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Verletzte Seele: Yoga und Trauma

Von Kristin Rübesamen

Vor einigen Jahren kam die Musikerin und Yogalehrerin Kelly Britton mit einer Kollegin, der nach einem Busunfall ein Bein fehlte, ins Gespräch. Auch Kelly, die eine harte Jugend hinter sich hatte und bereits Anfang Zwanzig in einem Heim für Gewaltopfer Zuflucht suchen musste, interessierte sich für die Möglichkeiten, die Yoga im Zusammenhang mit der Heilung von Traumata bieten könnte.

“Ich denke an Trauma als Veränderung, daran, dass Karma ein Geschenk sein kann, spirituell zu sich selbst zu finden. " Zusammen wagten sie es, an ihrer Schule in New York, dem Jivamukti Yoga Center, einen Workshop zu diesem Thema zu veranstalten und nannten ihn “Karma ist ein Geschenk: Trauma und Transformation.”

Der Workshop war gepackt voll, ein Drittel der Schüler war männlich. Später erfuhren sie, dass viele sexuell traumatisiert waren durch früheren Missbrauch. Eine Frau hatte ihren Teenager-Sohn verloren. Kelly erinnert sich: “Ich wußte, dass wir das Richtige taten, als einige der Männer schon nach wenigen Minuten Tränen in den Augen hatten.”

Der Workshop dauerte zweieinhalb Stunden, enthielt viel Pranayama, Kriyas, also Reinigungsübungen durch den Atem, Brustöffner und restaurierende, heilende Stellungen, die lange gehalten wurden.

Auch wenn dies nur eine einmalige Erfahrung war, gibt es mittlerweile mehr Yogalehrer, die sich mit dem Thema beschäftigen und das Interesse wächst.

Gerade weil traumatische Erlebnisse einen großen Einfluss auf unser Nervensystem nehmen können und sich damit gewissermassen im Körper “festsetzen”, ist die Idee, genau auf physiologischer Ebene mit der Heilungsarbeit anzufangen, eine interessante Ergänzung zu psychotherapeutischen Methoden. Sich und seinen Körper wieder zu spüren, setzt kontinuierliches Arbeiten mit diesem Körper voraus, ohne dass dem Körper sein eigenes “Unvermögen” zum Vorwurf gemacht wird.

Yoga als körperliche, holistische Disziplin könnte genau diese Leerstelle füllen. Um damit allerdings auf breiter Ebene erfolgreich zu sein, fehlen ausreichend wissenschaftliche Beweise. Für solche Untersuchungen wird in der Regel nur Geld locker gemacht, wenn hinterher auch welches damit verdient werden kann. Yoga ist billig. Das steht seinem Erfolgszug in die Schulmedizin im Weg. Neurophysiologische Erkenntnisse könnten das ändern.

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