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Yogalehrerin Stine Lethan im Interview
Bild: Stine Lethan

Yogalehrerin Stine Lethan im Interview

Von Kristin Rübesamen

Du warst gerade wie jedes Jahr ein paar Monate in Indien. Wo?

Wir haben viele Orte in Indien kennengelernt, bevor wir Kinder hatten. Seit letzter Saison sind wir im Norden von Goa etwa eine halbe Stunde südlich von Mahahastra.

Warum immer am selben Ort?

In der Nähe von Arambol in Goa findet man Yoga, Meditation, Kunst, Tanz, Martial Arts, tolles Essen, schöne Strände, und in Shanthi Redi Beach in Maharashtra, wo ich auch unterrichte, ist es schön ruhig. Diese Kombination bringt uns in Balance. 

Was findest Du in Indien, was Du in Berlin nicht hast?

Arambol und Berlin sind gar nicht so unterschiedlich, auch hier trifft man Menschen aus aller Welt, die sich austauschen und gegenseitig inspirieren. Berlin im Winter ist aber nicht auszuhalten, erkältete Kinder, Kälte, Dunkelheit und trockene Haut; niemand sieht sich an in der U-Bahn, es ist ein einziger Überlebensakt. In dieser Zeit vier Monate in Indien sein zu können mit Meer, Sonne und Zeit ist ein Luxus für uns. Sobald unsere beiden Kinder zur Schule gehen, wird es schwieriger werden, sich diese Auszeit zu nehmen.

Was lernst Du in Indien über dich, was Dir in Kreuzberg nicht aufgefallen wäre?

Ich lerne, dass das simple, schlichte Leben mich glücklich macht. Dass ich unabhängig leben kann von materiellen Dingen. Termine einzuhalten in Indien ist ein Thema für sich. Alles kommt zu spät, zu früh, und dann doch immer irgendwie genau richtig. In Deutschland oder in Dänemark, wo ich herkomme, bedeutet Zeit Geld. In Indien lerne ich flexibel zu bleiben - loszulassen, nicht festzuhalten. So werde ich auch nicht sauer, wenn der indische Yogalehrer zwanzig Minuten zu spät kommt. Ich genieße die Zeit, übe bis dahin allein und habe schon vorher alle informiert, dass ich mich mit meiner Rückkehr vielleicht verspäte.

Was lernen deine Kinder bei diesem Aufenthalten?

Sie verstehen Zusammenhänge, die sie in Deutschland nur aus Büchern kennen. Wir wohnen hier zwischen Meer, Dorf und Touristenort. Meine Kindern erleben wie die Fischer verkaufen, was sie gefangen haben, erleben die Natur, sehen die verschiedenen Gotteshäuser, Tempel, Moscheen und Kirchen zwischen heiligen, freilaufenden Kühen, lernen, was Toleranz bedeutet. Vor allen sind sie mit mir und meinem Mann zusammen, weg vom Alltag. Wir haben mehr Zeit zusammen und wir Erwachsende sind entspannter als in Deutschland.

Viele Indienfans verdrängen erfolgreich, dass es massive Ungerechtigkeiten im Land gibt, Korruption, Diskriminierung der Frau, das Kastenwesen etc. Wie sortierst Du das in deinem Kopf?

Diese Nachrichten sind schrecklich. Sobald man jedoch im Land selbst ist und hier lebt, beurteilt man das, was man sieht und was einem unmittelbar passiert. Wie wir Brot kaufen von einem netten Bäcker, wie unsere Kinder mit den Nachbarskindern spielen. Ich finde absolut entsetzlich, was man über diese Vergewaltigungen gelesen hat und manchmal, wenn ich es gar nicht ertragen kann, hilft mir ein Rat von  Dalai Lama:

1: Sorge nicht für mehr schlechtes Karma

2: Sei ein guter Mensch, gib dein Bestes. Fang bei dir an und dem Kreis um dich.

3. Bete für die Armen und Toten.

Du bist hauptberuflich Yogalehrerin, etwas, das nur wenige schaffen. Wie gelingt dir das?

Ich kann mich keinen anderen Beruf vorstellen. Deshalb mache ich nur das. Als Yogalehrerin verdient man nicht viel Geld, aber es genügt für ein gutes und schlichtes Leben. Ich war früher professionelle Tänzerin und bin gewohnt, so zu leben. Ich bin wahrscheinlich auch sehr naiv in Bezug auf Geld. Ich vertraue darauf, dass das Geld kommt, wenn ich es brauche und das Geld fliesen muss. Das, was ich verdiene, gebe ich auch aus. Ich vertraue einfach darauf, dass meine Träume in Erfüllung gehen. Jetzt mit den Kindern helfen ich und mein Mann uns gegenseitig aus.

Wie viele Yoga-Flauten hattest Du schon auf deinem "Yoga-Weg"?

Am Anfang war ich schon sehr unsicher. Ich habe ziemlich schnell nach meiner Ausbildung bei Patricia Thielemann im Spirityoga Berlin angefangen zu unterrichten. Ich war unsicher, weil ich so einen Respekt hatte vor der Yoga Philosophie und Technik, aber meine Lehrerin Patricia Thielemann hat mich ermutigt und gesagt, das ich nur das unterrichten soll, was ich jetzt weiß und nicht mehr. Das hat mir Vertrauen gegeben. Später habe ich erst verstanden, dass es einfach Zeit und Erfahrung braucht, bis du eine gute Lehrerin wirst, Wissen sammelst und dabei authentisch bleibst. 

Die unterschätzteste Asana deiner Meinung nach?

Eine leichte Umkehrhaltung. (Auf dem Rücken liegen, Beine hoch oder angewickelt, Arme geöffnet, Schultern entspannt. Die Beine hoch an der Wand wirkt auch sehr regenerierend.

Yoga im Westen ist in erster Linie eine Sache für dünne, weiße Frauen aus der Mittelschicht. Randgruppen finden so gut wie nie den Weg auf die Matte. Warum?

Leider ist Yoga im Westen sehr verbunden mit Prestige, Hollywood und Geld. Diese dünnen, weißen Frauen fühlen sich näher am Ziel mit dem richtigen Outfit. Für die Randgruppen ist der Weg nach "oben" zu weit, die nehmen den einfachen Weg und gehen zu McFit. Deswegen tut es mir gut in Indien zu sein, um das wahre Yoga zu erleben - in seinem Ursprungsland.

Yoga ist zum Klischee für mittelalte Frauen geworden, die keinen Sex haben. Ist Yoga Ersatz für Sex?

Nein in Gegenteil. Wenn man Yoga praktiziert, bekommt man ein bewusstes Körpergefühl, lernt den Körper einzusetzen und wird selbstbewusster. Yoga hilft,  den eigenen Körper zu lieben und das öffnet die Tür für ein schönes Sexleben.

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