noch dein Leben in einer Einrichtung verbringen – diese Maßnahmen sind nur dazu da, dich kurzfristig wieder auf die Beine zu bringen. Danach kannst du dann wieder besser für dich sorgen (s.o.). Und falls du dir Sorgen machst, ob eine gute Mutter Psychopharmaka schlucken darf oder ihr Kind für eine stationäre Behandlung kurzfristig beim Papa oder den Großeltern lassen darf: Dein Kind wird dir garantiert nicht böse sein, dass du kurzfristig deine Gesundheit in den Vordergrund stellst, um langfristig glücklich und gesund für dich und dein Kind da sein zu können.

Remember: Alles ist gut so, wie es ist. Was auch immer passiert, hat seinen Sinn. Du wirst das Kind schon schaukeln!

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